Studenten haben den Einfluss des Handys auf das Sozialleben untersucht

Untersuchung von Heidelberger Hochschule : Der zwanghafte Blick aufs Smartphone

Studenten einer Heidelberger Hochschule haben untersucht, wie sehr die Mini-Computer unser soziales Leben prägen.

Smartphones machen abhängig, unproduktiv und unglücklich, warnt die Universität Bonn. Dort haben Wissenschaftler die App Menthal programmiert, die aufzeichnet, wie häufig Besitzer eines Mobiltelefons auf den Bildschirm schauen. 300 000 Smartphone-Besitzer machten bisher beim App-Experiment mit. Im Schnitt landete alle 18 Minuten der Blick auf der kleinen Suchtmaschine. Wie wirkt sich diese Dauer­ablenkung auf das soziale Leben aus?

Das haben Psychologiestudenten der SRH Hochschule in Heidelberg untersucht. Knapp zwei Monate haben die Studierenden rund 1000 Personen, die in Gruppen unterwegs waren, jeweils zehn Minuten lang im öffentlichen Raum beobachtet. Wie oft nehmen die Menschen ihr Smartphone in die Hand? Wie lange nutzen sie es?

„Wir wollten Leute an Orten beobachten, wo man einfach zusammen sitzt und das Smartphone keine große Rolle spielt“, erklärt Student Stefan Schlimm, der mit seinen Kommilitonen in Cafés, Bars oder Parks im Rhein-Neckar-Gebiet unterwegs war. Die Ergebnisse scheinen den Bonner Messwerten zu widersprechen.
„40 Prozent haben das Smartphone gar nicht benutzt“, erklärt Schlimm. Die anderen 60 Prozent hätten allerdings ihr Handy im Durchschnitt etwa 1,5 Mal in zehn Minuten Beobachtungszeit in der Hand gehabt. „Es war überraschend zu sehen, wie oft und wie lange das Smartphone genutzt wird – gerade in Situationen, in denen man eigentlich erwarten würde, dass die Personen direkt miteinander kommunizieren oder sich beispielsweise auf ihr Essen konzentrieren“, sagt Schlimm.

Wenn nur zwei oder drei Menschen zusammen sitzen, bleibt das Mobiltelefon meist abgeschaltet. Je mehr Menschen es werden, desto öfter schauen sie auf das Display. Das führen die Studenten darauf zurück, dass Personen sich in größeren Gruppen eher anonym fühlen und nicht immer Teil eines Gespräches sind. Außerdem fiel auf, dass sobald eine oder mehrere Personen einer Gruppe ihr Mobiltelefon nutzen, das auch andere tun.

„Wenn man zum Beispiel in der Bahn alleine ist, ist die Smartphone-Nutzung normal, weil man dann Nachrichten liest und mit anderen kommuniziert“, erklärt Schlimm. In der Gruppe sei es anders: „Man ignoriert die anderen Personen dann und stößt sie so vor den Kopf.“

Nach der Beobachtung klärten die Studierenden die Personen über die Untersuchung und ihren Zweck auf: „Das Lustigste war die Reaktion der Leute.“ Viele hätten sich ertappt gefühlt, sagt Schlimm. Einige seien stolz gewesen, weil sie ihr Smartphone nicht genutzt hatten. „Die Leute haben für sich selbst erkannt, dass es in der Gruppe nicht gut ist, dauernd auf das Gerät zu schauen.“ Häufig sei das Handy genutzt worden, um Nachrichten zu beantworten oder auch nur, um auf die Uhr zu schauen.

Eine Vermutung der Studenten zu Beginn der Studie war, dass Frauen häufiger das Smartphone nutzen als Männer, weil sie kommunikativer sind. Doch die Forscher wurden eines Besseren belehrt. Sowohl Männer als auch Frauen haben ihr Handy in den zehn Minuten gleich häufig benutzt. Jedoch nutzten Männer ihr Mobiltelefon mit 1:26 Minute im Durchschnitt länger als Frauen. Rekordhalter sei ein Mann gewesen, der sein Smartphone zwölf Mal in der Hand hatte. „Es gab 13 Leute, die ihr Handy durchgehend benutzt haben“, sagt Schlimm.

Doch neben diesen Negativbeispielen gab es auch positive, wie Schlimm berichtet: „Vereinzelt gab es Gruppen, die ganz auf die Geräte verzichtet haben. Alle Smartphones lagen auf einem Haufen.“ Oder es habe Rituale gegeben: „Wer das Handy nutzt, der muss die nächste Runde zahlen.“

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