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Warum auch Digital Natives dem Internet immer öfter fernbleiben

Forscher untersuchten : Auszeit von der vernetzten Welt

Forscher der Technischen Universität Chemnitz untersuchten, warum einige junge Menschen lieber offline bleiben.

Das Internet ist aus dem Leben der jungen Menschen nicht mehr wegzudenken. In der Altersgruppe der 14- bis 24-Jährigen nutze praktisch jeder digitale Kommunikationskanäle, erklärte das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) jüngst in einer Umfrage. Und dennoch regen sich unter den Jugendlichen langsam auch Bedenken. Über die Hälfte veröffentlichen laut der Umfrage in den sozialen Netzwerken selten bis nie etwas, weil sie so wenig Daten wie möglich von sich preisgeben wollen. Die Befragten hätten vor allem die Sorge, dass persönliche Informationen über sie veröffentlicht oder falsche Angaben über sie die Runde machten. Sogenannte Fake-Profile, also gefälschte Nutzerprofile in den sozialen Medien, nähmen 44 Prozent der Befragten als eines der größten persönlichen Risiken im Internet wahr. Rund zwei Drittel der Jugendlichen sind laut Studie der Meinung, es gebe im Internet eine Beleidigungskultur und wer sich dort äußere, müsse damit rechnen, beleidigt oder beschimpft zu werden.

Wer mit dem Internet aufgewachsen ist, wird heute als „Digital Native“ (wörtlich übersetzt: „Digitaler Eingeborener“) bezeichnet. Gibt es unter Vertretern dieser Generation auch welche, die bewusst aufs Internet verzichten? Dieser Frage sind Soziologen der Technischen Universität Chemnitz in einer Befragung nachgegangen. Das Forscherteam des Fachs Techniksoziologie um Christian Papsdorf befragte 30 junge Menschen im Alter zwischen 14 und 25 Jahren zu ihrem Umgang mit der Technik.

Dabei fanden die Wissenschaftler wie nebenbei auch heraus, welche Fragen die Jugend im Umgang mit digitalen Medien umtreiben. So macht sich der digitale Nachwuchs Sorgen um seine Gesundheit. Ein Beispiel sind Haltungsschäden, die sich durch die verkrampfte Körperhaltung vor dem Smartphone einstellen können. Aber auch das Thema Internet-Sucht spielt eine Rolle.

Auf digitale Medien verzichten junge Menschen nach der Analyse aus Chemnitz vor allem dann, wenn diese im Alltag als störend empfunden werden. Denn digitale Medien bedeuteten bei der Arbeit, aber auch im Gespräch mit Freunden, häufig eine Ablenkung. Von der Informationsflut, die aus der Vielzahl digitaler Kanäle quillt, fühlten sich junge Leute häufig überfordert, berichten die Chemnitzer Wissenschaftler. Ständige Erreichbarkeit und der damit verbundene soziale Druck, auf Nachrichten immer unmittelbar reagieren zu sollen, sind laut den Soziologen ebenfalls bedeutende Herausforderungen für viele junge Menschen.

Wie viel Privatsphäre habe ich noch im Internet? Das ist eine Frage, über der sich viele junge Menschen den Kopf zerbrechen, schreiben die Chemnitzer Forscher. So habe beispielsweise ein Teilnehmer der Untersuchung kritisiert, wie leicht es für Unternehmen im Internet sei, Zugriff auf Nutzerdaten zu bekommen. Diese Ängste seien allerdings eher diffus. Viele der Befragten seien sich des Ausmaßes der Probleme in Sachen Datenschutz nicht bewusst, erklärten die Wissenschaftler. Im Detail wüssten sie meist nicht zu sagen, wie viel von ihrer Privatsphäre sie im Internet genau aufgeben. „Die meisten Jugendlichen schätzen das nur deshalb als Problem ein, weil in den Medien immer wieder darüber gesprochen wird. Aber wie es sie konkret betrifft, ist den meisten jungen Menschen nicht klar“, stellt Papsdorf fest. Ihnen fehle es hier schlicht noch an der nötigen Erfahrung.

Dies seien nicht die einzigen Fragen, welche die Jugend bewegen, wenn es um das Thema digitale Enthaltsamkeit geht. Junge Menschen hätten auch ethische Bedenken. Sie betrachteten es mit Sorge, wenn große Online-Versandhändler und Soziale Netzwerke kleineren, lokalen Anbietern das Geschäft erschwerten. Papsdorf erklärt dies mit einem zunehmenden politischen Bewusstsein junger Menschen.