Wann die Deutschen bereit sind, ihre Daten herzugeben

Beim Onlinekauf : Wann die Deutschen ihre Daten hergeben

Im Internet einzukaufen wird in Deutschland immer beliebter. Die Sorge um persönliche Informationen bleibt.

Für jeden vierten Internetnutzer in Deutschland ist der Online-Einkauf die absolute Lieblingsbeschäftigung im Netz. Und obwohl viele Kunden Angst davor haben, zum gläsernen Kunden zu werden, werden sie immer freigiebiger mit ihren Daten. Das hat eine Umfrage der Onlinevergleichsplattform idealo.de ergeben. Um der Frage nachzugehen, wie die Deutschen die aktuellen Entwicklungen und Trends im Online-Handel wahrnehmen, hat das Portal rund 1000 Internetnutzer befragt.

Mehr als die Hälfte der Konsumenten befürchtet laut der Umfrage, dass Unternehmen zu viel über sie und ihre Vorlieben wissen. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Angst zwar leicht gesunken (53 Prozent gegenüber 57 Prozent), dennoch sei jeder zweite Deutsche kritisch gegenüber dem großangelegten Datensammeln von Unternehmen eingestellt, so idealo.

Die Skepsis der Verbraucher beschränke sich jedoch nicht auf das Thema Privatsphäre im Netz. Eine Auswertung der Verbraucherzentrale Brandenburg hat gezeigt, dass Onlinehändler ihre Preise fast täglich ändern. Laut idealo-Umfrage unterstellt rund ein Drittel der Befragten den Händlern dabei eine böse Absicht. Sie vermuten, dass Händler ihre Kunden mit häufigen Preisänderungen verwirren wollen. 58 Prozent glauben, dass die Preise im Netz abends am höchsten liegen. 34 Prozent halten den Samstag für den teuersten Tag der Woche.

Trotz alledem werden die Deutschen mit ihren persönlichen Daten immer freigiebiger, so idealo. Zumindest, wenn sie sich einen konkreten praktischen Nutzen davon versprechen. 60 Prozent seien bereit, ihre persönlichen Daten anzugeben, wenn sie deswegen einen Vorteil erhalten. Das seien acht Prozentpunkte mehr als im vergangenen Jahr. 67 Prozent finden es sogar nützlich, wenn persönliche Daten gespeichert werden, etwa wenn sie Bezahldaten hinterlegen, um schneller bestellen zu können.

Trotz aller Bedenken habe es der stationäre Handel in Zeiten der Digitalisierung nicht leicht. Was macht für die deutschen Konsumenten den Reiz des Onlinekaufs aus? Fast alle Befragten überzeuge die neutrale Beratung im Internet. 88 Prozent mögen es laut der idealo-Umfrage, dass sie sich im Netz in Ruhe über ein Produkt informieren können, ohne dass sie ständig ein Verkäufer anspricht. Gleichzeitig finden sie es wichtig, Produktinformationen und Beratung im Geschäft zu bekommen (73 Prozent), insbesondere bei Elektronikprodukten (59 Prozent) und Medikamenten (56 Prozent).

Ein Drittel der Deutschen schaue sich ein Produkt im Geschäft an, bevor sie es im Internet bestellen, so idealo weiter. Bei bestimmten Produktgruppen bevorzugen Kunden hierzulande den Laden vor Ort. Lebensmittel werden lieber im Geschäft (92 Prozent) als online (sieben Prozent) gekauft, ebenso Möbel und Einrichtungsgegenstände (64 Prozent stationär gegenüber 32 Prozent online), Medikamente (54 Prozent im Vergleich zu 41 Prozent im Netz) und Kosmetikprodukte (51 Prozent im Vergleich zu 38 Prozent online).

Automatisierte Kundendienst-Assistenten, sogenannte Chatbots, setzen Onlinehändler laut idealo immer häufiger ein. Solche Anwendungen können einfache Fragen von Kunden automatisch beantworten. Somit können Onlinehändler Kosten sparen, erklärt idealo. Auch Kunden akzeptieren Chatbots seit vergangenem Jahr immer mehr. 35 Prozent finden den Einsatz der automatisierten Einkaufsassistenten sinnvoll, im vergangenen Jahr waren es 30 Prozent. 32 Prozent der Befragten lehnt solche Assistenten nicht generell ab, ein Jahr zuvor waren es laut idealo noch 18 Prozent. Sinnvoll seien die Assistenten für 70 Prozent bei der Abwicklung einer Onlinebestellung und für 49 Prozent bei Fragen zum Produkt. Dennoch sei für 67 Prozent der Deutschen beim Onlinekauf ein persönlicher Kontakt mit einem Menschen wichtig.

Dagegen haben Smart-Home-Geräte mit Sprachassistenten wie Google Home oder Amazon Echo laut idealo-Umfrage an Beliebtheit eingebüßt. 64 Prozent der Befragten besitzen kein solches Gerät und haben auch nicht vor, eines zu kaufen, im Vorjahr waren es 53 Prozent. Dabei zeige sich die Mehrheit der Smart-Home-Besitzer zufrieden. 67 Prozent sagen sogar, dass sich ihr Leben zumindest etwas verbessert habe. Dabei würden 77 Prozent das Gerät hauptsächlich zum Musik hören nutzen, so idealo. Laut Umfrage bestellt nur jeder dritte Besitzer eines Sprachassistenten auch Produkte per Sprachbefehl.

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