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Taxi zur Raumstation: Nasa setzt auf einen neuen Transport-Service

Taxi zur Raumstation: Nasa setzt auf einen neuen Transport-Service

Die US-Raumfahrtagentur wird 2017 die Kooperation mit ihrem russischen Pendant beenden. Dann sollen Astronauten nicht mehr mit Sojus-Kapseln, sondern wieder mit Fluggeräten „Made in USA“ zur Raumstation fliegen. Unterm Strich könnte das allerdings teuer werden.

Washington. Der Betrieb der Internationalen Raumstation über das Jahr 2020 hinaus wird möglicherweise deutlich mehr kosten als bislang kalkuliert. Zu dieser Einschätzung gelangte jüngst der Nasa-Generalinspekteur Paul Martin in einem internen Bericht, aus dem der Raumfahrtinformationsdienst SpaceNews zitiert. Als Grund nennt der Inspekteur steigende Kosten für Versorgungsflüge.

Vor drei Jahren hat die Nasa ihre Space Shuttles aus dem Verkehr gezogen. Seither müssen Astronauten der USA und Europas mit russischen Sojus-Raumkapseln zur Internationalen Raumstation fliegen. Die russische Raumfahrtagentur Roskosmos kassiert pro Fluggast 70,7 Millionen Dollar (55 Millionen Euro). Insgesamt zahlt die Nasa jährlich 210 Millionen US-Dollar (166 Millionen Euro). Seit zehn Jahren arbeitet die Nasa bereits an einer eigenen bemannten Raumkapsel, Orion genannt. Sie sieht der früheren Apollo-Kapsel des Mondprogramms ähnlich, ist aber für deutlich länger dauernde Missionen in größerer Entfernung von der Erde gedacht. Die Orion soll Astronauten unter anderem zu Kleinplaneten und zum Mond bringen.

Parallel fördert die Nasa finanziell einen Wettbewerb zum Bau kommerzieller Raumfahrzeuge. Sie sollen von US-Unternehmen gebaut und von Nasa-Astronauten genutzt werden. Die Nasa würde dann statt an die russische Raumfahrtagentur an Unternehmen aus dem eigenen Land zahlen. Die bemannten Flüge sollten bereits 2015 aufgenommen werden, doch Zeitpläne werden in der Raumfahrt selten eingehalten. Das Programm hat bisher zwei Jahre Verspätung. Der Vertrag mit der russischen Raumfahrtagentur über Mitflüge von US-Astronauten in Sojus-Kapseln soll Ende 2017 auslaufen. Vor wenigen Wochen erhielten zwei US-Firmen rund sieben Milliarden Dollar (5,5 Milliarden Euro) für Entwicklung, Bau und zwei Testflüge der neuen Raumfahrzeuge. Die Raumkapsel Dragon V2 der Firma SpaceX kann bis zu sechs Astronauten transportieren. Sie ist eine Weiterentwicklung einer unbemannten Version dieses Raumfahrzeugs, das bereits viermal Geräte und Versorgungsgüter zur ISS und zurück zur Erde gebracht hat. SpaceX will Ende 2015 den ersten bemannten Testflug der Dragon V2 wagen. Ein Andocken an die ISS ist dabei noch nicht geplant. Für den Start ist die ebenfalls von SpaceX gebaute und erprobte Falcon-9-Rakete vorgesehen.

Für das Jahr 2016 plant Konkurrent Boeing den ersten Testflug der Raumkapsel CTS-100. Das Unternehmen, das bislang alle bemannten Raumfahrzeuge der Nasa, angefangen von den Mercury-Kapseln bis zu den Shuttle-Raumfähren, baute, entwickelte die sechssitzige CTS-100-Kapsel eigentlich für Weltraumtouristen. Das Crew Transport System sollte eine private Raumstation anfliegen, die vom Unternehmen Bigelow Aerospace entwickelt wird. Deren Startdatum steht allerdings in den Sternen. Als Trägerrakete ist die von Boeing mitentwickelte Atlas V vorgesehen. Sie ist sehr zuverlässig, ist aber bislang auf russische Triebwerke angewiesen. Firmen in den USA suchen derzeit nach Alternativen.

Über die Transportkosten der beiden US-Fluggeräte ist noch nichts bekannt. Doch hält der Inspektionsbericht der Luft- und Raumfahrtbehörde die Budgetschätzungen für den Weiterbetrieb der ISS nach 2017 bereits jetzt für zu gering. Paul Martin rechnet mit Kosten von fast 300 Millionen Dollar (237 Millionen Euro) pro Start einer kommerziellen Raumkapsel. Auch für den Transport von Versorgungsgütern muss die Nasa zahlen, denn der liegt ebenfalls in den Händen von zwei US-Unternehmen (SpaceX und Orbital).

Deshalb hat die Nasa alte Pläne aus den Schubladen geholt, die Orion-Raumkapsel auch zur Raumstation zu schicken. Ob das dann günstiger wird, steht aber in den Sternen. Ein erster unbemannter Testflug der Orion ist zum Jahresende geplant.