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Was Open Source Programme von weiterer Software unterscheidet.

Was ist eigentlich Open Source und was bringt das? : Computerprogramme Marke Eigenbau

Software muss nicht immer von großen Unternehmen stammen. Die sogenannten Open-Source-Programme entwickeln IT-Enthusiasten im Internet.

Die Aufruhr im Internet war groß, die gewitterte Gefahr deutlich: Der Quellcode des in die Jahre gekommenen Betriebssystems Windows XP war unerlaubt ins Internet gestellt worden. Die Befürchtung: Kriminelle könnten nun Einfallstore in das Betriebssystem entdecken und Rückschlüsse auf aktuellere Betriebssystemversionen ziehen. Immer wieder sorgen sogenannte „Leaks“ (sinngemäß: durchgesickerte Veröffentlichungen), bei denen Programmcode im Internet landet, für Wirbel. Für Softwarenutzer kann  offen einsehbarer Programmcode gefährlich sein, da so Schwachstellen leicht zu finden sind. Offener Programmcode kann aber auch ein Vorteil sein. Ein Grund dafür, weshalb viele sogenannte Open Source (quelloffene) Software bevorzugen.

Doch von vorn. Mit dem Begriff Quellcode bezeichnen Informatiker den in einer höheren Programmiersprache geschriebenen, das heißt für Menschen verständlichen Text eines Computerprogramms. Man könnte ihn mit den angerichteten noch rohen Zutaten einer Suppe vergleichen. Eine genießbare Suppe wird das Vorbereitete erst, wenn es gekocht wird. Auch Programme müssen „gekocht“ oder genauer gesagt in Maschinensprache übersetzt werden. Erst diesen Code kann der Prozessor eines PCs oder Smartphones verstehen und ausführen. Trotzdem beschreibt bereits der Quellcode alle Funktionen eines Programms.

Jetzt kommt der Koch ins Spiel. Der entscheidet, wer sein Rezept kennen darf. Im Softwarebereich regelt das die Lizenz. Es gibt Software als geschlossenes (proprietäres) Produkt, also Suppe zum Auslöffeln und nur zum Auslöffeln. Bei quelloffener Software (auch Open Source Software genannt) legt der Koch hingegen die Zutaten offen. Der Quellcode ist einsehbar. Und darf vom Nutzer sogar verändert werden: Wer seine Suppe lieber mit Salz isst, der salzt sie. Und während bei proprietärer Software die Suppe alleine gelöffelt werden muss, kann quelloffene Software grundsätzlich weiterverteilt werden. Kurzum quelloffene Software, deren Programmcode einsehbar ist, bietet mehr Freiheiten als proprietäre.

Softwareanbieter, die Programme verkaufen, gehen anders vor. Sie widmen sich im Idealfall ganz der Pflege eines Produktes, aktualisieren es und sorgen für seine Sicherheit. Diese Dienste lassen sie sich bezahlen.

Für das anfangs angesprochene Beispiel Windows XP, ein proprietäres Betriebssystem vom Hersteller Microsoft bedeutet das, dass es grundsätzlich allein von Microsoft verbessert und gepflegt wird. Ein Anwender kann zwar einen Fehler an Microsoft melden, ihn aber nicht selbst beheben. Das ist Sache der Experten des Unternehmens.

Eigentlich eine feine Sache, wenn der Hersteller das Produkt pflegt. Doch die Pflege ist zeitlich begrenzt. Sobald das Nachfolgeprodukt verkauft werden soll, endet meist wenig später die Unterstützung des Herstellers. Die Software bleibt auf dem Stand ihrer letzten Aktualisierung. Und perfekt ist eine Software nie. Fortwährend werden Fehler aufgetan, die ausgebügelt werden müssten. Folge: Die Software wird unsicher und muss ausgetauscht werden.

Das Betriebssystem Android für mobile Endgeräte von Google ist ein weiteres Beispiel geschlossener Software. Sobald Google keine Sicherheitsaktualisierungen mehr liefert, sind Nutzer gezwungen ein neues Handy zu kaufen. Das hält die Wirtschaft am Laufen, wirkt sich aber zu Lasten der Umwelt aus und den Verbraucher kostet es viel Geld.

Quelloffene Software geht einen anderen Weg. Sie setzt auf die Beteiligung von Nutzern, die den Quellcode ständig verbessern. Und weil er veröffentlicht wird, werden Schwachstellen meist schnell entdeckt und ausgebessert. Erfahrenen Nutzern steht es frei, die Software selbst zu verbessern. Weniger erfahrene Nutzer können Vorschläge zur Verbesserung anregen. Möglich ist das nur, da sie die Zutaten des Programms – den Quellcode – insgesamt einsehen können. Quelloffene Software wird also gemeinschaftlich fortentwickelt.

Quelloffen entwickelt werden etwa der Internetbrowser Firefox, das Videoabspielprogramm VLC, das Büroprogramm OpenOffice oder das Extraktionsprogramm 7Zip. Auch Anwendungen für Handys werden quelloffen entwickelt: Zum Beispiel der Messenger Signal als Alternative zu Whatsapp von Facebook. Ein großer Vorteil quelloffener Anwendungen ist, dass sie in der Regel auf sogenanntes Nutzertracking verzichten, also keine Daten der Anwender sammeln.

Außerdem können erfahrene Entwickler die Programme bei verhältnismäßig geringem Aufwand auf weiteren Geräten zum Laufen bringen. Und sofern die Programme auf großes Interesse bei den Nutzern stoßen, erhalten die Anwendungen über lange Zeit Updates: die Unterstützergemeinde sorgt fortwährend für Aktualisierungen.

Das ist zugleich aber auch der größte Schwachpunkt quelloffener Software: Ist die Entwicklergemeinde schwach oder beteiligt sich nicht rege, endet die Software im Chaos. Die zweite große Schwachstelle quelloffener Software haben die Hersteller geschlossener Programme mitzuverantworten. Denn sie haben das Interesse, ihre Software zu vertreiben. Das funktioniert nur, wenn ihre Anwendungen exklusive Funktionen aufweisen und Nutzer von Fremdsoftware ausschließen.

So kann es beispielsweise beim Öffnen eines mit Microsoft Office angelegten Textdokuments in OpenOffice vorkommen, dass die Textformatierung verloren geht, sich ein angelegtes Pdf-Dokument nicht korrekt darstellen lässt oder ein Format gar nicht erst unterstützt wird. Auch Unternehmen müssen dementsprechend genau abwägen, wo quelloffene Software einsetzbar ist und wo Kompatibilitätsprobleme drohen.