Was beim Veröffentlichen von Fotos im Netz zu beachten ist

Bildrechte im Digitalen : Fotofallen im Internet

Wer Bilder im Netz veröffentlicht, gerät oft mit dem Gesetz in Konflikt, ohne es zu merken.

Auf Plattformen wie Facebook, Instagram oder Twitter machen viele Nutzer ihre Smartphone-Schnappschüsse öffentlich. Das Problem daran: Oft verstoßen sie dabei gegen geltende Bildrechte. „Rein rechtlich betrachtet sind Bildrechtsverletzungen heutzutage fast die häufigsten Rechtsverletzungen überhaupt, vielleicht zusammen mit Verstößen gegen die Straßenverkehrsordnung“, sagt Rechtsanwalt Till Kreutzer. Er ist Mitgründer von ­„iRights.info“, einem Portal, das über das Urheberrecht im Digitalen informiert.

Was sind oft begangene Fehler?

Der häufigste Rechtsverstoß mit Bildern in den sozialen Medien besteht darin, sie ohne Einverständnis zu veröffentlichen. „Das Gesetz sagt: Jedes Mal, wenn ich jemanden ablichte und das Foto im Internet poste, muss ich die Person vorher um Erlaubnis fragen, und das macht heutzutage praktisch niemand mehr“, sagt Kreutzer.

Neben der Verletzung dieses Persönlichkeitsrechts werde mit vielen Bildern Urheberrecht gebrochen, erklärt Stephan Dirks, Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht. „Dazu kommt es häufig dadurch, dass die Leute glauben, was sie frei im Internet finden, können sie auch mit Rechtsklick speichern und dann wieder neu irgendwo hochladen.“ Doch dafür braucht es die Erlaubnis des Urhebers.

Ist es strafbar, schon veröffentlichte Bilder weiterzuverbreiten?

Wird das Foto zum Beispiel über die Teilen-Funktion der jeweiligen Plattform weiterverbreitet, gibt es in der Regel nichts zu befürchten. Anders sieht es aus, wenn das Foto heruntergeladen und dann gepostet wird. Dann haben der Urheber oder sonstige Berechtigte keine Kontrolle mehr darüber, daher wird dafür eine Lizenz benötigt.

Dürfen nur Bilder von Menschen gemacht und veröffentlicht werden, die dazu ihr Einverständnis gegeben haben?

Nein. „Wenn auf dem Bild Hunderte Personen drauf sind und keine eindeutig hervorgehoben ist, dann ist das ausnahmsweise erlaubt“, erklärt Kreutzer. Das gelte etwa für Demonstrationen. Da müsse jeder Teilnehmer damit rechnen, abgelichtet zu werden.

Gibt es Besonderheiten, wenn es um Kinder geht?

Ja, denn da muss zunächst geklärt werden, wer die Erlaubnis überhaupt erteilen darf. Bei Kindern unter 14 Jahren müssen das beide Eltern tun. Das wird Lehrern oft zum Verhängnis. „Lehrkräfte sind ständig dabei, alle möglichen Vorschriften zu brechen“, sagt Dirks. Sie gäben sich häufig mit der Erlaubnis eines Elternteils zufrieden und machten sich dadurch angreifbar.

Auch ab dem 14. Lebensjahr wird es nicht leichter: „Da hängt es dann davon ab, ob die Kinder in der Lage sind zu erkennen, was für eine Tragweite diese Entscheidung hat“, erklärt Kreutzer. Wer bei Fotos von Minderjährigen keine Probleme riskieren möchte, holt sich also von beiden Elternteilen das Einverständnis.

Was unterscheidet das Recht am Bild vom Recht am Motiv?

Das Recht am eigenen Bild ist das Persönlichkeitsrecht jedes Menschen, darüber entscheiden zu dürfen, ob sein Bild in der Öffentlichkeit reproduziert wird oder nicht. Immer wieder ist aber auch vom Recht am Motiv die Rede.

Motive sind in Deutschland meistens frei, so regelt es die Panoramafreiheit. „Das ist eine Regelung, die sagt, wenn Kunstwerke oder Gebäude, die möglicherweise urheberrechtlich geschützt sind, vom normalen Straßenraum aus abgelichtet werden können, dann dürfen diese Fotos auch in jeder Form ins Internet gestellt und verbreitet werden“, sagt Kreutzer. In vielen anderen Ländern gibt es diese Regelung allerdings nicht. Im Ausland kann es also durchaus sein, dass Motive geschützt sind. Auch in Deutschland können etwa Museen oder Kirchen verbieten, dass Fotos im Inneren der Gebäude gemacht werden.

Macht es einen Unterschied, auf welchem Weg die Fotos verbreitet werden?

Ja, denn nicht alle Plattformen machen Bilder gleichermaßen öffentlich. Während Facebook, Instagram oder Twitter sie einer mehr oder weniger undefinierten Öffentlichkeit zugänglich machen, werden Bilder bei Nachrichtenservices wie Whatsapp oder Telegram an einen oder mehrere Menschen verschickt. Der Adressatenkreis ist dabei aber genau festgelegt. Das werde daher in der Regel nicht als Veröffentlichung oder Verbreitung angesehen, sagt Kreutzer. Dafür sei dann auch keine Einwilligung erforderlich.

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