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Spielregeln fürs Teilen

Spielregeln fürs Teilen

In Zeiten des Internets, das keine Landesgrenzen kennt, wirkt nationales Urheberrecht überholt. Ein Paradebeispiel dafür war der lange Lizenzgebührenstreit für Musikvideos zwischen Youtube und der Gema in Deutschland. Einen Gegenentwurf verspricht die Organisation Creative Commons.

"Dieses Video ist in Ihrem Land nicht verfügbar. Das tut uns leid." Diesen Satz mussten deutsche Besucher der Videoplattform Youtube in der Vergangenheit häufig lesen. Hintergrund war der jahrelange Streit um Rechte und Lizenzgebühren, den Youtube und die Musikrechteverwertungsgesellschaft Gema geführt hatten.

Darüber können Künstler, die Creative Commons (CC) nutzen, nur lächeln. Ihre Werke wurden nie von Sperren bedroht, da sie keine Gema-Mitglieder sind. Creative Commons , was so viel wie schöpferisches Gemeingut bedeutet, ist eine gemeinnützige Organisation, die seit 2001 einfache Lizenzverträge für Urheberrechte anbietet. Fotografen, Musiker und Filmemacher sollen so auf einfache Weise ihre Werke schützen und gleichzeitig jedem Interessierten zugänglich machen können.

Baukasten für Lizenzen

Im Internet gibt es beispielsweise zahlreiche Fotos, die unter einer CC-Lizenz stehen. Nutzer dürfen sie für ihre Zwecke verwenden, wenn sie bestimmte Bedingungen einhalten. Welche Bedingungen das sind, kann ganz unterschiedlich sein und ist durch ein Kürzel am jeweiligen Foto genau festgelegt. "CC funktioniert nach dem Baukastenprinzip. Es gibt vier Bausteine, aus denen sich sechs verschiedene Lizenzierungsverträge zusammenstellen lassen", erklärt David Pachali vom Urheberrechtsportal "iRights.info".

Am Anfang einer jeden Lizenz steht immer das Kürzel CC, um anzuzeigen, dass es sich um eine Creative-Commons-Lizenz handelt. Auch das Kürzel BY ist Bestandteil fast jedes Lizenzpakets. Es steht für die Namensnennung des Urhebers. Will jemand ein Foto verwenden, das unter einer CC-Lizenz steht, sollte grundsätzlich der Name des Urhebers und der Titel des Werks genannt werden, falls er vorhanden ist. Außerdem sollte immer die entsprechende Lizenz angebeben und verlinkt werden.

Das Kürzel NC steht für "non-commercial". Der Autor legt damit fest, dass er keine kommerzielle Nutzung seiner Arbeit wünscht. Für eine nicht-kommerzielle Nutzung ist sein Werk damit aber freigegeben, ohne dass eine Erlaubnis eingeholt werden muss. Wer dann doch damit Geld verdienen will, muss das vorher zwingend beim Autoren anfragen.

Wenn der Autor keine weitere Bearbeitung seines Werks wünscht, greift er auf die Regelung "no derivatives" (ND) zurück. Sein Werk darf dann nur so verwendet werden, wie er es freigegeben hat. Das schließt nicht aus, dass man nur einen Teil nutzt, etwa einen Musikstück-Ausschnitt. Dieser darf aber nicht verändert werden.

Der Baustein SA steht für "share alike". Damit erlaubt der Autor die Bearbeitung seines Werks, aber unter der Bedingung, dass das resultierende neue Werk unter denselben CC-Bedingungen geteilt wird. Aus diesen Bausteinen lassen sich verschiedene Lizenzen erstellen. Bei CC-BY muss etwa nur der Urheber, der Name des Werks und die Lizenz angegeben werden. Bei CC-BY-ND muss das Werk zusätzlich unverändert bleiben. CC-BY-NC setzt eine nicht-kommerzielle Nutzung voraus. Und CC-BY-NC-ND vereint die beiden vorher genannten Lizenzen. Bestehen Urheber darauf, dass ihre Werke unter der gleichen Lizenz weiterverwendet werden, wählen sie CC-BY-SA, bei CC-BY-NC-SA kommt noch der Passus zur nicht-kommerziellen Nutzung hinzu.

"Dass die CC-Lizenzen auch in Deutschland Gültigkeit besitzen, haben mehrere Gerichtsurteile bestätigt", erklärt Pachali. Auf der Internetseite de.creativecommons.org gibt es Informationen zu CC, inklusive einer Suchmaschine und einem Lizenzgenerator für Creative-Commons-Inhalte.

de.creativecommons.org