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Viele Opfer von digitaler Spionage

Stalkerware : Digitale Spionage weitet sich aus

Smartphone-Besitzer im deutschsprachigen Raum sind weltweit am häufigsten Opfer von privater Spähsoftware.

Menschen in deutschsprachigen Ländern sind im digitalen Raum Spionageziel Nummer eins in Europa. Spionagesoftware, sogenannte Stalkerware, komme nirgendwo sonst häufiger zum Einsatz als in Deutschland, Österreich und der Schweiz, hat die Computer-Sicherheitsfirma Kaspersky herausgefunden. Die gezielten Angriffe mit kommerziell verfügbarer Stalkerware seien dort besonders zahlreich. So verzeichneten Mitarbeiter von Kaspersky zwischen Januar und September 2020 bereits mehr als 1600 Angriffe mit Stalkerware. Das sei der höchste Wert im europäischen Vergleich.

Um Nutzer vor dieser Gefahr zu schützen und um ein Bewusstsein dafür zu schaffen, versucht Kaspersky gemeinsam mit Vertretern von Deutschland sicher im Netz (DSiN) und dem Berliner Frauenzentrum Frieda auf das Problem aufmerksam zu machen. Darüber hinaus hat DSiN in Kooperation mit Kaspersky den Ratgeber „Belästigung im Netz – kompetent kontern“, veröffentlicht.

Laut DSiN bezeichnet Cyber-Stalking den unbefugten Zugriff auf fremde Geräte wie Smartphones oder Laptops. Dabei komme gezielt Software zum Einsatz. Diese Stalkerware ermögliche es Tätern, ohne Wissen oder Zustimmung des Nutzers, Zugriff auf private Daten zu bekommen. In einigen Fällen könne das Gerät auch ferngesteuert werden. Häufig beginne der Angriff aber im privaten Raum, wenn beispielsweise ein eifersüchtiger Ex-Freund oder ein Familienmitglied Schadsoftware auf den Geräten installiere. So sind laut DSiN ein Großteil der Opfer auch Frauen, bei denen Ex-Partner versuchten, digitale Kontrolle zu gewinnen.

Stalkerware stelle ein zunehmendes Problem dar, da sie legal gekauft werden könne. Angreifer erhielten dadurch Zugang zu Nachrichten, Fotos, Audio- oder Kameraaufnahmen sowie Informationen über den Standort ihrer Opfer. Die Betroffenen wüssten dabei nicht, dass die Stalkerware sich auf ihrem Smartphone versteckt und sie damit heimlich überall hinbegleitet. Besonders perfide sei es, wenn womöglich der eigene Partner, ein Familienmitglied oder ein Kollege dahinterstecke.

Laut Kaspersky waren zwischen Januar und September 2020 schon  1622 Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz Opfer von Spionagesoftware, im Vorjahr waren es insgesamt 2775. Das Risiko, im deutschsprachigem Raum ausspioniert zu werden, sei nach wie vor hoch. Bereits von 2018 auf 2019 habe es eine Zunahme um 77 Prozent gegeben.

Laut Studie gehören Smartphone-Nutzer in Deutschland dabei zu den weltweit am häufigsten attackierten Personen (1236), bezogen auf die Gesamtzahl der von Spionage Betroffenen belege Deutschland den sechsten Platz. Gerade in Zeiten von Ausgangsbeschränkungen sehen die Fachleute von Kaspersky die Gefahr, dass sich dieser Trend fortsetzen könnte.

Dabei gebe es aber durchaus Anzeichen, durch die sich ein möglicher Spionageangriff erkennen lasse. Kaspersky zufolge benötigen Spionage-Apps Internetzugriff, um protokollierte Daten übertragen zu können. Sei der Datenverbrauch unerwartet hoch und nicht erklärbar, bestehe potenziell die Möglichkeit, dass das Smartphone mit Stalkerware infiziert wurde. Auch wenn die Leistung des Akkus sinkt und die Prozesse auf den Geräten langsamer werden, sei das ein Indiz für einen Angriff. Aufgrund der ständigen Aktivitäten im Hintergrund beanspruchten Spionage-Apps sehr viel Arbeitsspeicher, CPU- und Akkuleistung. Dadurch verlangsame sich die Leistung des eigenen Smartphones. Deshalb sollten regelmäßig alle laufenden Prozesse in Augenschein genommen und überprüft werden, welche Anwendung wie viele Ressourcen in Anspruch nimmt. Nutzer sollten zudem misstrauisch werden, wenn sich unbekannte Apps, die nicht selbst installiert wurden, auf den Smartphones oder Rechnern befinden. Smartphone-Besitzer sollten laut Kaspersky daher auf Apps achten, an deren Installation sie sich nicht erinnern können. So lasse sich ausschließen, dass Überwachungssoftware ohne persönliche Zustimmung auf dem Gerät installiert werde. Wichtig sei zudem, regelmäßig die Sicherheit des Gerätes zu überprüfen. So könnten Geräte-Scans durchgeführt und Sicherheitsprogramme installiert werden. Zudem sollten Nutzer ihre Konten bestmöglich schützen. Das A und O seien starke Passwörter für jede einzelne Anwendung, die an niemanden weitergegeben werden sollten.

www.sicher-im-netz.de/dsin-ratgeber-belaestigung-im-netz-kompetent-kontern