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Wie Essen ins rechte Licht gerückt wird

Food-Fotografie : Wie Essen ins rechte Licht gerückt wird

Essen ästhetisch für ein Foto auf Instagram oder Facebook in Szene zu setzen, ist alles andere als leicht. Auf Bildern sieht schnell auch die leckerste Pasta unappetitlich aus. Man muss kein Profi sein, um das besser hinzubekommen.

Wer als Laie schon einmal versucht hat, die eigenen Kochkünste fotografisch festzuhalten, kennt das vermutlich: Selbst das appetitlichste Gericht sieht auf einmal zum Fürchten aus. Woran liegt das und was kann man besser machen?

Ein gutes Essensfoto braucht vor allem gutes Licht. Deshalb sollte das Essen nah an ein Fenster gestellt werden, um möglichst Tageslicht einzufangen. „Das Licht sollte von schräg seitlich oder von schräg hinten kommen, nicht von oben oder von vorne“, rät Food-Bloggerin Vera Wohlleben aus Neustadt an der Weinstraße.

Direktes Sonnenlicht werfe zu harte Schatten. Am besten sei daher ein Fenster, das nach Norden, Westen oder Osten ausgerichtet ist, meint Sebastian Barsch vom Fachmagazin Chip Foto-Video.

Das Licht in den frühen Morgenstunden ist für Foodfotografie gut geeignet, erklärt auch Stina Spiegelberg. „Dann ist der Schatten noch relativ weich und die Farben kommen schön leuchtend und natürlich zur Geltung“, sagt die Food-Fotografin und TV-Köchin. Je nach Jahreszeit sei zudem der frühe Nachmittag zwischen 14 und 16 Uhr passend.

Für den Winter empfiehlt Spiegelberg sogenannte Softboxen, die mithilfe einer Art Pergamentpapier vor einer Lampe ein weiches Licht schaffen. Wenn Fotografen eine solche Softbox verwendeten, sollte allerdings der Raum vorher abgedunkelt werden, um das künstliche Licht nicht mit Tageslicht zu mischen.

Ein weiterer Trick sei, das Foto in einem 45-Grad-Winkel zu schießen, so werde das Essen ins Zentrum gerückt. Wer im Restaurant fotografieren möchte, sollte Wohlleben zufolge aus der Not eine Tugend machen und die Stimmung mit einbeziehen. Der Hintergrund ließe sich etwa mit Brotkorb und Weingläsern verschönern. „Nicht der Versuchung erliegen und den Frontalblitz verwenden, das bekommt Foodfotos in kaum einem Fall gut“, warnt Wohlleben. Von vornherein sollte bei der Platzwahl an das spätere Werk gedacht werden, deshalb könne beispielsweise ein Ort nahe am Fenster geeignet sein, aber keinesfalls direkt unter einer Lampe.

Aus welcher Perspektive fotografiert werde, sei abhängig vom Gericht. Deshalb sollten sich Fotografen fragen, was den eigentlichen Trumpf der Speise ausmacht, was sie so lecker macht und was herausgestellt werden soll. „Ein Stapel fluffiger Pfannkuchen kommt am besten von frontal zur Geltung“, sagt Wohlleben. Eine lecker belegte Pizza dagegen sei prädestiniert für die Vogelperspektive.

Die Sicht desjenigen, der das Essen verspeisen wolle, sei meist ideal, also ein 45 Grad-Winkel. Diese Perspektive eigne sich auch gut für flache Gerichte oder Gebäck, erklärt Spiegelberg. „Bei einer Suppe oder Bowl ist es besser, sie anzuschrägen, damit der Betrachter den Inhalt zu sehen bekommt.“

„Einfach mal um das Essen herum wandern“, rät Barsch, „dann sieht man auch, wie das Licht sich verändert.“ Dabei gelte, dass das Essen im Mittelpunkt stehe, der Hintergrund sollte also nicht zu überladen wirken. Anfängern rät er zur einfarbigen, hellen Wand oder zu einer Pappe.

Dennoch kann und solle der Hintergrund die Stimmung unterstützen. Zum Beispiel wirkt rustikales Holz gut bei einem herzhaften Gericht, sagt Wohlleben. Zu einer feinen Erdbeertorte passe meist besser ein heller Untergrund, zu einer Pfanne mit Käsespätzle eher ein dunkler. „Farblich macht man mit natürlichen Neutraltönen wenig falsch“, meint die Fotografin. Wer mag, könne mit Farbkontrasten experimentieren.

„Gute Essensfotos erzählen eine Geschichte“, sagt Spiegelberg. Welche Zutaten wurden verwendet? Hat schon jemand abgebissen? Es gehe darum, nicht nur das Essen abzuknipsen, sondern festzuhalten, in welcher Situation man das essen würde. Schön wirke Essen, das ein bisschen angefangen ist, „das impliziert eine gewisse Heimeligkeit“. Wenn noch eine Gabel im Essen liege, sehe es nahbarer und ästhetischer aus.

Ein guter Trick: Es sollte kein zu großer Teller gewählt werden. Auch überladen werden sollte ein Teller für ein gelungenes Foto nicht „Jede Zutat sollte gut erkennbar sein“, stellt Barsch fest. Dann wirke das Essen appetitlicher. Ein paar frische Kräuter oder Gewürze bringen zusätzlichen optischen Schwung.

(dpa)