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Franzosen sind gute Liebhaber?
So verstärkt das Internet die Vorurteile vieler Menschen

Trinkfest und ein wenig exzentrisch – So malen sich viele Deutsche die Engländer aus. In Verbindung mit den Inselbewohnern ist dann auch „komisch“ hierzulande das meistgesuchte Wort auf Google.
Trinkfest und ein wenig exzentrisch – So malen sich viele Deutsche die Engländer aus. In Verbindung mit den Inselbewohnern ist dann auch „komisch“ hierzulande das meistgesuchte Wort auf Google. FOTO: dpa / Andy Rain
Berlin. Besonders weit verbreitete Klischees zu vielen Ländern zeigen sich schon bei einer einfachen Anfrage bei einer Internet-Suchmaschine. Von Marc Sepeur

„Schwaben sind geizig“, „Blondinen sind dumm“ und „Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose“. Jeder hat sie, aber niemand will es zugeben: Vorurteile. Um zu erfahren, was die Deutschen über die Einwohner einer bestimmten Nation denken, genügt heute eine Suchanfrage auf Google. Wer etwa „Chinesen sind“ in eine Suchmaschine eintippt, dem unterbreitet zum Beispiel Google Vorschläge, wie dieser Satz zu ergänzen wäre. Diese Vorschläge lassen Rückschlüsse auf verbreitete Klischees zu.


Das Marktforschungsunternehmen Wintotal.de hat diese Vorschläge ausgewertet, um eine Liste mit den gängigsten Vorurteilen zu 26 verschiedenen Nationen zusammenzustellen. Die Ergebnisse haben sie in „positive“, „neutrale“ und „negative Google-Vorschläge“ unterteilt. So gelten etwa Dänen bei Google als „die glücklichsten Europäer“, Chinesen als „schlau“, Türken als „stark“ und Franzosen als „gute Liebhaber“. Demgegenüber sollen Deutsche „unzufrieden“, Italiener „Machos“, Amerikaner „prüde“, Schweden „arrogant“ und Engländer „komisch“ sein.

Googles Suchvorschläge wurden aber offenbar auch von Zitaten und Schlagzeilen beeinflusst. Das zeigt sich zum Beispiel bei den Iren, die nach einem Zitat von Sigmund Freud als „unzulänglich für Psychoanalyse“ gelten. Ebenso wird unterstellt, die Ungarn seien „enttäuscht über die Zurückhaltung der EU“, die Griechen hingegen „Opfer falscher Entwicklungspolitik“.



Wie aber kommt Google eigentlich zu diesen Vorschlägen? Zunächst einmal nutzt der Internet-Riese die Funktion „Autosuggest“. Dahinter verbirgt sich ein kompliziertes Programm. Sobald ein Nutzer einen Suchbegriff, beispielsweise „Haus“, eingibt, betrachtet die Suchmaschine sämtliche Webseiten zu diesem Thema. Anschließend werden die Seiten, in denen Google das Schlüsselwort „Haus“ gefunden hat, nach Relevanz und Inhalt sortiert. Webseiten, in denen das Schlüsselwort häufig vorkommt oder gar Teil des Namens ist, werden als besonders wichtig eingestuft und entsprechend höher gelistet.

Die meisten Unternehmen nutzen daher Suchmaschinenoptimierung (SEO). Der Begriff beschreibt Möglichkeiten, mit denen Webseiten dahingehend optimiert werden können, dass sie bei Google zuerst angezeigt werden. Viele Betreiber machen davon Gebrauch, um mehr Besucher auf ihre Seiten zu locken. Das erklärt, warum einige der Vorschläge bei Google von Schlagzeilen beeinflusst sind.

Daneben spielt auch das Verhalten der Nutzer eine Rolle. Je mehr Menschen von einem Vorurteil gehört haben, desto mehr suchen auch im Internet danach. Was häufig gesucht wird, erscheint dann in den Suchvorschlägen. So entwickeln sich verbreitete Vorurteile im Internet schnell zum Selbstläufer.