#vanlife: Reisen mit dem Bulli sind Abenteuer auf vier Rädern

Fahren mit dem Bulli : Ein Leben als digitaler Nomade

Dem Alltag entfliehen und im umgebauten Transporter leben und arbeiten – diesem Trend folgen immer mehr Menschen.

Mit dem Bulli durch die Welt zu reisen und aus dem improvisierten Wohnmobil heraus sein Geld zu verdienen, mag für viele wie ein Traum klingen, ist für immer mehr Menschen aber Wirklichkeit, auch in Deutschland. Ein Blick auf die Fotoplattform Instagram verrät, dass dieses Phänomen zum Trend geworden ist. Über fünf Millionen Bilder sind unter dem Stichwort #vanlife auf Instagram zu finden, die meisten sorgfältig inszeniert. Der Begriff bezeichnet das Leben und Reisen im eigenen Van. Wer diesem Lebensstil folgt, verdient meist über das Internet sein Geld, ist aber nicht von einem bestimmten Ort abhängig, kann daher von überall auf der Welt seiner Arbeit nachgehen. Solche Menschen werden auch als digitale Nomaden bezeichnet.

Einer der bekanntesten und erfolgreichsten unter ihnen, zumindest in Deutschland, ist Paul Nitzschke. Er reist in einem alten Mercedes-Bus um die Welt, den er selbst zum Wohnmobil umgebaut hat. Er schreibt Artikel auf seinem Blog Passport Diary und hat zwei E-Books veröffentlicht. Auf Instagram folgen ihm 31 000 Menschen. Auch auf der Videoplattform Youtube ist er zu finden. Mit all dem verdient Nietzschke inzwischen seinen Lebensunterhalt.

„Früher bin ich morgens aufgestanden, schnell unter die Dusche gesprungen, habe unterwegs zur Arbeit gefrühstückt. Mein ganzer Tag war voller Hektik“, sagt Nitzschke, der vor seinem Leben als digitaler Nomade als Marketingexperte in der Berliner Start-up-Szene gearbeitet hat. „Jetzt nehme ich mir morgens die Zeit, die ich brauche, sitze erstmal mit einem Kaffee in der Sonne. Dieses In-den-Tag-hinein-Leben empfinde ich als unglaublich wertvoll.“ Nitzschke ist hauptsächlich in Osteuropa und Zentralasien unterwegs, von der Ostukraine bis zum Iran. „Natürlich muss man sich darüber informieren, was in welchem Land geht und was nicht. Und man sollte sich immer vernünftig benehmen, seinen Müll nicht herumliegen lassen“, sagt Nitzscke. Bei der Suche nach dem richtigen Stellplatz für Van oder Wohnmobil können auch Apps helfen. Dazu zählen die Anwendungen ioverlander oder park4night als Beispiele. Diese Apps zeigen auf einer Karte per GPS unter anderem legale Campingplätze, Hotels, Restaurants, Werkstätten oder Trinkwasserquellen an.

Beim Vanlife gehe es um Entschleunigung, erklärt Nitzschke. Es gehe um die Freiheit, jeden Tag aufs Neue zu entscheiden, wo es hingehen soll. Es gehe darum, sich einzulassen auf die Natur, auf fremde Menschen und das Abenteuer abseits ausgetretener Pfade. Damit bediene das Social-Media-Phänomen eine Reihe aktueller Trends, schreibt das US-Magazin The New Yorker, das der Bewegung einen langen Artikel widmete. Die Sehnsucht nach Naturverbundenheit, Selbstverwirklichung und Einfachheit gehören auch dazu. Ebenso soll es helfen, Privatleben und Arbeit besser in Einklang zu bringen.

Zum Vanlife, wie es auf Instagram inszeniert wird, gehöre der Stellplatz in der Natur, erklärt Nitzschke. Die Bullis stehen an einsamen Stränden, unter dem Sternenhimmel in der Wüste, am spektakulären Bergsee. Natürlich ohne andere Fahrzeuge. Oft sei die Kulisse zu schön, um wahr zu sein. Campingplätze seien verpönt.

Vorgemacht hat diesen Lebensstil der US-Amerikaner Foster Huntington. Er kündigte 2011 seinen gut bezahlten Job bei Modedesigner Ralph Lauren in New York und tauschte seine Wohnung gegen einen 1987er VW-Bus. Die Fotos von einsamen Standorten und wilder Natur, die er von seinem drei Jahre währenden Roadtrip auf Instagram veröffentlichte, versah er mit dem Stichwort #vanlife. Obwohl die Fotoplattform damals nur einen Bruchteil der heutigen Nutzer zählte, fanden sich schnell Nachahmer.

Auch Paul Nitzschke ließ sich von dem Trend in den USA inspirieren. Seit zwei Jahren hat er keine eigene Wohnung mehr, 25 Länder bereiste er in dieser Zeit mit seinem Bus. „Für mich ist es jetzt Komfort, mein Zuhause immer dabei zu haben. Ich habe meine Küche, in der ich kochen kann. Ich habe ein tolles Bett. Diese Art von Reisen bedeutet keinen großen Verzicht“, sagt er.

Trotzdem richtet sich sein Blog, für den inzwischen auch fünf weitere Blogger über Tipps und Tricks rund ums Vanlife schreiben, vor allem an Reisende mit begrenztem Budget. Neben den jüngeren Menschen, die den Großteil der stetig wachsenden Vanlife-Szene ausmachen, gibt es auch Familien und Rentner, die ständig oder ein paar Wochen im Jahr im Camper-Van, Bulli oder Kombi leben. Sie alle vernetzen sich über die von Paul Nitzschke gegründete Initiative Vanlife Germany, deren regionale Gruppen in fast allen großen deutschen Städten regelmäßig Treffen veranstalten.

(dpa)
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