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Vom Netz auf die Straße

Stuttgart. Ein Online-Laden hat eine Internet-Adresse. Aber eine Hausnummer in einer richtigen Straße? Einige Händler im Netz gehen nun den umgekehrten Weg und öffnen Filialen in deutschen Innenstädten. dpa-Mitarbeiterin Antonia Lange

Was lange unvorstellbar klang, könnte schon bald Realität werden: Klassische Internet-Händler wagen sich derzeit verstärkt in die nicht-virtuelle Welt - und eröffnen erste Läden in Fußgängerzonen. Der Internetriese Amazon denkt angeblich über einen Laden in New York nach. Auch in Deutschland lassen sich derzeit reine Online-Händler in Fußgängerzonen nieder.

Eva Stüber vom Institut für Handelsforschung (IFH) stellt fest, dass immer mehr reine Online-Anbieter Geschäfte im Einzelhandel eröffen. "Online können sie zwar die Daten der Kunden auswerten, aber persönliche Gespräche mit ihnen gehen besser im Geschäft", sagt sie.

Nach IFH-Angaben gibt es hierzulande derzeit 40 000 reine Online-Händler. Nach Prognosen der Experten dürften 90 Prozent von ihnen allerdings nicht bis 2020 überleben. Ein Grund ist demnach die Übermacht von Internetriesen wie Amazon und Zalando. Grund genug, im Einzelhandel aktiv zu werden. Auch wenn die Platzhirsche aus dem Netz selbst dorthin drängen.

Zuletzt öffnete etwa der Online-Trachtenhändler Almliebe eine Filiale in München. Auch der Internet-Möbelverkäufer Fashion4home hat seine Sofas bereits auf Einkaufsmeilen in Berlin oder Hamburg aufgebaut. Ein weiteres Beispiel ist der Elektronikhändler Cyberport. Aus vielen Fußgängerzonen fast nicht mehr wegzudenken ist bereits der Online-Müsliversender Mymuesli, der den ersten Laden 2009 eröffnete und Ende dieses Jahres bereits auf 25 Filialen kommen will.

Ware zum Anfassen



"Viele Menschen möchten Produkte anfassen und vor einem Kauf eventuell testen", sagt Mymuesli-Mitgründer Max Wittrock. "Das können wir in den Läden bieten und auch beraten." Zugleich rufe das Logo in der Innenstadt die Marke ins Bewusstsein. Wittrock: "Es schadet der Bekanntheit sicher nicht, wenn viele Menschen jeden Tag an Mymuesli-Läden vorbeilaufen."

Fachleute sehen die Läden daher auch als eine Art Ausstellungsfläche für das Unternehmen. "Die Marke wird dadurch noch präsenter", sagt Thomas Harms, Handelsexperte bei der Beratungs-Gesellschaft Ernst & Young. Vor allem für Modehändler könne sich das lohnen - auch um künftig unnötige Retouren zu vermeiden.

Der Online-Händler Zalando ist ebenfalls im Einzelhandel angekommen und betreibt in Berlin und Frankfurt Outlet-Läden. Über den Verkauf reduzierter Ware hinaus sind einer Sprecherin zufolge allerdings keine Filialen geplant. "Wir sind vom Herzen her auf jeden Fall Online-Händler und das ist auch unser Fokus", sagt sie. Die Outlets seien aber ein "guter Berührungspunkt" zu den Kunden.

Muss nun aber jeder Internet-Anbieter raus in den Einzelhandel ? "Ich glaube nicht, dass jeder Online-Händler einGeschäft in der Fußgängerzone braucht", sagt Branchenkenner Harms. IFH-Expertin Stüber weist auf die Fallstricke hin: "Allein schon die Standortwahl ist ein Thema, das für Online-Händler bisher nicht relevant war. Hinzu kommen lang laufende Mietverträge oder die Frage nach der Ladengestaltung."