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Sternensuche mit dem Heim-PC

Mit der Rechenleistung ihres Computers können Laienforscher unter anderem dabei helfen, Sterne zu entdecken. Foto: Nasa
Mit der Rechenleistung ihres Computers können Laienforscher unter anderem dabei helfen, Sterne zu entdecken. Foto: Nasa FOTO: Nasa
Berlin. Wer einen Blick auf die Systembelastung seines PCs wirft, stellt fest: Die längste Zeit hat der Prozessor nichts zu tun. Das lässt sich ändern. Auf Online-Plattformen können Nutzer ihren PC in den Dienst der Wissenschaft stellen – von mathematischer Forschung bis zur Suche nach Außerirdischen. dpa-MitarbeiterTill Simon Nagel

Mit dem Computer Mails schreiben, surfen, Videospiele zocken - das machen die meisten. Aber nach Funksignalen Außerirdischer suchen, Proteine für die Medizinforschung analysieren oder nach Gravitationswellen von Neutronensternen suchen? Ganz ohne Zweifel sind mit solchen Themen viel weniger Computernutzer beschäftigt. Dabei ist es ganz einfach seinen Rechner zeitweise in den Dienst der Wissenschaft zu stellen - als Teil eines weltumspannenden Netzwerks.

Distributed computing (DC), zu Deutsch verteiltes Rechnen, nennt man das Verfahren. Große Mengen an Forschungsdaten werden in viele kleine Häppchen aufgeteilt. Klein genug, um von Heimcomputern der Projektteilnehmer nach interessanten Signalen durchsucht zu werden, erklärt Andreas Stiller vom Fachmagazin "c't". Statt einen teuren Supercomputer zu nutzen, vernetzt das Projekt über die an der US-Universität Berkeley entwickelte Boinc-Software unzählige kleine Rechner und nutzt deren kombinierte Rechenleistung.

So wie beim Forschungsprojekt Einstein@Home des Max-Planck-Instituts für Gravitationsphysik, das bereits seit 2005 läuft. Neben der Suche nach außerirdischem Leben im All über Seti@Home ist es eines der bekanntesten Forschungsprojekte. "Unser Hauptinteresse ist die Suche nach einer bestimmten Art von Gravitationswellen ", erklärt Software-Ingenieur Heinz-Bernd Eggenstein. Diese Gravitationswellen konnten bislang nicht nachgewiesen werden, sind aber Teil von Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie. Ihr Nachweis wäre eine wissenschaftliche Sensation.

Andere Projekte im Boinc-Katalog sind deutlich praxisorientierter. Etwa die Erdbebenmessung des "Quake Catcher Networks", Projekte zur Medikamentenforschung (Rosetta@Home), die Erforschung von Prozessen der Evolution im Lattice Project.

Rund 50 000 aktive Teilnehmer helfen den Forschern bei der Suche danach und lassen Datenpakete von ihren Computern analysieren. Einige von ihnen sind Akademiker, manche Physiker, viele interessieren sich einfach für Astronomie und spenden deswegen ihre Rechenkapazität für die Forschung , erklärt Eggenstein. Für wichtige Hinweise gibt es ein Zertifikat, fließen die Analysen eines Datenpakets in die Forschung ein, wird der Teilnehmer namentlich erwählt. So kann jeder seinen Beitrag zur Grundlagenforschung leisten.

Vom Android-Smartphone über Tablets bis zum PC ist jedes Gerät zur Datenanalyse geeignet. "Man braucht nicht den Superrechner", sagt Eggenstein. Nutzer können selbst entscheiden, wie ihr PC mit den Daten umgeht: Ob er nur analysiert, wenn man den Rechner nicht nutzt, ob das Boinc-Programm immer läuft, wie viel Prozessorleistung genutzt wird. Einziger Kostenpunkt sei der nicht unbeträchtliche Energieverbrauch, erklärt Stiller. Dauerhaft online müsse der PC aber nicht sein.

Boinc ist nicht die einzige Plattform für verteiltes Rechnen. Weitere Infos über Projekte gibt es auf den deutschsprachigen Webseiten www.rechenkraft.net oder www.science-at-home.de . Einige Projekte locken für die Teilnahme auch mit Entlohnung.

boinc.berkeley.edu

rechenkraft.net

science-at-home.de