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Tödliche Gefahren im Internet: Soziale Medien sind stark betroffen

Warum die Sozialen Medien besonders betroffen sind : Tödliche Gefahren im Internet

Jugendschützer warnen vor Beiträgen in Foren und sozialen Netzwerken, die Essstörungen oder selbstverletzendes Verhalten verharmlosen oder verherrlichen. Viele Betreiber reagieren nur langsam auf solche Hinweise.

Dass es im Internet und sozialen Netzwerken nicht immer heiter zugeht, ist kein Geheimnis. Doch wie einfach es für Kinder und Jugendliche ist, Beiträge zu finden, die selbstgefährdendes Verhalten verharmlosen oder sogar verherrlichen, zeigt eine Studie von jugendschutz.net, der Initiative für den Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet.

In Foren und sozialen Netzwerken tauschen sich Jugendliche über ihre Sorgen und Probleme aus. Kinder  könnten deshalb auf Plattformen, die genau ihre Altersgruppe ansprechen, schnell mit einer Vielzahl problematischer Inhalte konfrontiert werden, erklärt jugendschutz.net. Viele fühlten sich dann bestärkt und bestätigt, wenn sie auf einschlägigen Seiten auf Leidensgenossen treffen, die Ähnliches erlebt haben. Zudem seien Kinder und Jugendliche für manipulative Videos und Bilder besonders empfänglich, da sie in ihrer Persönlichkeit noch nicht gefestigt seien. „Problematisch sind vor allem Pro-Suizidforen“, warnt jugendschutz.net.

Mutproben und Risiken gehörten zur Entwicklung von Jugendlichen. So testeten sie ihre Grenzen aus. Bei risikoreichen Wettbewerben würden jedoch Grenzen überschritten, um sich mit Gleichaltrigen zu messen und Anerkennung zu erhalten, warnen die Jugendschützer. Das verlagere sich immer stärker in die sozialen Netzwerke. Indem sich die Jugendlichen gegenseitig öffentlich nominieren – zum Beispiel durch die Verlinkung eines Profils – und filmen, entstehe ein sozialer Druck, der sie zwinge, an der Herausforderung teilzunehmen, erklärt jugendschutz.net.

Daher warnen die Jugendschützer ausdrücklich unter anderem vor der sogenannten Outlet-Challenge. Dabei gehe es darum, mit einem Ladegerät und einer Münze an einer Steckdose (englisch: Outlet) einen Stromschlag zu erzeugen. Der könne im schlimmsten Fall tödlich sein.

Jugendliche, die an einer Essstörung leiden, fänden in sozialen Netzwerken Bestätigung für ihr Verhalten. Zwar blockiere zum Beispiel das Fotonetzwerk Instagram Schlagworte wie „Thinspiration“, sodass keine Inhalte mehr unter diesem Begriff gefunden werden, doch an Essstörungen erkrankte junge Menschen finden immer wieder andere Begriffe, um ihre Texte und Fotos zu Magersucht und Bulimie zu verbreiten.

Häufig würden die beiden Formen der Essstörung mit den Namen Ana und Mia personifiziert und als „beste Freundin“ dargestellt, erklärt jugendschutz.net. Am Ende stehe ein Ziel: extremes Untergewicht. „Bei Regelverstößen bestrafen sie sich mit exzessivem Sport oder Erbrechen“, erklären die Jugendschützer.

Ziel der Foren zu diesem Thema sei es, ein Wir-Gefühl zu erzeugen. Das sorge dafür, dass die Jugendlichen vor allem Therapien verweigerten und ihre Krankheit vor Familie und Freunden verheimlichten.

Die Jugendschützer betrachteten im vergangenen Jahr 4643 Beiträge mit Inhalten zu selbstgefährdendem Verhalten. Dazu gehörten Webseiten, Foren und Onlineshops sowie Beiträge in sozialen Medien. Für 941 Fälle wurden Maßnahmen eingeleitet, weil aus Sicht von jugendschutz.net ein Verstoß gegen jugendschutzrechtliche Bestimmungen vorlag. Ein Drittel der problematischen Seiten verherrlichten laut jugendschutz.net selbstverletzendes Verhalten.

Darunter verstehen Psychologen, dass sich Menschen zum Beispiel schneiden oder Haare ausreißen. Ein Fünftel der Verstöße handelte von Essstörungen, ebenso viele von Suizid. Die große Mehrheit sei in sozialen Netzwerken verbreitet worden (93 Prozent). 52 Fälle haben die Jugendschützer bei der Polizei anzeigt – vor allem Beiträge, in denen Jugendliche einen Suizid ankündigten oder einen Partner dazu suchten. 33 weitere Inhalte seien an die Kommission für Jugendmedienschutz weitergeleitet worden, um eine mögliche Indizierung zu prüfen.

Die Jugendschützer haben darüber hinaus die Präventivmaßnahmen von Instagram, Facebook, Pinterest Tiktok, Tumblr, Twitter und Youtube getestet. Die Richtlinien aller Dienste verbieten selbstgefährdende Inhalte. Doch jugendschutz.net bemängelte unter anderem, dass Beiträge zwar gemeldet werden könnten, aber das Verfahren sehr umständlich gewesen sei. Außerdem sei dafür teilweise eine Anmeldung bei der Plattform erforderlich gewesen. Auch Hilfesysteme seien nur schwer zu finden.

Zudem testeten die Jugendschützer die Meldesysteme der Plattformen als normale Nutzer. Nur 42 Prozent dieser Meldungen wurden binnen sieben Tagen durch die Dienste gelöscht. „Besonders schlecht löschten Twitter (11 Prozent) und Instagram (28 Prozent)“, erklärt jugendschutz.net. Wohingegen das soziale Netzwerk Pinterest 93 Prozent der als Nutzer gemeldeten Beiträge löschte. Nach sieben Tagen gab sich jugendschutz.net als Institution zu erkennen und die Plattformen löschten weitere 27 Prozent der gemeldeten Inhalte. Die höchste Löschquote erbrachte insgesamt Tiktok mit 97 Prozent, gefolgt von Pinterest mit 93 Prozent.

Den gesamten Bericht der Jugendschutz-Initiative gibt es im Internet. Im Bericht wird auch ausführlich auf Hilfsangebote hingewiesen:

www.jugendschutz.net