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Streit ums Künstlerpigment

Cadmium ist giftig, als Basis für Künstlerfarben aber seit über einem Jahrhundert höchst beliebt. In wenigen Tagen entscheidet sich nun, ob Cadmiumpigmente verboten werden. Die Wahrscheinlichkeit ist allerdings gering. Nico Pointner

Helsinki. Wo viel Licht, ist auch viel Schatten. Das zeigt das Beispiel Cadmium. Dieses Element wurde Anfang des 19. Jahrhunderts entdeckt, seit dem Jahr 1829 werden seine Verbindungen als Cadmiumgelb (Cadmiumsulfid) und seit 1907 als Cadmiumrot (Cadmiumselenid) in der Malerei verwendet. Künstler schätzen diese Farbpigmente wegen ihrer Leuchtkraft und Klarheit. Doch Cadmium ist giftig, sein Einsatz soll deshalb in Europa eingeschränkt werden.

Als Katalysator in der Kunststoffherstellung und in Weichmachern wird Cadmium nicht mehr genutzt, so Franz-Georg Simon von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM). Weit verbreitet sei diese Substanz heute in sogenannten Dünnschicht-Modulen von Photovoltaik-Anlagen. Verbieten lassen will das schwedische Pendant der deutschen Materialprüfungsanstalt Cadmium jedoch nun ausgerechnet in Künstlerfarben.

Farbreste im Abwasser



Das Argument, mit dem dieser Antrag bei der europäischen Chemikalienagentur begründet wird, lautet, dass Maler ihre Pinsel regelmäßig unter fließendem Wasser auswaschen. Farbreste könnten deshalb mit dem Abwasser in die Kläranlagen und damit in den Klärschlamm gelangen. Da in Europa 40 Prozent des Klärschlamms in die Landwirtschaft wandern, gelange die gefährliche Substanz so in den Nahrungskreislauf des Menschen.

Diese Argumentation sei zwar korrekt, erwidert die Bundesanstalt, doch gelte es auch, auf die Mengenverhältnisse zu achten. In Europa gelangten pro Jahr 120 Tonnen Cadmium auf landwirtschaftliche Flächen, der größte Teil (80 Tonnen) über den Mineraldünger, 7,4 Tonnen gingen auf das Konto des Klärschlamms. Nur 110 Kilogramm stammten von Künstlerfarben. Das sei so wenig, dass sich die beiden beratenden Komitees der Europäischen Chemikalienagentur in Helsinki, die über das Verbot entscheidet, gegen einen Bann fürs Cadmium-Gelb ausgesprochen haben, so Franz-Georg Simon - er ist Sprecher des Komitees für sozioökonomische Analysen.

Die Chemikalienagentur berät über das Thema bei einer Sitzung in wenigen Tagen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es zum Verbot kommt, sei nach der Ablehnung der beiden Komitees jedoch gering, so Simon.