Studie von BSI und Polizei: Deutsche sind im Internet zu sorglos

Kostenpflichtiger Inhalt: Studie von BSI und Polizei : Deutsche sind im Internet zu sorglos

Eine aktuelle Befragung von BSI und Polizei zeigt: Sicherheit im Netz steht für Bundesbürger nicht an erster Stelle.

Jeder Vierte in Deutschland war bereits Opfer von Kriminalität im Internet. Das ist das Kernergebnis des Digitalbarometers 2019, einer Erhebung des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Seit 2015 befragen sie Nutzer, ob und wie gut sie sich vor den Gefahren der digitalen Welt schützen.

Dabei haben BSI und Polizei festgestellt, dass sich die Deutschen zunehmend um die Sicherheit im Internet sorgen, doch zu wenig tun, um sich besser zu schützen. Selbst wer wiederholt Opfer von Internetkriminellen werde, achte danach nicht besser auf seine digitale Sicherheit. Im Vergleich zum vergangenen Jahr haben sich die Zahlen kaum verändert. Schon damals attestierten BSI und Polizei den deutschen Internetnutzern einen zu sorglosen Umgang mit ihrer eigenen Online-Sicherheit.

„Viele Bürger sind sich über die Gefahren im Netz bewusst. Doch zu wenige tun etwas mit diesem Wissen“, sagt BSI-Präsident Arne Schönbohm. Schutzmaßnahmen wie Antivirenprogramme (61 Prozent) und sichere Passwörter (58 Prozent) seien zwar verbreitet, werden aber längst nicht umfassend genutzt, so das BSI. Befragte, die besser auf solche Schutzmaßnahmen achten, sagen hingegen häufiger aus, noch nie Opfer von Cyber-Kriminalität geworden zu sein. Wenn es deutsche Nutzer erwischt, dann seien es meistens Betrug beim Onlinekauf (36 Prozent), Phishing, eine Methode, bei der Kriminelle versuchen, durch gefälschte E-Mails oder Internetseiten Zugangsdaten abzugreifen (28 Prozent), und Schadsoftware (26 Prozent).

Die Befragten reagieren unterschiedlich, wenn sie eine Straftat im Internet vermuten. Die meisten Nutzer, die bereits Opfer geworden sind, haben sich selbst geholfen (39 Prozent) oder Familie, Freunde sowie Bekannte um Hilfe gefragt (17 Prozent). Deswegen wollen BSI und Polizei vor allem mehr Anleitung zur Selbsthilfe geben als bisher. Auch wollen sie erreichen, dass mehr Betroffene Anzeige bei der Polizei erstatten. Mehr als die Hälfte der Befragten (57 Prozent) gebe an, sich bei einem Verdacht an die Polizei wenden zu wollen. Tatsächlich erstatte nur jedes dritte Opfer Anzeige. Die Anleitungen zur Selbsthilfe sollen daher auch Hemmnisse abbauen, sich bei einem Verdacht auf eine Straftat an die Polizei zu wenden.

Wer sich besser informiere, falle Straftaten im Internet nicht so leicht zum Opfer, stellen Polizei und BSI fest. Doch nur ein Drittel (31 Prozent) informiere sich regelmäßig über Internetsicherheit, die meisten hingegen nur im Problemfall. Dies sei oft auch eine Altersfrage. Bei den 50- bis 69-Jährigen sei der Anteil derer, die sich regelmäßig informieren, höher (37 bis 38 Prozent) als im Durchschnitt. Die 16- bis 29-Jährigen neigen eher als die anderen Altersgruppen dazu, sich nicht zu informieren (28 Prozent). Sicherheitsempfehlungen setzen sie zudem weniger um. Rund ein Viertel mache das direkt, während es bei den 60- bis 69-Jährigen rund die Hälfte sei.

Wenn auf Sicherheit im Netz geachtet werde, sei das in erster Linie beim Onlinebanking (62 Prozent) oder Online-Einkauf (44 Prozent). Etwa ein Drittel mache sich Gedanken zum allgemeinen Surfen (33 Prozent) und zur E-Mail-Kommunikation (30 Prozent). Weniger relevant sei die Sicherheit bei der Nutzung sozialer Netzwerke (14 Prozent) und bei der Kommunikation über Kurznachrichtendienste (elf Prozent). Gerade bei Vorgängen, bei denen Sicherheit im Vordergrund stehen sollte, wenn etwa neue Anwendungen installiert oder ein öffentliches WLAN-Netz genutzt werden, achten nur sechs Prozent auf Sicherheit. Wenn es darum gehe, Dateien herunterzuladen, seien es sogar nur zwei Prozent. Dabei können gerade auf diese Weise Schadprogramme und Hacker in das eigene System einfallen, mahnen Polizei und BSI. Ebenfalls angreifbar machen sich alle, die keinen großen Wert auf die sichere Nutzung vernetzter Heimgeräte (drei Prozent) legen, obwohl über die Hälfte der Befragten beispielsweise einen internetfähigen Fernseher hatten.

Wer sich um die eigene Sicherheit im Internet sorgt, dem können die Internetseiten des BSI und der Polizei weiterhelfen.

www.bsi-fuer-buerger.de

www.polizei-beratung.de/
opferinformationen/cybercrime/

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