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Game-Streaming
Wie Netflix für Computerspiele

Streamingdienste versprechen, Computerspiele auch ohne teure Hardware auf einfachen Heim-PCs zu ermöglichen.
Streamingdienste versprechen, Computerspiele auch ohne teure Hardware auf einfachen Heim-PCs zu ermöglichen. FOTO: dpa / Sebastian Gollnow
Berlin. Anbieter von sogenanntem Game-Streaming versprechen, PC-Spiele unabhängig von der Hardware zu machen. Von Dominik Schott (dpa)

Es ist eine der ältesten Fragen, die Computerspieler beschäftigt: „Läuft dieses Spiel auf meinem Rechner?“ Erfüllt der heimische PC die Hardware-Anforderungen nicht, müsste der Spieler seine Ausstattung entweder für teures Geld aufstocken oder auf das neue Spiel verzichten. Das sogenannte Game-Streaming soll dieses Problem lösen.


Der Service lässt sich mit einer Art Netflix für Videospiele vergleichen: Kunden können Titel aus einer digitalen Bibliothek auswählen, das Spiel läuft auf einem leistungsfähigen Computer beim Anbieter. Dort werden alle Spielschritte und grafisch aufwendigen Bilder berechnet. Auf dem Computer zu Hause wird nur das Bild übertragen. Das bedeutet, dass all die hardware-hungrigen Rechenprozesse außerhalb der eigenen vier Wände stattfinden. Unabhängig davon, wie leistungsfähig die eigene Ausrüstung ist.



Leistungsstarke Heim-PCs oder Konsolen – so das Versprechen – werden bei dieser Art der Unterhaltung überflüssig. Eine ausreichend schnelle Internetleitung, ein einfacher Controller oder Maus und Tastatur sollen ausreichen. Niklas Wilke von der Unternehmensberatungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers sieht in diesem Service Vorteile für Kunden: „Ein Vorteil ist, dass der Spieler das Spiel nicht mehr kaufen muss, sondern lediglich für die Nutzung zahlt. Bei werbefinanzierten Modellen entfallen gegebenenfalls auch diese Kosten.“ Daneben erhielten Kunden Zugriff auf neue Spiele und aktuellste Versionen, vorausgesetzt der Anbieter pflege sein digitales Angebotsregal.

„Aus Anbietersicht bietet Game-Streaming den großen Vorteil, dass sich der direkte Kontakt zum Kunden intensivieren lässt, zum Beispiel über Abo-Modelle", führt Wilke an. Größter Anbieter ist aktuell Entertainment-Riese Sony mit seinem Streamingdienst Playstation Now. Nach Unternehmensangaben hält der Spiele-Katalog mehr als 400 Titel von Playstation 3 und 4 zum Streamen auf Konsolen und Windows-PC bereit. Sie können beliebig lang und oft gegen eine monatliche Gebühr von 17 Euro gespielt werden.

Dadurch, dass das eigentliche Spiel auf den Servern von Sony gerechnet wird, können auch exklusive Konsolenspiele auf dem Computerbildschirm gespielt werden, bei Bedarf auch ohne Controller und nur mit Maus und Tastatur. Die Speicherstände des Spielfortschritts werden online gespeichert. So können Spieler von überall auf die Spiele zugreifen und dort weiterspielen, wo sie aufgehört haben.

Neben Sony ist in Deutschland derzeit nur ein weiterer bedeutender Anbieter in der Streaming-Landschaft vertreten: Der Hardware-Hersteller Nvidia, bekannt für die Geforce-Grafikchips, betreibt ebenfalls einen Streaming-Service namens Geforce Now. Mit seinen eigenen Grafikchips im Rechenzentrum, verspricht Nvidia, sollen selbst grafisch anspruchsvolle Spiele in Full-HD-Auflösung (1920 zu 1080 Pixel) und 60 Bildern pro Sekunde möglich sein. Der Haken: Der Kunde braucht dafür einen Receiver namens Shield TV für rund 230 Euro. Zusätzlich wird ein monatlicher Beitrag von zehn Euro fällig. Seit Herbst 2017 können Nutzer Geforce Now zwar auch ausschließlich mit einem Mac-PC nutzen. Die Spiele dafür müssen sie jedoch einzeln erwerben. Dieses Modell erinnert daher weniger an das klassische Streaming, bietet jedoch die Vorteile eines leistungsfähigeren Geräts. Bis Ende des Jahres soll dieser Dienst gratis verfügbar sein und bald auch für Windows-PCs erweitert werden.

Streaming für Videospiele hat jedoch einen Haken. „Die Voraussetzungen für Game-Streaming sind nicht ganz so einfach, wie es im ersten Moment vielleicht erscheint“, sagt Niklas Wilke. In jedem Fall brauche der Nutzer eine schnelle Breitbandanbindung. Nvidia nennt hier zehn Megabit pro Sekunde (Mbit/s) als Minimum, 20 Mbit/s für Streaming in HD, für Full HD bräuchte es 50 Mbit/s. Diese Bandbreite ist aber längst nicht überall in Deutschland verfügbar.

Auch kann es zum Problem werden, wenn jemand im gleichen Netzwerk Filme schaut oder Dateien herunterlädt. Dann besteht die Gefahr, dass die Spielqualität darunter leidet, erklärt Wilke. Verzögerungen bei der Bildanzeige und den Reaktionszeiten können die Folge sein. Gerade schnelle Strategie- oder Shooter-Spiele sind dann nur schwer zu spielen.