Vermisstes Eigentum in sozialen Netzwerken: Wenn Facebook das Fundbüro ersetzt

Vermisstes Eigentum in sozialen Netzwerken : Wenn Facebook das Fundbüro ersetzt

Um sich den Behördengang zu sparen, stellen immer mehr Menschen gefundene Gegenstände ins Internet.

(dpa) Ob Rucksack, Handy oder Schlüssel – wer etwas verloren hat, wird heutzutage nicht selten über soziale Netzwerke im Internet wieder fündig. Bei Facebook, Twitter und Co. gibt es zahlreiche Beiträge über vermisstes Eigentum. Das klassische Fundbüro ist längst nicht mehr die einzige Anlaufstelle, wenn Verbraucher etwas Vermisstes suchen oder etwas gefunden haben. Doch die Angelegenheit hat juristische Tücken.

Generell müssen Finder laut Bürgerlichem Gesetzbuch (BGB Paragraf 965) dem Eigentümer den Fund mitteilen. Ist der Eigentümer nicht ersichtlich, muss der Fund der Behörde, also dem Fundbüro, gemeldet werden. Die Anzeige bei der Behörde muss unverzüglich erfolgen und so konkret sein, dass das Amt den Besitzer ermitteln kann. Das heißt, es müssen genaue Angaben zum Fundort und dem Zustand des Gegenstandes gemacht werden. Von der Anzeigepflicht ausgenommen sind lediglich Gegenstände, die weniger als zehn Euro wert sind.

Kathrin Körber von der Verbraucherzentrale Niedersachsen rät grundsätzlich davon ab, gefundene Sachen auf sozialen Netzwerken zu veröffentlichen, statt den Fund im Fundbüro abzugeben. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass sich Betrüger meldeten, sagt Körber.

In einem solchen Fall müsse der Finder letztlich haften, weil er dem Falschen vertraut hat. Ebenso mache sich strafbar, wer das Fundstück irgendwo ablegt. „Auch dürfen bei der Veröffentlichung von Fundsachen über soziale Netzwerke keine persönlichen Daten preisgegeben werden“, betont Körber. Ansonsten liege ein Verstoß gegen datenschutzrechtliche Bestimmungen vor.

Ein Foto des gefundenen Gegenstandes dürfe ebenfalls nicht ohne Weiteres veröffentlicht werden, sonst bestehe die Gefahr, dass ein Betrüger den Gegenstand detailliert beschreiben kann. Das Fundstück kann auch Diebesgut sein, so Körber. Dann müsse der Finder gegebenenfalls nachweisen, dass er mit der Straftat nichts zu tun habe. Aus Sicht von Körber führt also für den Finder schon aus Selbstschutz kein Weg am Fundbüro vorbei.

Für Tierhalter können die sozialen Netzwerke nach Ansicht des Deutschen Tierschutzbundes in Bonn eine gute Möglichkeit sein, ein entlaufenes Haustier wiederzufinden. Veröffentlichungen im Internet könnten klassische Such-Methoden wie Plakate oder Zettel in den Briefkästen der Nachbarschaft ergänzen, sagt Lea Schmitz vom Tierschutzbund. Damit es nicht zu Verwechslungen komme, sollten Tiere grundsätzlich mit einem Chip unter der Haut gekennzeichnet und registriert werden.

Wer einen Gegenstand oder ein Tier findet, muss dies dem Fundbüro anzeigen und die Sache entweder bei der Behörde abgeben oder aufbewahren. Entscheidet sich der Finder fürs Aufbewahren, muss er auch für den Erhalt sorgen. Tiere müssten beispielsweise gefüttert werden, erklärt Christian Solmecke. „Im Gegenzug darf der Finder notwendige Aufwendungen geltend machen, also etwa gekauftes Tierfutter in Rechnung stellen.“ Weder Tiere noch Fundsachen dürften einfach an den Fundort zurückgebracht werden. Wer sich von der Aufbewahrungspflicht befreien wolle, müsse das Tier oder das Fundstück an die zuständige Behörde übergeben, so Solmecke.

Der Eigentümer hat gegenüber dem Finder einen Anspruch auf Herausgabe des Fundstücks. Gleichzeitig muss er einen Finderlohn zahlen. „Er liegt bei fünf Prozent des Werts der Sache“, sagt Solmecke. Der Finderlohn beträgt drei Prozent des Werts, wenn die Sache mehr als 500 Euro wert ist, und ebenfalls drei Prozent, wenn es sich bei dem Fund um ein Tier handelt. Fallen sachlicher und ideeller Wert auseinander – bei Briefen und Fotos etwa oder auch bei EC-Karten – kann der Wert auch oberhalb des Sachwerts festgesetzt werden.

Das Fundbüro einerseits und die sozialen Netzwerke andererseits: Könnten sich beide nicht ergänzen? Dem würde auch Verbraucherschützerin Körber zustimmen. „In jedem Fall sollte sich der Finder genau überlegen, was er schreibt, damit sich keine Betrüger melden“, so ihre Einschätzung. 

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