Stiftung Warentest prüft: Käufersiegel auf dem Prüfstand

Stiftung Warentest prüft : Was Online-Gütesiegel wirklich wert sind

Viele Deutsche vertrauen beim Einkauf im Internet auf Prüfzeichen. Nicht alle halten, was sie versprechen.

Wer im Internet einkauft, muss besonders darauf achten, von wem er kauft. Damit die Ware auch ankommt und die Zahlungsdaten nicht in die falschen Hände geraten, schauen viele Nutzer auf Gütesiegel, die auf zahlreichen Einkaufsportalen prangen.

Laut einer Umfrage der Hochschule Fresenius in Hamburg verlassen sich Onlinekäufer sehr auf solche Gütesiegel. Je mehr Prüfzeichen ein Einkaufsportal vorweisen könne, desto vertrauenswürdiger erscheine es in den Augen des Kunden, stellten die Hamburger Wissenschaftler fest.

Was solche Gütersiegel aussagen und ob sie für Onlinekunden hilfreich sein können, das hat die Stiftung Warentest überprüft. Die Siegel seien keine unabhängigen Prüfzeichen, sondern eine Dienstleistung von Unternehmen, die damit Geld verdienen, erklären die Tester. Für die Verleihung eines Siegels seien 200 bis 4000 Euro im Jahr fällig. Shops mit höherem Umsatz müssten oft mehr zahlen. Anbieter wie Amazon oder Zalando verzichteten ganz auf solche Siegel. Kleinere Onlinehändler könnten sich die Kosten für ein Siegel nur schwer leisten, so die Stiftung Warentest.

Um die Anbieter auf die Probe zu stellen, arbeiteten die Tester mit einem realen Onlineshop zusammen. Sie bauten in dessen Internetseite einige Fehler ein und bewarben sich dann für die Vergabe. ndercover-Shop ein Gütesiegel vom TÜV Süd, von dem Unternehmen Trusted Shops, das Internetsiegel und das Siegel „Geprüfter Webshop“.

Nur der TÜV Süd und Trusted Shops konnten die Tester überzeugen. Beide Anbieter überprüften das Einkaufsportal, bevor sie ihr Prüfzeichen verliehen, so die Tester. Ganz anders das Siegel „Geprüfter Webshop“. Die Tester berichten, dass ihre Seite dieses Gütezeichen schon kurz nach der Zahlung erhalten habe und sofort benutzen durfte. Einige Mängel hatte der Anbieter zwar festgestellt, diese zu beseitigen sei aber Aufgabe des Shopbetreibers. Da das Siegel so einfach zu haben sei, sei die Aussagekraft für Onlinekäufer sehr gering, so das Fazit der Tester.

Trusted Shops ist mit über 25 000 registrierten Seiten besonders weit verbreitet. Das Unternehmen bietet einen Gratis-Käuferschutz bis 100 Euro, verspricht also, dem Käufer das Geld zurückzuerstatten oder Ersatz zu liefern, falls die bestellte Ware nicht ankommt oder Fehler hat. Der TÜV Süd habe als einziger Anbieter im Test den Onlineshop der Tester auch auf die Sicherheit hin untersucht. So habe die Prüforganisation etwa verlangt, dass die Verschlüsselung der Datenübertragung verbessert wurde, bevor sie ihre Plakette verliehen habe.

Aber auch der TÜV habe nicht alle Mängel entdeckt, so die Stiftung Warentest. Viele verbraucherunfreundliche Regelungen in den Geschäftsbedingungen und der Datenschutzerklärung seien bei allen Anbietern durchgegangen. Auch betonen die Tester, dass keiner der Siegelbetreiber die Qualität der verkauften Produkte untersuche.

Um im Internet sicher einzukaufen, rät die Stiftung Warentest, die Daten eines unbekannten Onlinehändlers gründlich zu überprüfen. Nutzer sollten einen Blick in das Impressum, in die Geschäftsbedingungen und die Widerrufsbelehrung werfen. Prangt ein vermeintliches Gütesiegel auf der Seite, sollten sich Käufer dieses genauer ansehen. Wenn sie auf das Siegel klicken, sollten sie auf die Internetseite der Organisation gelangen, die das Siegel vergibt. Wenn nicht, können sie den Namen des Siegels auch in eine Suchmaschine eingeben und so zum Anbieter finden. Auf dessen Internetseite können sie nach dem Namen des Onlineshops suchen und so herausfinden, ob das Portal zertifiziert wurde.

Bei der Wahl der Zahlungsart sollten Onlinekäufer darauf achten, dass sie die Zahlung stornieren können, wenn keine Ware ankommt. Das geht etwa bei Zahlung per Lastschrift oder auf Rechnung. Wer per Vorkasse zahlt, riskiert, dass das Geld weg ist, wenn die Lieferung ausbleibt.

Die Stiftung Warentest hatte sich mit ihrem Testshop bei zwei weiteren Siegeln beworben, dem EHI-Siegel, vergeben vom Kölner EHI Retail Institute, und dem Käufersiegel, das der Händlerbund verleiht. Beide lehnten die Vergabe ihres Siegels ab, da der Shop laut Stiftung Warentest zu sehr von den Prüfkriterien abwich.

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