Stiftung Warentest mahnt: Drittanbieter zocken Handynutzer ab

Stiftung Warentest mahnt : Dubiose Drittanbieter zocken Handynutzer ab

Wer eine falsche oder zu hohe Mobilfunkrechnung bekommt, kann sich dagegen wehren, erklärt die Stiftung Warentest.

Zehntausenden Mobilfunkkunden wurden falsche oder zu hohe Rechnungen ausgestellt. Davon berichtet die Stiftung Warentest in der aktuellen Ausgabe ihres Magazins Finanztest. Kunden der Mobilfunkanbieter Mobilcom-Debitel, Vodafone und Klarmobil sollten dem Bericht zufolge für Sonderdienste zahlen, die sie nicht in Anspruch genommen hätten.

Nach Angaben der Stiftung Warentest haben die betroffenen Mobilfunkfirmen drei Monate lang falsche Rechnungen verschickt. Die Kunden sollten zahlen, obwohl sie nicht einmal wussten, welche Dienste ihnen da in Rechnung gestellt wurden. Nachdem sich die Stiftung Warentest eingeschaltet hat, haben Vodafone-Kunden inzwischen das Geld wiederbekommen, so die Tester. Auch Kunden von Klarmobil und Mobilcom-Debitel sollen Gutschriften erhalten, haben die beiden Firmen gegenüber Stiftung Warentest bestätigt.

Mobilfunkfirmen buchen über die Handyrechnung Geld für Dienste und Produkte anderer Anbieter ab, darunter Musik, Videos oder Handyspiele. Dagegen sei nichts einzuwenden, solange die Kunden die Einkäufe bewusst getätigt hätten. Seriöse Firmen verlangen laut Stiftung Warentest eine ausdrück­liche Bestätigung der Bestellung, beispiels­weise durch Anklicken eines klar beschrifteten Button. Darauf stehe dann „zahlungsspflichtig bestellen“ oder Ähnliches. Oft werde Kunden aber einfach ein Kauf oder ein Abo unterge­schoben, wenn sie irgendwie mit dem Drittanbieter in Berührung gekommen sind, weil sie beispiels­weise ein Werbebanner angeklickt haben.

In den Rechnungen der in diesem Fall betroffenen Kunden sei fälschlicherweise der Zahlungsdienstleister Infin angegeben worden, so die Bundesnetzagentur. Denn das Unternehmen mit Sitz in Ruhpolding habe die Dienste nicht in Rechnung gestellt. Allerdings weiß die Bundesnetzagentur laut Aussage der Stiftung Warentest seit 10. Juni von der Sache. Trotzdem habe die Behörde nicht geprüft, ob Kunden die Leistungen bestellt haben. Die Behörde stützt sich nur auf eine Auskunft von Vodafone.

Nach Angaben von Mobilcom-Debitel handelt es sich bei dem tatsächlichen Anbieter um die Firma Texted. Abrechnungsdienstleister dieses Drittanbieters sei die Firma Mocopay. Sie gehöre zur Schweizer Unter­nehmens­gruppe NTH, die in vielen Ländern für Mobilfunkfirmen Leistungen von Drittanbietern abrechne. Für den Mobilfunkkunden seien diese Strukturen kaum zu durchschauen. Wie die Stiftung Warentest erklärt, verdienen Abrechnungsdienstleister und Drittanbieter an dem Geschäft mit solchen Abofallen ebenso wie die Mobilfunkanbieter selbst.

Mehr als 1300 Beschwerden sind bei Stiftung Warentest über Drittanbieter und Abrechnungsdienstleister eingegangen. In den meisten Schreiben werden die Firmen Richberg Media, Pink Mobile, Brandii Media sowie Mocopay und Texted genannt. Ein Nutzer hat der Stiftung Warentest berichtet, eine E-Mail an die in der Rechnung genannte Adresse geschickt zu haben. Eine Antwort hat er von einer gänzlich anderen E-Mail-Adresse erhalten. Darin stand, er müsse 4,99 Euro bezahlen, da der Dienst einwand­frei akti­viert worden sei. In der Mail fand sich jedoch weder ein Firmen­name noch eine Postanschrift. Was den Testern ebenfalls merkwürdig vorkommt: Texted tauche auf der internen Vodafone-Sperrliste unseriöser Drittanbieter auf. Das schütze Kunden aber nicht vor dieser Firma.

Da es sich wie in dem genannten Beispiel oft nur um niedrige Beträge handele, lassen viele Kunden die Sache auf sich beruhen, so die Stiftung Warentest. Genau darauf scheinen sich dubiose Drittanbieter zu verlassen, mutmaßen die Tester.

Eine Kundin habe ihr Geld nach energischem Protest bei Klarmobil zurückbekommen. Dieses Glück habe ein anderer erst gehabt, als sich die Stiftung Warentest einschaltete. Rund 60 Euro seien dem Mobilcom-Debitel-Kunden erstattet worden. Auch andere Kunden haben dank der Tester ihr Geld wiederbekommen.

Sowohl Stiftung Warentest als auch die Bundesnetzagentur konnten von den Anbietern keine Gesamtzahl der Kundenbeschwerden erhalten. Doch die Behörde habe inzwischen mit genaueren Nach­forschungen begonnen, obwohl sie sich zunächst mit einer beschwichtigenden Auskunft von Vodafone zufriedengegeben hätte, so die Stiftung Warentest. Die Beschwerden kommen bei der Netzagentur meist nicht an, sagen die Tester, weil kaum ein Mobilfunkkunde wisse, dass er sich bei der staatlichen Aufsicht beschweren könne. Ein Hinweis auf der Handyrechnung auf diese Beschwerdemöglichkeit wäre sehr nützlich – damit betrogenen Kunden endlich geholfen werde, fordert die Stiftung Warentest.

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