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Ulmer Forscher entwickeln Test zum Nachweis einer Videospielsucht

Abhängig vom Computerspielen : Selbsttest verrät die Online-Sucht

Ulmer Forscher haben einen psychologischen Test für exzessive Videospieler entwickelt.

 Wer ständig am Computer spielt, darüber seine Verwandten und Freunde vernachlässigt, in der Schule oder am Arbeitsplatz häufiger fehlt und vielleicht sogar seine Körperhygiene vernachlässigt, der sollte sich Sorgen machen. Denn diese Symptome zusammengenommen sind nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) typische Anzeichen einer Computerspielsucht.

Wer wissen will, ob das eigene Computerspielverhalten schon rauschhafte Züge trägt, der kann dies jetzt online herausfinden. Forscher der Universität Ulm haben einen psychologischen Test dafür entwickelt. Über 550 Studenten aus Großbritannien und China haben den Test schon gemacht. Mehr als sechs Prozent der Teilnehmer berichteten von Symptomen, die typisch für eine Sucht sind. „Exzessives Videospielen ist ein ernst zu nehmendes Gesundheitsrisiko in asiatischen Ländern und ein aufkommendes Problem in Europa“, erläutert Christian Montag, Leiter des Forschungsprojekts.

Anhand eines Online-Fragebogens, der sich an den Kriterien für eine Videospielsucht der WHO orientiert, wird von Teilnehmern das Spielverhalten der vergangenen zwölf Monate erfasst. Dabei geht es laut den Forschern weniger um die Diagnose, sondern mehr darum die Auswirkungen von exzessivem Computerspielen zu untersuchen. Durchschnittlich zwölf Stunden pro Woche spielen die Befragten laut eigenen Angaben. Die meiste Zeit verbringen die Spieler am Wochenende vor dem Computer oder den Smartphones. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer betrug 23 Jahre.

Für Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren hat die Krankenkasse DAK zusammen mit dem Deutschen Zentrum für Suchtfragen in Hamburg Zahlen vorgelegt. Rund 465 000 Kinder und Jugendliche in Deutschland seien demnach von einer Computerspielsucht betroffen. Jungen wesentlich häufiger als Mädchen. Wer die Finger nicht vom Computer lassen könne, fehle nicht nur häufiger in der Schule. Die Psychologen stellten auch fest, dass Betroffene Probleme mit der Konzentration hatten, unruhig waren oder zu aggressivem Verhalten neigten.

Im DAK-Gesundheitsreport 2019 wurden Erwerbstätige im Alter von 18 bis 65 Jahren nach ihrem Videospielverhalten gefragt. 56 Prozent gaben an, zumindest manchmal zu spielen. Dabei unterschieden sich die Befragten nach Altersgruppen deutlich. Von den 18- bis 29-Jährigen gaben 70 Prozent an, zumindest gelegentlich zu spielen. Unter den 60- bis 65-Jährigen waren es noch 42 Prozent. Männer spielten dabei wesentlich häufiger als Frauen. Eine Videospielsucht wurde aber unter den Arbeitnehmern nur bei rund einem Prozent festgestellt. Von ihnen spiele die Hälfte auch während der Arbeitszeit. Videospielsüchtige seien häufig unkonzentriert, kämen zu spät zur Arbeit oder würden früher Feierabend machen. Überdies würden sie auch häufig früher aus dem Arbeitsleben ausscheiden.

Exzessives Computerspielen ist von der WHO als psychische Erkrankung anerkannt worden. „Spielsüchtig ist jemand, der Freunde und Familie vernachlässigt, der keinen normalen Schlafrhythmus mehr hat, sich wegen des ständigen Spielens schlecht ernährt oder sportliche Aktivitäten sausen lässt“, sagt Vladimir Poznyak vom WHO-Programm Suchtmittelmissbrauch.

Die Computerspielsucht wird ab 18. Juni in den Katalog der Krankheiten, hinter der Glücksspielsucht aufgenommen, so die WHO. An der Einstufung der Videospielsucht als Krankheit gibt es allerdings auch Kritik. So haben Psychologen eingewandt, dass Betroffenen durch das Suchtmodell suggeriert würde, keine Kontrolle über ihr Verhalten zu haben und ihnen dadurch die Heilung erschwert werde. Auch der Kriterienkatalog der WHO war Ziel der Kritik.

Wer testen will, ob er ebenfalls computerspielsuchtgefährdet ist, kann den Online-Fragebogen der Universität Ulm auf der Webseite
www.gaming-disorder.org ausfüllen. Dort erhalten Nutzer nicht nur Rückmeldung zu ihrem Spielverhalten im Vergleich zu anderen Untersuchungsteilnehmern, sondern unterstützen auch die Erhebung zur Computerspielsucht der Ulmer Forscher.

www.gaming-disorder.org