Verbraucherschützer warnen: Drittanbieter locken Nutzer in die Abofalle

Vorsicht Falle : Wie man Abofallen vermeidet

Abonnements und Online-Verträge sind oft undurchsichtig. Vor ungewollten Kosten können sich Nutzer schützen.

Im Internet bieten zahlreiche Dienste Abonnements an. Wer viele dieser Dienste abonniert hat, verliert bei der monatlichen Abrechnung leicht den Überblick. Nicht immer ist klar, wie lange ein Vertrag läuft und wann er sich verlängert. Mache Anbieter versuchen sogar, Nutzern unbemerkt ein Abo unterzuschieben.

Oft ist ein solches Vorgehen jedoch nicht rechtens, erklären Verbraucherschützer. Anbieter dürften beispielsweise keine Klauseln zur Vertragslaufzeit im Kleingedruckten verstecken, erläutert Josephine Frindte von der Verbraucherzentrale Berlin. „Wie lange ich den Vertrag schließe, muss direkt bei Vertragsschluss sichtbar sein“, sagt die Verbraucherschützerin. Auch die Kosten sollten in den Vertragsdetails vorne stehen.

„Anbieter dürfen in den Geschäftsbedingungen nicht etwas verstecken, was ich wissen muss“, erklärt Horst Leis, Fachanwalt für Informationstechnologierecht und Vorstandsmitglied beim Deutschen Anwaltverein. Er rät, die Vertragsbestimmungen immer genau zu lesen, bevor man etwas unterschreibe. Verbraucherschützerin Frindte ergänzt: „Die wichtigsten Fragen sind: Wie lange ist die Vertragsdauer, wie lange ist meine Kündigungsfrist, welchen Preis habe ich zu bezahlen und was kaufe ich?“

Ebenfalls schwierig ist es, einen Überblick darüber zu behalten, wann welches Abo gekündigt werden muss, damit es nicht automatisch verlängert wird. Wer einen Vertrag abschließe und wisse, dass er ihn nur drei Monate lang nutzen wolle, solle nach dem Abschluss direkt die entsprechende Kündigung schicken, rät Frindte. Viele Dienste schicken auch Erinnerungsmails, bevor ein Vertrag verlängert wird.

Wer keine Liste führen will, kann mit digitalen Hilfsmitteln den Überblick behalten. Daniel Hüfner von dem Digital-Wirtschaftsmagazin t3n empfiehlt, eine spezielle App zu verwenden, die den Nutzer daran erinnert, rechtzeitig zu kündigen. Dazu gehören zum Beispiel Anwendungen wie Aboalarm oder Volders, beide sind sowohl für iOS als auch für Android erhältlich. Ein weiterer Vorteil sei, dass man Verträge direkt in der App kündigen könne. Die Internetseite kündigen.de bietet einen ähnlichen kostenpflichtigen Dienst an.

Wichtig ist nach Angaben von Verbraucherschützerin Frindte, dass man eine Kündigung immer nachweisbar kann. Man müsse beweisen können, dass sie beim Vertragspartner eingegangen sei. „Entweder man kündigt per Einschreiben oder per Fax“, rät sie. Bei Verträgen, die online abgeschlossen wurden, gelten unter Umständen Sonderregeln. Wenn ein Anbieter zum Beispiel üblicherweise per E-Mail kommuniziere, sei auch eine Kündigung auf diesem Weg möglich, so Frindte. Bei Angeboten, die per Kurznachricht abgeschlossen werden, sei eine Kündigung über denselben Kanal möglich. Kann man nur über ein Online-Kontaktformular kündigen, empfiehlt Anwalt Leis, Bildschirmfotos zu machen. Von der Kündigung per Telefon rät er ab, da man dann nur schwer nachweisen könne, dass man auch tatsächlich gekündigt hat.

Besonders ärgerlich sind Abofallen, in die Smartphone-Nutzer ungewollt tappen. Mitunter reicht schon ein Fingertipp auf ein Werbebanner und man schließt ein Abo ab, dass über den Mobilfunkanbieter abgerechnet wird. Nicht selten merken Betroffene das erst Monate später. Laut der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen sind Fälle bekannt, bei denen Nutzer von gängigen Internetseiten, ohne etwas anzutippen, auf unbekannte Seiten umgeleitet wurden. Das Ergebnis waren ungewollte Abos mit bis zu 9,99 Euro pro Woche.

Dabei sei es schwierig zu erkennen, bei welchem Unternehmen man ein solches Abo abgeschlossen habe. Denn der Betrag tauche unter anderen Posten auf der normalen Rechnung des Mobilfunkanbieters auf. Die eigentlichen Betreiber seien meist nicht zu erkennen. Auf der Rechnung finde sich oft nur der Name einer Abrechnungsfirma. Derzeit verzeichnen die Verbraucherzentralen laut eigenen Angaben einen deutlichen Anstieg an Problemen mit solchen Anbietern. Ein Unternehmen falle besonders auf: „ZED Germany“ mit Sitz in Berlin.

Viele Mobilfunkbetreiber haben laut der Verbraucherzentrale ein sogenanntes Redirect-Verfahren eingeführt. Ein solches Verfahren sorgt dafür, dass Kunden nichts mehr aus Versehen bei fremden Anbietern kaufen können. Denn wenn sie auf ein Werbebanner klicken, werden sie zunächst auf eine Seite des Netzanbieters weitergeleitet, auf der sie dem Kauf ausdrücklich zustimmen müssen. Die Bundesnetzagentur hat eine neue Regelung auf den Weg gebracht, die festlegt, dass alle Netzbetreiber ein solches Verfahren bis 1. Februar 2020 einführen müssen.

Bis es soweit ist, können Nutzer sich schützen, indem sie eine sogenannte Drittanbietersperre bei ihrem Mobilfunkbetreiber einrichten lassen. Die Sperre können Nutzer per Brief beauftragen, per E-Mail und oftmals auch über das Kundenportal oder eine App des Mobilfunkbetreibers. Mit der Sperre können fremde Anbieter über die Handyrechnung nichts mehr abrechnen.

(dpa)
Mehr von Saarbrücker Zeitung