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Tabuzonen fürs Smartphone

Handy-Nutzung im Alltag : Kaum noch Tabuzonen fürs Smartphone

Es gibt nur wenige Bereiche, in denen die Verwendung des Mobiltelefons absolut verpönt ist.

Viele Smartphone-Besitzer können selbst beim Treffen mit Freunden nicht auf das Gerät verzichten, wie eine Untersuchung der SRH Hochschule in Heidelberg im vergangenen Jahr ergeben hat. Und längst greifen nicht mehr nur die jungen Leute regelmäßig nach ihrem digitalen Begleiter, auch die ältere Generation nutzt das Smartphone im Alltag. Großeltern erhalten die neuesten Bilder der Enkel per Kurznachricht. Wie Kinder ihre Freizeit gestalten, können Eltern mit einem Klick auf die Fotoplattform Instagram in Erfahrung bringen. Praktisch. Und gleichzeitig ist die ständige Verwendung des Handys verheerend. Denn häufig bleiben dabei die Manieren auf der Strecke. Smartphone-Tabuzonen scheint es keine mehr zu geben. Oder etwa doch?

Dieser Frage ist im Januar das Vergleichsportal Verivox gemeinsam mit der Online-Partnervermittlung Parship nachgegangen. Dem Ergebnis ihrer Umfrage nach gibt es sehr wohl noch Bereiche, in denen selbst die lautlose Verwendung des Smartphones verpönt ist. Vom Telefonieren ganz zu schweigen. Außerdem wird deutlich, dass die Grenzen der Höflichkeit für die ältere Generation deutlich schneller als überschritten gelten als für die jüngere, die mit Smartphones aufgewachsen ist. „Für junge Menschen ist es selbstverständlich, sich überall und sofort austauschen zu können“, sagt der Verivox-Telekommunikationsexperte Eugen Ensinger.

So finden es 21 Prozent der 18- bis 29-Jährigen völlig in Ordnung, im Schlafzimmer zu telefonieren. Dem schließen sich jedoch lediglich sieben Prozent der über 60-Jährigen an. Mit Telefonaten in Bus und Bahn ist knapp die Hälfte der jungen Generation einverstanden (45 Prozent). Die Älteren können sich nur zu einem deutlich geringeren Anteil mit einem laut telefonierenden Sitznachbarn abfinden (28 Prozent). Auch beim gemeinsamen Essen zu Hause haben die jungen Leute eine höhere Toleranzgrenze: Dabei zu telefonieren, ist für 16 Prozent in Ordnung. Für die Ü-60-Generation hat das ungestörte Zusammensein mit der Familie noch einen hohen Stellenwert. Nur für acht Prozent wäre es der Umfrage nach akzeptabel, wenn ein Familienmitglied am Tisch telefonieren würde.

Ebenfalls aufgegriffen wurde das Thema von knigge.de. Unter dem Stichwort „Handy-Knigge“ sind auf dem Portal für Stil- und Etikette-Fragen mehrere Regeln im Umgang mit Smartphones in der Öffentlichkeit aufgeführt. So rät der Knigge beispielsweise dringend dazu, bei Besprechungen, auf Kongressen, Seminaren und Vorträgen beim Telefonieren den Raum zu verlassen. Wer während eines Restaurantbesuchs einen wichtigen Anruf erwarte, solle das Smartphone auf lautlos stellen und das Telefongespräch in einer besucherfreien Ecke oder draußen führen. Ein weiterer Rat des Knigge: „Egal, von wo aus Sie in der Öffentlichkeit mit Ihrem Handy telefonieren, bitte schreien Sie dabei nicht!“ Das Umfeld dankt.

Doch nicht nur das Telefonieren kann in manchen Situationen von schlechten Manieren zeugen. Die lautlose Nutzung des Smartphones verstößt unter Umständen genauso gegen die Anstandsregeln. 63 Prozent der insgesamt 4104 befragten Parship-Mitglieder halten es für unangebracht, im Theater oder bei Lesungen sowie im Kino das Mobilgerät zu zücken. Auch wenn nur eine kurze Nachricht geschrieben wird. Der Knigge rät dringend, Smartphones bei kulturellen Veranstaltungen ganz auszuschalten. Absolut tabu ist das Smartphone für 85 Prozent der Befragten beim ersten Date.

Die größte Zustimmung gibt es bei der stillen Verwendung des Smartphones in öffentlichen Verkehrsmitteln, kurz dahinter folgt der Besuch beim Arzt (96 und 88 Prozent). Beim gemeinsamen Essen zu Hause findet dies jeder Zweite okay, 44 Prozent sind sogar an einer festlichen Tafel damit einverstanden. Und selbst das Schlafzimmer ist den Umfrage-Ergebnissen nach keine handyfreie Zone. Immerhin 46 Prozent finden es in Ordnung, vor dem Einschlafen noch schnell ein paar Nachrichten zu tippen oder die sozialen Netzwerke nach Neuigkeiten zu durchforsten.

Eine hundertprozentig eindeutige Smartphone-Tabuzone lässt sich aus den Umfragewerten nicht ableiten. Und doch gibt es einen Ort, an dem das Smarthone auch in Zukunft ausnahmslos in der Tasche bleiben sollte. Da wird der Knigge sehr deutlich: „Auf Beerdigungen gilt: Geräte ausschalten!“

www.knigge.de