So wird das Haus schlau

So wird das Haus schlau

Nach dem Smartphone kommt das Smart Home. Der Begriff steht für das (fast) vollkommen digitalisierte Eigenheim, in dem viele Geräte ans Internet angeschlossen sind. Bisher war diese Technik oft teuer. Nun zeigt ein Online-Kurs, wie es mit Material aus dem Elektromarkt auch preiswerter geht.

Das Haus der Zukunft wird schlau sein. Zumindest wenn schlau bedeutet, dass die Haushaltsgegenstände auf ihre Umwelt reagieren können: Das Garagentor öffnet sich bei der Ankunft des Fahrzeugs automatisch, die Lampe richtet ihre Strahlkraft nach den Lichtverhältnissen, der Thermostat nach der Anzahl der Personen, die sich im Raum befinden. Diese Technik wird unter dem Begriff Smart Home zusammengefasst.

Eine bis anderthalb Millionen Haushalte sollen Ende des Jahrzehnts nach einer Marktprognose des Prüfungs- und Beratungsunternehmens Deloitte als Smart Homes ausgestattet sein, berichtet der Branchenverband Bitkom. Gegenwärtig sind Smart-Home-Elemente in Deutschland allerdings noch nicht sehr verbreitet. Laut dem Statistikportal statista.de nutzen nur fünf Prozent der Befragten Anwendungen wie automatisierte Lichtsteuerung, Fernsteuerung von Thermostaten oder intelligente Wärmeregulierung. Das Interesse an diesen technischen Möglichkeiten ist aber deutlich höher. Ein Drittel würde dafür Geld ausgeben, gar die Hälfte würde sie nutzen, wenn sie kostenlos wären.

Allen, denen die Preisfrage ein wichtiger Punkt ist, bietet sich eine kostengünstige Alternative zu teuren Hightech-Produkten: Auch wenn das auf den ersten Blick absurd erscheint, ist mit dem richtigen Wissen für Heimwerker hier einiges möglich. Wer so etwas hinbekommen kann? "Ein Bastler, der keine Angst hat, etwas zusammenzustecken und auch zu löten, und der auch vor Programmierung nicht zurückschreckt", sagt Matthias Bauer vom Potsdamer Hasso-Plattner-Institut . Gemeinsam mit zwei anderen Dozenten bietet Bauer einen Online-Kurs an, bei dem sich Heimwerker das notwendige technische Knowhow aneignen können (open.hpi.de/courses/smarthome2016#4).

In dem Kurs, der gerade freigeschaltet wurde, werden zunächst die Hardware-Komponenten vorgestellt, die zur Installation eines Smart-Home-Systems Marke Eigenbau benötigt werden: Ein auf das Nötigste reduzierter sogenannter Einplatinencomputer namens Raspberry Pi, dazu LEDs, Sensoren und Displays. Diese Elemente wurden von den Kursleitern in Kooperation mit einem Online-Shop auch als Set zusammengestellt.

Dann ist die Software-Seite dran. Nach einer Einführung in die Programmiersprache Python, mit der der Code geschrieben wird, werden die einzelnen Schritte zum Aufbau des Programmcodes für Smart-Home-Anwendungen erarbeitet. "Wir nähern uns auf ganz grundsätzlicher Ebene an und denken dann über größere Lösungen nach", erklärt Bauer das Konzept des Online-Kurses.

Die Programmierversuche der Teilnehmer werden von den HPI-Experten kostenlos geprüft. Wer in der Kürze der Zeit die erforderlichen Hardware-Komponenten nicht zusammenbekommt oder zunächst nichts investieren möchte, kann mit seinem selbstgeschriebene Code über die Plattform des Instituts ein bereits vorgefertigtes System steuern. Die Videos zum Zusammenbau der Hardware sind ebenso wie alle anderen Videos auch nach Kursende unbeschränkt verfügbar.

Doch warum eigentlich Smart Homes? Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat ein paar mögliche Vorteile dieser Technik zusammengetragen. Neben mehr Bequemlichkeit und Komfort könnte sie Nutzern auch mehr Energieeffizienz und Sicherheit bringen. So könnten Bewegungsmelder im Haus zum Stromsparen beitragen. Und Hausbesitzer könnten gewarnt werden, wenn der Herd oder die Kaffeemaschine beim Verlassen des Hauses noch eingeschaltet ist.

Dieses Mehr an Kontrolle hat allerdings auch seine Schattenseiten. "Sicherheit ist nach meinem Dafürhalten gleichzeitig auch das größte Risiko des Ganzen", sagt HPI-Experte Bauer. "Wenn man etwa sein Türschloss mit einer Smartphone-App öffnet, könnte ein Hacker, der das Handy angreift, sich damit auch Zugang zum Haus verschaffen." Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen warnt zudem vor Datenschutzproblemen. Unbefugte könnten die Geräte ausspionieren und aus den Daten Informationen über die Alltagsgewohnheiten und den Tagesablauf der Bewohner erhalten. Aus diesem Grund empfiehlt die Verbraucherzentrale Nutzern, Smart-Home-Systeme nicht ans Internet anzubinden, sondern es bei einem internen Informationsfluss zu belassen.

open.hpi.de/courses/

smarthome2016#4

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