| 21:05 Uhr

Irreführung der Kunden
Unverbindliche Preisempfehlungen sind oft falsch

Düsseldorf. Produkthersteller setzen Preise häufig besonders hoch an, damit Online-Händler scheinbare Rabatte anbieten können. np

Im Internet werben Händler gerne mit günstigeren Preisen im Vergleich zur unverbindlichen Preisempfehlung (UVP) der Hersteller eines Produkts. Doch das, was Kunden hier als Rabatt angepriesen wird, ist in vielen Fällen gar keiner, wie eine Untersuchung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen ergeben hat.


„UVP haben häufig keinen Wert für Kunden, weil sie gern als Mondpreis kalkuliert werden“, so Verbraucherschützer Georg Tryba. Die Preisempfehlungen der Hersteller verfolgten häufig nur den Zweck, direkt vom Händler unterboten werden zu können. Dieser könne den normalen Marktpreis so als attraktives Sonderangebot darstellen, sagt Tryba. Ein Hersteller habe auf Anfrage offen zugegeben, dass der reelle Marktwert eines Produktes bei etwa 50 Prozent seiner unverbindlichen Preisempfehlung liege, „um den Händlern hohe Rabatte zu ermöglichen.“

Dieses Angebot wird laut Tryba besonders gerne von großen Online-Shops wie Otto oder Amazon angenommen, während kleinere Händler häufiger auf die Angabe verzichten. Die meisten Shops entschieden zudem willkürlich, bei welchen Produkten sie die UVP angäben, so der Verbraucherschützer.



Bei einem von vier untersuchten Produkten sei die vom Händler angebende UVP sogar schlicht falsch und meist deutlich höher angegeben worden. „Das macht die scheinbaren Preisnachlässe noch spektakulärer“, sagt Tryba. Viele Händler kämen auf diese Weise auf scheinbare Rabatte von 50 bis 60 Prozent.

Die Verbraucherzentrale kritisiert, dass es für Kunden oftmals kaum nachvollziehbar sei, wie hoch die tatsächliche UVP des Herstellers liege. Sie fordert von den Händlern, direkt neben dem Produkt auf die Originalangabe des Herstellers zu verweisen. Nutzern empfiehlt Tryba grundsätzlich, nicht blind auf UVP-Werbung zu vertrauen, sondern stattdessen Preissuchmaschinen zu bemühen. Auf diese Weise ließe sich eher ein Überblick über die tatsächliche Marktsituation gewinnen.