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Wie ein Sprühregen aus kochendem Gestein

Wie ein Sprühregen aus kochendem Gestein

Eine Serie von Kometeneinschlägen verwüstete vor 790 000 Jahren ganze Landschaften in Asien und Zentralamerika. Die Spuren sind bis heute zu finden. Forscher der Uni Heidelberg analysieren die Zeugnisse jener Zeit.

Obzwar schon lange ausgestorben, zählen die Dinosaurier heute für uns zu den faszinierendsten Lebewesen, die je auf der Erde lebten. Das hängt auch mit dem großen Rätsel um das Verschwinden dieser riesigen Tiere vor rund 65 Millionen Jahren zusammen. Sehr wahrscheinlich war der Einschlag eines über zehn Kilometer großen Asteroiden die Ursache dafür.

Mehrere Einschläge

Solche Kollisionen sind in der Erdgeschichte immer wieder vorgekommen, auch wenn das Ausmaß der Zerstörungen dabei nicht immer globale Dimensionen erreichte. Forscher der Uni Heidelberg haben nun Hinweise gefunden, wonach die Erde vor 790 000 Jahren gleich mehrere Einschläge verkraften musste. Diesen Schluss ziehen die Geowissenschaftler aus der Analyse sogenannter Tektite aus verschiedenen Erdteilen, bei der sie den Zerfall natürlicher radioaktiver Elemente zur Altersbestimmung nutzen. Die glasartigen Gesteine entstehen beim Einschlag durch die gewaltige Hitze. Dabei kann Gestein geschmolzen und tausende Kilometer fortgeschleudert werden. Es erstarrt dabei zur glasartigen Substanz.

Die Heidelberger Forschergruppe um Professor Mario Trieloff, die das Alter solcher Gesteinsgläser aus Asien, Australien, Kanada und Zentralamerika bestimmte, kam zum Ergebnis, dass sie zwar gleichen Alters sind, sich aber in der Zusammensetzung unterscheiden. Das sei ein klarer Hinweis auf mehrere Einschläge, die sich fast gleichzeitig an verschiedenen Orten ereigneten. "Tektite sind schon länger aus dem australasiatischen Raum bekannt", so der Geowissenschaftler Winfried Schwarz. Ihre Fundorten ergeben ein Streufeld, das von Indochina bis zum südlichsten Zipfel Australiens reiche. Kleine Tektite seien sogar in Tiefseebohrkernen vor Madagaskar und in der Antarktis gefunden worden. Teilweise sei das Material nach dem Einschlag über 10 000 Kilometer weit geflogen und müsse dabei sogar die Erdatmosphäre verlassen haben. "Die Auswertung unserer Daten zeigt, dass es einen kosmischen Treffer vor rund 793 000 Jahren gegeben haben muss, mit einer möglichen Abweichung von 8000 Jahren", so Schwarz. Andere Gesteinsgläser aus Zentralamerika seien zwar gleichen Alters gewesen, unterschieden sich aber in ihrer Zusammensetzung. Das weise auf mehrere Einschläge im asiatisch-australischen und im zentralamerikanischen Raum hin. Dabei sei möglicherweise auch der kleine Darwin-Krater in Tasmanien entstanden.

Ein Kilometer Durchmesser

Die größeren Kometen oder Asteroiden seien mindestens einen Kilometer groß gewesen und hätten beim Aufprall die Energie von einer Million Megatonnen TNT freigesetzt. Das entspricht mehreren hunderttausend Kernwaffen. Ein solches Ereignis könne im Umkreis von hunderten Kilometern gewaltige Brände auslösen. Staub und Gas verdunkeln die Sonne und beeinflussen das Klima. Stürze ein solcher Komet ins Meer, seien mehrere hundert Meter hohe Tsunamis die Folge. Ein weltweites Massensterben wie bei den Sauriern vor 65 Millionen Jahren sei aber unwahrscheinlich, so die Forscher.