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Trading-Apps sollen auch Börsen-Neulingen helfen beim Aktienhandel.

Börsenapps : Aktienhändler auf dem Smartphone

Wertpapiere sollten nicht blindlings gekauft werden. Börsen-Apps können helfen den Überblick zu behalten.

Nachdem die Deutschen lange Zeit als Börsenmuffel belächelt und bedauert wurden, weil sie ihr Erspartes lieber bei null Prozent Zinsen auf dem Girokonto parken, als renditeträchtig zu investieren, scheint sich eine Wende abzuzeichnen. Inzwischen nimmt auch hierzulande das Handeln mit Aktien, Anleihen und Fonds immer mehr Fahrt auf. Eine Rolle dürften dabei auch die wachsende Zahl leicht zu bedienender Smartphone-Apps spielen, mit denen wie wild an den Börsen spekuliert werden kann. Nicht nur die klassischen Papiere, auch ETFs (Exchange-Trades Funds), die den Verlauf von Börsenindizes wie den Deutschen Aktienindex (Dax) abbilden, und Krypto-Währungen wie Bitcoins können mithilfe dieser Trading-Apps gekauft werden.

Mittlerweile gibt es etliche Programme, mit denen der Handel solcher Papiere nach Angaben der Stiftung Warentest relativ reibungslos funktioniert und vor allem kostengünstig ist. Die Bedienung der sogenannten Trading-Apps ist für jemanden, der sich bereits über seinen PC auf Handelsplätzen tummelt, ebenfalls kein großes Problem. Auch für Menschen, die vorher den Handel mit Firmenpapieren noch nicht auf dem Schirm hatten, ist der technische Umgang mit ihnen leicht zu erlernen.

Allerdings sollten Einsteiger bedenken, dass sie mit Risikopapieren handeln, deren Kurs steigen, aber auch fallen kann. Einige Grundlagen, wie Börsen funktionieren, sollte sich jeder im Vorfeld aneignen, bevor er sich auf den steinigen Handelsweg zur ersten Million macht. Einen guten Grundkurs rund um diese komplexe Materie bietet unter anderem die Frankfurter Börse an. Auch die Stiftung Warentest erklärt in Büchern wie „Geldanlage für Anfänger“ oder „Alles über Aktien“, wie das Börsenparkett funktioniert.

Wer sich das Basiswissen angeeignet hat und den dringenden Rat befolgt, nur mit Geld an der Börse zu handeln, das er in nächster Zeit nicht für Anschaffungen benötigt, kann mit seiner Trading-App in Aktion treten. Allen gemeinsam ist, dass der Nutzer zunächst ein Depot eröffnen muss, um ins Handelsgeschäft einzusteigen. Die gängigen Börsen-Apps unterscheiden sich nicht grundsätzlich. Bei manchen handelt es sich um eine ausgegliederte Handels-App von Banken wie Comdirect, Consorsbank oder der S-Brocker der Sparkassen-Organisation. Andere wurden von Startup-Gründern auf die Beine gestellt wie zum Beispiel die App Trade Republic, die derzeit im Internet heftig beworben wird. 2015 von drei jungen Leuten gegründet und seit 2019 im Geschäft verspricht Trade Republic, dass „Kunden mit nur drei Tabs provisionsfrei am Kapitalmarkt sparen, investieren oder handeln können“. Die Apps übernehmen dabei die Funktion eines (Online)-Brokers – ein Finanzdienstleister, der im Auftrag der Anleger mit Wertpapieren handelt.

Grundsätzlich fallen unterschiedliche Kosten an. Zum einen sind es die Ordergebühren, die sich üblicherweise auf etwa ein Prozent der Summe addieren, mit der der Kunde an der Börse Handelsgeschäfte abschließt. Auch die Börse selbst, an der das Geschäft getätigt wird, verlangt ihren Obolus. In Frankfurt beträgt er bei Dax-Titeln 0,04 Prozent und für alle anderen Aktien 0,08 Prozent des Handelsvolumens. Kostenfaktor Nummer drei sind die Depotgebühren, die die Bank dafür verlangt, dass sie ein Wertpapier-Konto zur Verfügung stellt. Dort werden die Aktien oder Fonds verwahrt.

Auch wenn sie als günstig gelten, unterscheiden sich die einzelnen Handels-Apps bei ihren Kostenmodellen und Konditionen erheblich. Die Nutzer können nur mit Mühe vergleichen, was für sie die günstigste und beste ist. Transparenz geht anders, verdeckte Kosten inklusive. So bieten einige Apps zwar Gebührenfreiheit an, verdienen ihr Geld aber damit, dass sie eine größere Handelsspanne (Spread) festlegen, als sie beim Kauf und Verkauf von Papieren an der Börse üblich ist. Apps, die mit geringen Kosten werben, können oft nur auf eine beschränkte Anzahl von Wertpapieren und wenige Handelsplätze zurückgreifen.

So kann Trade Republic nur die Papiere anbieten, die bei der L&S Exchange gelistet sind, ein elektronisches Handelssegment, das 2018 gemeinsam mit der Börse Hamburg ins Leben gerufen wurde. 7000 Aktien stehen dort zur Verfügung. Einige Online-Broker, die mit günstigen Konditionen werben, erheben erst nach einigen Monaten Gebühren – manche eine bestimmte Summe pro Transaktion, andere arbeiten mit einer Flatrate, die unabhängig vom Handelsvolumen fällig wird. Wieder andere Trading-Apps wie beispielsweise eToro werden im Ausland verwaltet und der Handel läuft auf Dollar-Basis. Hier fallen Umrechnungsgebühren an, wenn ein Kunde sein Geld in Euro anlegen will. Außerdem können Währungsschwankungen den Gewinn schmälern oder erhöhen. Andere Apps wie zum Beispiel Just Trade schreiben ein Mindesthandelsvolumen vor – beispielsweise 500 Euro – mit dem man ins Geschäft einsteigen darf. Manche Apps bieten auch Sparpläne an, bei denen Kunden monatlich eine bestimmte Summe einzahlen und an der Börse platzieren. Einen detaillierten Überblick über die einzelnen Konditionen finden Nutzer bei Computerbild mit dem Stichwort Trading-Apps.

Der schnelle Griff zum Handy verführt außerdem dazu, sich ständig über die Kursentwicklung seiner Wertpapiere zu informieren. Signalfarben zeigen, ob die Papiere des eigenen Depots im Plus (grün) oder im Minus (rot) stehen. Das kann dazu verführen, ständig nach Handelsmöglichkeiten zu suchen, um sein Geld zu mehren. Doch jede Order kostet irgendwann und irgendwo Geld, auch wenn die Trading-Apps anderes versprechen. Unabhängig von den Transaktionskosten geht eine von Nervosität geprägte Handelsstrategie selten gut, wie etliche Studien belegen. So kam eine Analyse der Universität von Kalifornien zu dem Schluss, dass mehr als 80 Prozent der Leute, die täglich mit Firmenpapieren handeln, am Ende einen Verlust erwirtschaften. Eine Börsenweisheit besagt, dass Kunden Aktien breit – über mehrere Branchen und Kontinente – streuen und lange im Depot parken sollten. Die Ratschläge des US-Börsengurus Warren Buffet gelten immer noch: „Eine Aktie, die man nicht zehn Jahre zu halten bereit ist, darf man auch nicht zehn Minuten besitzen.“ Und: „Investiere nur in eine Aktie, deren Geschäft du auch verstehst.“

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