Viele Deutsche stehen dem smarten Zuhause noch skeptisch gegenüber

Kostenpflichtiger Inhalt: Große Skepsis gegen über Smart Homes : Die Angst vor dem vernetzten Zuhause

Die Mehrheit der Deutschen will nicht in einem Haus leben, in dem ein Computerprogramm alles steuert.

Der IT-Branchenverband Bitkom sprach bei der Internationalen Funkausstellung im vergangenen Jahr vom „Durchbruch des Smart Home“ in Deutschland und verwendet auch ansonsten gern Superlative, wenn es ums intelligente Haus geht. Jeder Fünfte würde sogar für Smart-Home-Lösungen mehr Miete zahlen, heißt es beim Bitkom. Beim Smart Home gehe es nicht um Technikspielereien, sondern um „gesellschaftliche Veränderungen“. Technische Probleme könnten leicht gelöst werden, wobei die meisten Bedenken (37 Prozent) mit der Installation der komplizierten Technik zu tun hätten und zu einem ähnlichen Prozentsatz mit deren Preis.

Dieser sehr optimistischen Beschreibung des Smart Home stellt nun der TÜV-Verband eine ganz andere Analyse entgegen. In einer Untersuchung des Marktforschungsinstituts Ipsos habe sich herausgestellt, dass lediglich ein gutes Drittel der Bundesbürger in ein Smart Home mit automatischer Steuerung einziehen möchten. Bei der Umfrage, an der 1000 Personen ab 16 Jahren teilgenommen haben, schilderten die Marktforscher den Teilnehmern folgendes Szenario. „Nehmen Sie an, Sie hätten die Möglichkeit, aus Ihrer Wohnung kostenlos ein Smart Home mit künstlicher Intelligenz zu machen.“ Diese Künstliche Intelligenz (KI) übernähme die Steuerung der technischen Einrichtungen des Haushalts und analysiere dabei natürlich auch alle Lebensgewohnheiten der Nutzer. „Würden Sie in einem solchen Smart Home wohnen wollen?“. Die Mehrheit wollte nicht.

Als künstliche Intelligenz werden lernfähige Programme bezeichnet. Sie können spezifisch für ihren Zweck trainiert werden. Im Smart Home – dem voll vernetzten Zuhause – hilft KI, auf die Bedürfnisse des Menschen zu reagieren. Das Smart Home lernt aus dem Verhalten des Nutzers und passt seine Einstellungen entsprechend an.

Ein Smart Home ist ein System von verknüpften Internetgeräten, die aus der Ferne oder automatisch gesteuert werden können. Meist per Steckdose angeschlossen und über WLAN miteinander verbunden, können Geräte so miteinander kommunizieren und interagieren. Ein KI-Smart Home reguliert dann beispielsweise die Heizung und das Licht oder übernimmt automatisch den Einkauf, wenn der Kühlschrank leer ist.

Dass zwei Drittel der Befragten sich gegen das smarte Heim aussprachen, habe zu einem großen Teil mit Ängsten zu tun, schreibt der TÜV-Verband in einer Pressemitteilung. Hauptgrund für die Skepsis gegenüber einem vernetzten Heim ist die Sorge, dass die Künstliche Intelligenz Entscheidungen trifft, die dem Nutzer nicht gefallen. 47 Prozent der Befragten hätten Bedenken wegen des Datenschutzes gehabt. Sorge vor einer zu starken Abhängigkeit von der Technologie gaben 44 Prozent der Teilnehmer an. Die Furcht vor Hacker-Angriffen sahen 37 Prozent als Grund für ihr Nein. Trotz der Ängste stehen aber laut Ipsos 61 Prozent der Befragten einer Weiterentwicklung der KI positiv gegenüber.

Eine andere Umfrage des Digitalverbandes Bitkom hatte 2018 ergeben, dass 64 Prozent die Steigerung von Komfort und Lebensqualität als Hauptgrund für ein Smart Home sehen. Für 54 Prozent sind vernetzte Alarmsysteme und eine Videoüberwachung ausschlaggebend. 44 Prozent gaben als Grund an, energieeffizienter leben zu wollen. Sechs Prozent hätten als Grund genannt, lange selbstbestimmt wohnen zu wollen.

Der TÜV-Verband regt nun an, Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz, die an sicherheitskritischen Stellen im Haus sitzen, durch unabhängige Stellen prüfen zu lassen. Der Schutz vor Hacker-Angriffen und der Schutz der Privatsphäre müsse während der gesamten Lebensdauer der Produkte garantiert sein. Dafür müssen Gesetze und technische Standards angepasst werden. Nötig seien auch ethische Standards für die Entwicklung digitaler Technik, damit Menschen nicht durch die benachteiligt werden.

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