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Umstrittene Informationen für Patienten

Umstrittene Informationen für Patienten

Viele Ärzte sehen informierte Patienten kritisch. Zu diesem Ergebnis kommt eine kürzlich veröffentlichte Studie. Auf speziellen Portalen können Patienten etwa ein Urteil über Ärzte fällen. Doch wie verlässlich sind die Bewertungen?

Im Internet können Patienten auf vielen Seiten Informationen über Krankheiten oder Ärzte finden. Die Mediziner sehen das kritisch: 73 Prozent der niedergelassenen Ärzte in Deutschland finden laut dem kürzlich veröffentlichten Gesundheitsmonitor der Bertelsmann-Stiftung informierte Patienten mindestens problematisch.

Zu diesen Informationsquellen gehören auch Portale, auf denen Patienten Ärzte bewerten können. "Ärztebewertungsportale sind sinnvoll, weil sie Patienten ermöglichen, sich selbst unabhängig zu informieren", sagt Kai Helge Vogel vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Früher seien Patienten dafür auf Mundpropaganda oder bei Fachärzten auf Empfehlungen ihres Hausarztes angewiesen gewesen. Nun seien die Möglichkeiten wesentlich größer, zumal viele Ärzte noch keine eigene Homepage betrieben, erklärt Vogel. Positiv sei, dass Patienten auf den Portalen Hinweise zu Aspekten wie Wartezeiten oder zum Umgang der Ärzte mit privaten Zusatzleistungen finden könnten.

Als kritisch beurteilen Experten, dass Patienten keine zuverlässigen Informationen über die Fachkompetenz des Arztes bekommen. "Sie können nachsehen, wie zufrieden jemand war - aber nicht, ob die Behandlung gut war. Das können Patienten ja auch kaum beurteilen", sagt Corinna Schaefer vom Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin, einer gemeinsamen Einrichtung der Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. "Viele Patienten finden nicht das, wonach sie eigentlich suchen."

Auch die Aussagekraft der Bewertungen schätzt Schaefer kritisch ein: "Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass man oft ein verzerrtes Bild von dem Arzt bekommt." Es sei auffällig, dass es auf vielen Portalen nur wenige mittlere Bewertungen gebe. "Vermutlich schreiben eher die, die total zufrieden oder total unzufrieden waren."

Die Portale müssten negative Bewertungen nach Gerichtsurteilen gründlich prüfen. Hinzu komme, dass es bei vielen Ärzten nur Bewertungen von sehr wenigen Patienten gebe, was das Bild deutlich einschränke.

Dass Nutzer Ärzte ohne Nennung ihres Namens bewerten können, sei ein zweischneideiges Pferd. "Wenn man nicht anonym schreiben kann, ist die Scheu größer, ehrlich zu sein", sagt Schaefer. Allerdings sei es dadurch auch für andere Nutzer nicht nachvollziehbar, wer eine Bewertung geschrieben habe und ob der Verfasser wirklich bei dem bewerteten Arzt war.

Viele Portale machten inzwischen transparenter, wie Rankings von Ärzten zustande kommen und welche Kriterien zugrunde liegen, erläutert Vogel. "Der Trend ist eindeutig positiv." Angestoßen worden sei dies auch durch Gerichtsurteile, die Portale zu Transparenz verpflichten. Auf manchen Portalen sei es für die Nutzer seiner Meinung nach dennoch schwierig, Werbung von Ärzten und Nutzerbewertungen auseinanderzuhalten.

Als besonders kritisch sehen die Experten, dass es sehr viele Portale von unterschiedlicher Qualität gibt. "Als Nutzer muss man genau schauen, auf welches Portal man klickt und wie ein Ergebnis für einen Arzt dort zustande kommt", sagt Vogel. Medienkompetenz und ein kritischer Blick seien nötig, um die Informationen einzuordnen.