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IFA eröffnet in Berlin
Wenn der Kühlschrank selbst einkauft

In naher Zukunft könnte die Einkaufsliste ausgedieht haben. Denn Kunden könnten über eine im Kühlschrank eingebaute Kamera Fotos des Inhalts mittels einer App auf ein Tablet oder Smartphone schicken.
In naher Zukunft könnte die Einkaufsliste ausgedieht haben. Denn Kunden könnten über eine im Kühlschrank eingebaute Kamera Fotos des Inhalts mittels einer App auf ein Tablet oder Smartphone schicken. FOTO: dpa / Wolfgang Kumm
Berlin. Die Messe IFA lockt in diesem Jahr Besucher mit neuen vernetzten Haushaltsgeräten nach Berlin. Zukünftig könnten beispielsweise Kunden im Supermarkt über ein Tablet den Inhalt des Kühlschrankes überprüfen. Von Renate Grimming

In diesem Jahr dreht sich auf der Unterhaltungselektronik-Messe IFA (Internationale Funkausstellung) in Berlin wieder fast alles um vernetzte Geräte und ihre intelligente Steuerung. Die Veranstalter versprechen von Freitag, 31. August, bis einschließlich Mittwoch, 5. September, eine „wahre Innovationsflut“ von App-gesteuerter Heizung und Saugrobotern über vernetzte Soundanlagen bis hin zu intelligenten Kochherden.


Durch die Digitalisierung habe sich selbst bei Hausgeräten wie Waschmaschinen der Produktzyklus in den vergangenen Jahren rasant beschleunigt. Nun sei auch die Vernetzung des Haushaltes in der Realität angekommen. Dem schnellen digitalen Wandel wolle die Messe auch mit neuen Formaten gerecht werden. So ist erneut eine eigene Halle unter der Marke „IFA Next“ den Start-ups mit ihren kreativen und digitalen Ideen vorbehalten.

Auch das autonome Fahren werde auf der diesjährigen IFA erstmals eine größere Rolle spielen. Die Veranstalter bringen die Fachtagung „Shift Automotive“ auf die Messe. Dort sollen Autohersteller und Elektronikunternehmen gemeinsam die Zukunft der Mobilität diskutieren, sagte IFA-Direktor Jens Heithecker. Das Format soll künftig gemeinsam mit der Genfer International Motor Show zwei Mal im Jahr abwechselnd in Genf und in Berlin stattfinden. Bei der großen US-Konkurrenzmesse CES (International Consumer Electronics) in Las Vegas spielt die Zukunft des Autos längst eine zentrale Rolle.



Bereits Wochen vor dem Start hatten die IFA-Veranstalter verkündet, sie sei komplett ausgebucht, der Platz unter dem Berliner Funkturm sei prall gefüllt. Der Treffpunkt „IFA Global Markets“, auf dem Hersteller, Zulieferer und Komponenten-Hersteller zusammentreffen, ist aus Platzmangel bereits in die Station Berlin am Gleisdreieck ausgelagert worden. Aktuell wird an einer neuen Halle nahe dem Funkturm gebaut. Die „hub27“ soll als multifunktionale Halle mit einer Fläche von 15 000 Quadratmetern ab 2019 zur Verfügung stehen, kündigte Christian Göke, Vorsitzender der Geschäftsführung Messe Berlin, an.

Auf die Entwicklung hin zur „intelligenten“ Waschmaschine oder zum selbstständig einkaufenden Kühlschrank sei die Messe frühzeitig aufgesprungen. Bereits seit zehn Jahren ist die Produktgruppe der Hausgeräte mit wachsendem Erfolg auf der Messe vertreten. Damals aus dem Wunsch der Hersteller nach einer prominenten Ausstellungsmöglichkeit erwachsen, sind heute Kühlschränke, Backautomaten und andere „smarte“ Küchengeräte selbstverständlicher Teil der umfassenden Vernetzung. Hoch im Kurs bei den Verbrauchern liegen vor allem die Energieeffizienz sowie Geräte für ein gesünderes Leben, sagte Hans-Joachim Kamp, Aufsichtsratsvorsitzender der Ausrichterin gfu (Gesellschaft zur Förderung der Unterhaltungselektronik). Zu den Rennern der Messe gehörten auch Heißluft-Fritteusen, um zum Beispiel fettarme Pommes zu kochen.

Wie in den Jahrzehnten zuvor würden die neuen Modelle großer Flachbild-Fernseher zu den diesjährigen Stars der einstigen „Funkausstellung“ gehören. Auf der IFA versammeln sich wieder alle führenden Hersteller mit ihren neusten Entwicklungen. Die sogenannte 8K-Auflösung, die das Bild mit 16 Mal mehr Pixeln als bei Full-HD darstellt, können Besucher vor Ort bestaunen. Deutlich im Markt zulegen werden nach Prognosen der Ausrichterin gfu Fernseher mit OLED-Display, die ein besonders kontrastreiches Bild wiedergeben, sowie Ultra-HD-Geräte mit vier Mal höherer Auflösung als Full-HD-Fernseher. Die Technologie HDR (High Dynamic Range – „Bild mit hohem Dynamikumfang“) zur Bildoptimierung ist ohnehin bereits Standard in neuen Fernsehgeräten. Das Absatz von TV-Geräten in Deutschland sei zuletzt allerdings zurückgegangen. Laut Branche nicht zuletzt wegen des frühen Ausscheidens der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-WM.

Zu den großen Trends der IFA 2018 gehöre neben der Vernetzung, dem Streaming von Medieninhalten, dem Ultra-HD-TV oder der dreidimensionalen Audiowiedergabe vor allem auch die Sprachsteuerung für Geräte, sagte Kamp. „Ich bin mir sicher, dass die Sprachsteuerung in diesem Jahr ihren Durchbruch in der Unterhaltungselektronik erleben wird.“ Erstmals wird auf der Messe mit David Rausch auch ein Vertreter von Amazon mit einem Eröffnungs-Vortrag präsent sein. Rausch ist für die Entwicklung der Sprachassistentin Alexa des weltgrößten Einzelhändlers verantwortlich.

Google werde ebenfalls auf der Messe vertreten sein, kündigte IFA-Direktor Jens Heithecker an. Googles Betriebssystem Android ist auf zahlreichen modernen TV-Geräte installiert. Viele neue Modelle sollen auch in Zukunft von der Sprachsteuerung „Google Assistant“ profitieren. Mit Hilfe Künstlicher Intelligenz könnte sich damit die Handhabung künftig deutlich komfortabler und individueller gestalten.