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Wenn selbst das Bezahlen Geld kostet

Wenn selbst das Bezahlen Geld kostet

Mindestens eine kostenfreie Bezahlmöglichkeit müssen Online-Shops ihren Kunden bieten. Alle anderen kosten häufig Geld. Die Verbraucherschutzzentrale hat 120 Shops getestet. Und so manchen Mängel entdeckt.

Ob mit Kreditkarte, auf Rechnung oder per Nachnahme - wer im Internet einkauft, kann in der Regel auf viele verschiedene Arten bezahlen. Allerdings müssen die Nutzer für bestimmte Zahlungsmethoden häufig zusätzlich Geld hinlegen. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen testete 120 Online-Läden bezüglich ihrer Bezahlmöglichkeiten. Das Ergebnis: Die Mehrheit der Shops (70) kassiert für mindestens eine Methode zusätzlich ab. Jeder vierte Anbieter sogar für mehrere. Zudem seien die Rechnungskosten häufig nicht transparent.

Laut der Verbraucherrechte-Richtlinie der Europäischen Union ist den Internet-Händlern mindestens eine kostenlose gängige Variante zum Begleichen der Rechnung vorgeschrieben.

Die Sicherheit ist nach den Angaben der Verbraucherzentrale für Kunden beim Bezahlen die wichtigste Anforderung. Am sichersten sei der Kauf auf Rechnung oder per Lastschrift. Beide schützen den Kunden , wenn das Produkt gar nicht oder falsch geliefert wird. Beim Rechnungskauf lasse sich die Ware zuerst prüfen, bevor das Geld überwiesen wird. Bei der Lastschrift werden die Händler zwar ermächtigt, die Kaufsumme vom Konto des Kunden einzuziehen. Ist mit der Ware jedoch etwas nicht in Ordnung, könne der Kunde das Geld innerhalb von mindestens sechs Wochen ohne Angabe von Gründen zurückbuchen. Ein Viertel der getesteten Shops boten den Kauf auf Rechnung oder per Lastschrift allerdings nicht an.

Wesentlich unsicherer seien hingegen alle Zahlungen auf Vorkasse. Hier gilt: Kommt es bei einer Zahlung auf Vorkasse zu Problemen, müsse das Geld direkt beim Verkäufer eingefordert werden. Geht dieser auf die Forderung nicht ein, führe der Weg vor Gericht. Und auch bei der Nachnahme drohen Risiken: Kaum ein Postbote warte nämlich mit dem Kassieren, bis der Kunde überprüft hat, ob die Lieferung vollständig und funktionsfähig ist. Zudem sei die Nachnahme bei keinem der getesteten Shops kostenlos. Der zusätzliche Betrag lag bei allen Anbietern zwischen rund zwei und zwölf Euro.

Der für den Test der Verbraucherzentrale Verantwortliche, Georg Tryba, erklärt, dass bei einem Kauf auf Vorkasse natürlich auch alles reibungslos laufen könne. Der Kunde solle sich des Risikos aber bewusst sein und prüfen, ob ein anderes Portal eine sicherere Methode ohne Zusatzkosten anbietet. Ist das nicht der Fall, müsse der Verbraucher zwischen den Kosten und Risiken abwägen.

Laut Verbraucherzentrale erheben vor allem Reiseanbieter und Technikshops hohe Zusatzkosten für die Zahlung. Die Fluggesellschaft Germanwings verlange beispielsweise fast zehn Euro für Kunden , die ihre Rechnung mit dem Service Paypal begleichen möchten. Wie gesetzlich vorgeschrieben bot Germanwings mit der Variante Lastschrift zwar eine kostenlose Art der Zahlung an. Die Sache hat allerdings einen Haken: Die Lastschrift ist nur bis zu fünf Tage vor Abflug freigeschaltet. Für Kunden , die kurzfristig einen Flug buchen müssen, kommt die einzige kostenlose Variante demnach also nicht in Frage.

Der Technik- und Elektronikshop Alternate bot zwar sechs Zahlwege an, schlug aber ab einem Bestellwert von 20 Euro für Sofortüberweisung, Paypal, Kreditkarte und Rechnungskauf fast zwei Euro drauf. Ohne Kosten blieb laut Verbraucherzentrale lediglich die risikoreiche Vorkasse.

Insgesamt 16 Anbietern drohe nun eine Abmahnung von der Verbraucherzentrale. Darunter sei unter anderem das Portal 123Babyland. Dort werden fürs Zahlen auf Rechnung fünf Prozent des Kaufpreises draufgeschlagen. Wer einen 1000 Euro teuren Kinderwagen auf Rechnung begleichen möchte, müsste demnach 50 Euro extra überweisen.

Die Verbraucherschützer bemängeln zudem, dass es häufig auf den Startseiten der Händler keinen Link gibt, der zu den Erläuterungen der Zahlarten führt. Zum Teil standen die Erläuterungen nur in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen.