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Wer wird schon meine Daten stehlen?

Wer wird schon meine Daten stehlen?

Auch wer um die Gefahren im Internet weiß, schützt sich nicht unbedingt ausreichend vor möglichen Angriffen. Wie Wissen und Handeln auseinanderklaffen können, hat eine Untersuchung der Initiative „Deutschland sicher im Netz“ ermittelt.

Cyberdiebstähle, Hackerangriffe, Viren und Internet-Spionage gehören für deutsche Nutzer zum Surf-Alltag. Sie kennen die Bedrohungen im Web. Sie wissen sogar, welche Schutzvorkehrungen getroffen werden müssen, um nicht Opfer eines digitalen Verbrechens zu werden. Aber die wenigsten setzen ihr Wissen in die Tat um. Das besagt zumindest die Studie zur digitalen Sicherheitslage der Verbraucher in Deutschland der vom Bundesministerium des Innern geförderten Initiative Deutschland sicher im Netz (DsiN). Es zeige sich eine "deutliche Schieflage zwischen Wissen und Sicherheitsverhalten." Das will die Initiative künftig ändern und jährlich einen Sicherheitsindex erstellen. Das Ergebnis der ersten Untersuchung ergab nun, dass es in Deutschland vier große Nutzergruppen gibt, die sich in ihrem Sicherheitsempfinden und ihrem Wissen über Schutzmaßnahmen unterscheiden.

Die Gruppe der "fatalistischen Nutzer" ist sehr oft von Viren oder infizierten E-Mails betroffen, kennt die daraus entstehenden Gefahren sehr gut, unterlässt aber jegliche Schutzmaßnahmen. Ihnen gehören laut DsiN meist jüngere Menschen (unter 30 Jahren) an. 16 Prozent der deutschen Internetnutzer zählen zu dieser Gruppe.

Ältere Menschen (ab 60 Jahren) tauchen hauptsächlich in der Kategorie der "außenstehenden Nutzer" auf. Sie wissen sehr wenig über aktuelle Bedrohungen wie etwa Passwort-Diebstähle durch manipulierte E-Mails (Phishing). Datenverschlüsselungen oder sichere Passwortverwaltung sind ihnen laut der DsiN-Studie unbekannt. Sie machen zehn Prozent der deutschen Surfer aus.

Die dritte Gruppe, die "gutgläubigen Nutzer" sind in allen Altersklassen zu finden. Unter sie fallen 35 Prozent aller Deutschen, die sich im Netz tummeln. Sie fühlen sich im täglichen Umgang mit dem Internet sehr sicher. Welchen Schaden Hacker oder Viren anrichten und dass Geheimdienste die Kommunikation abhören können, ist ihnen bewusst. Trotzdem setzen sie keine Programme ein, um sich dagegen zu schützen. Die letzte und größte Kategorie (40 Prozent aller deutschen Internetnutzer ) sind die "souveränen Nutzer" im Alter zwischen 40 und 49 Jahren. Sie verschlüsseln ihre Daten, verwenden komplexe Passwörter und sind ständig über die aktuelle Gefahrenlage informiert.

Aufgrund dieser vier unterschiedlichen Nutzerkategorien in Deutschland sei eine Aufklärung über Sicherheitsthemen "mit der Gießkanne" nicht sinnvoll, erklärt Christian Illek, DsiN-Vorsitzender und Chef von Microsoft Deutschland. Für jede Gruppe müsse eine individuell zugeschnittene Informationspolitik entwickelt werden. Dazu gehört auch eine stärkere Sensibilisierung für die Gefahren im Web. Gleichzeitig, so die Studie, müsse den Nutzern aber auch verständlich erklärt werden, wie sie sich effektiv schützen können - alles angepasst an ihr bisheriges Basis-Wissen.

Eines der Ziele von DsiN für alle der vier Nutzergruppen sei es, den Einsatz von Schutzmaßnahmen wie Datenverschlüsselung, Passwort-Managern oder dem vorsichtigen Umgang mit E-Mails zu verstärken. Denn 80 Prozent der aktuellen Bedrohungen könnten mit den heute vorhandenen Möglichkeiten ohne Probleme verhindert werden, sagt Michael Littger, Geschäftsführer von DsiN.