1. Leben
  2. Internet

Preisexplosion: So treiben Online-Zimmervermittler die Mieten in die Höhe

Preisexplosion : So treiben Online-Zimmervermittler die Mieten in die Höhe

Forscher der Universität Wien untersuchen die Auswirkungen der Internet-Plattform Airbnb auf den Wohnungsmarkt der Hauptstadt Österreichs.

(byl) In der Theorie ist es eine tolle Idee. Wer in der Ferienzeit sein Urlaubsbudget entlasten will oder zu Hause eine ungenutzte Übernachtungsmöglichkeit hat, vermietet sie per Internet. Online-Portale machen es einfach. Fast sieben Millionen Internetnutzer in Deutschland haben schon Wohnraum auf spezialisierten Online-Plattformen angeboten, berichtet der Digitalverband Bitkom. Vor allem bei 30- bis 49-Jährigen sei das Thema angesagt.

Doch die Praxis sieht anders als, als es die Protagonisten dieser Form des Tourismus schildern, schreiben Forscher des Fachbereichs Finanzwissenschaft und Infrastrukturpolitik der TU Wien. Sie haben in der österreichischen Hauptstadt Angebote des Portals Airbnb unter die Lupe genommen. Der Name leitet sich von „Airbed and Breakfast“ (Luftmatratze und Frühstück) ab. Mit der nostalgischen Idee vom Rucksack-Touristen, der auf Kennenlerntour die Welt bereist, habe das Thema nichts mehr gemein, schreiben die österreichischen Forscher. In Wien gebe es viele Großanbieter, die mehrere Wohnungen gleichzeitig anbieten. Da sie als dauerhafte Ferienunterkünfte genutzt würden, fehlten sie auf dem Wohnungsmarkt. Das führe zu steigenden Mieten.

Wie in vielen anderen Städten sei das Airbnb-Angebot in Wien rasch gewachsen. In nur drei Jahren habe es sich versechsfacht. 8650 Wohnungen würden derzeit angeboten. Damit sei dieses Angebot zum wichtigen wirtschaftlichen Faktor geworden. Die Bruttoeinnahmen von 80 Millionen Euro machten bereits ein Zehntel der Übernachtungskosten der Stadt aus. „Mit dem ursprünglichen Gedanken der kurzfristigen Vermietung der Wohnzimmercouch oder eines gerade leer stehenden Zimmers hat Airbnb nicht mehr viel zu tun“, sagt der Wiener Wissenschaftler Roman Seidl. Die Analyse zeige, dass Airbnb in Wien vielfach gewerblich orientiert sei. 17 Prozent der Vermieter, die mehr als eine Unterkunft anbieten, vereinten 38 Prozent der Offerten auf sich. Und das Fünftel der Anbieter mit den höchsten Einkommen kassiere zwei Drittel der Gesamteinnahmen. Einzelne Top-Anbieter kämen auf ein Einkommen von 60 000 Euro. „Nach unseren Berechnungen werden dem Wohnungsmarkt in Wien 2000 Wohnungen durch Airbnb dauerhaft entzogen“, sagt Roman Seidl.