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Spielzeuge als Abhöranlage
Stille Spione im Kinderzimmer

Wenn Kinder mit vernetzten Spielsachen reden, ist nicht klar, wer letztlich mithören kann.
Wenn Kinder mit vernetzten Spielsachen reden, ist nicht klar, wer letztlich mithören kann. FOTO: ulza/ Fotolia
Bonn. Viele Spielzeuge sind heute ständig mit dem Internet verbunden. Sie können den Nachwuchs unbemerkt abhören. Von Carolin Woirgardt

Welches Kind hat sich nicht schon einmal gewünscht, mit der Lieblingspuppe oder dem Teddy­bär zu sprechen. Viele „Smart Toys“, also „intelligente“ Spielsachen, können genau das. Über eine integrierte Internetverbindung suchen sie beispielsweise Antworten auf Fragen des Kindes. Als Abhörgerät oder Sprachrohr missbraucht seien Smart Toys jedoch sehr gefährlich, warnen Stiftung Warentest und die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.


Der „i-Que Intelligent Robot“ ist so ein Spielzeugroboter, der mit seinem Besitzer reden kann. Ihn und sechs weitere Smart Toys hat Stiftung Warentest einer gründlichen Überprüfung unterzogen – mit erschreckenden Ergebnissen. Vier der Spielzeuge wurden mit „kritisch“ bewertet, mit „sehr kritisch“ die restlichen drei. Als unkritisch galt keines der Spielzeuge.

Der i-Que verbindet sich über Bluetooth mit einer App auf dem Smartphone, die wiederum stellt Kontakt mit dem Internet her. Wer die App hat, hat die Kontrolle. Und das könne jeder sein, der sich mit einem bluetooth-fähigen Gerät in Reichweite des Roboters befinde, denn die Verbindung sei nicht geschützt, so die Warentester. Bei solchen Geräten könnten Fremde uneingeschränkt „auf das Spielzeug zugreifen, das Kind belauschen oder sogar mit ihm kommunizieren“, sagt die Verbraucherzentrale. „Ob die Bluetooth-Verbindung oder andere Funkschnittstellen ausreichend gesichert sind, können Eltern beim Kauf des Spielzeugs nicht erkennen.“



Die „Hello Barbie“, das erste sprechende Spielzeug unter den beliebten Puppen, brachte Hersteller Mattel in den USA bereits 2015 auf den Markt. Sie schnitt bei dem Test „kritisch“ ab. Ausgestattet mit einer Spracherkennungssoftware reagiert sie auf die Gespräche ihrer Besitzer, nimmt sie auf und speichert sie. Eltern hätten so die Möglichkeit, alles, was ihr Kind seiner Puppe anvertraue, abzuhören – damit verletzten sie die Privatsphäre des Nachwuchses, so die Meinung der Experten.

Für massive Kritik sorgte im vergangenen Jahr auch die Puppe „My friend Cayla“. In ihr vereinten sich fragwürdige Funktionen – Bluetooth-Verbindung zur Smartphone-App sowie die Spracherkennungssoftware – und damit auch die Sicherheitsrisiken. Der Jurist Stefan Hessel veröffentlichte damals ein Gutachten, in dem er die Sicherheitsmängel der Puppe offenlegte und darauf hinwies, dass sie sogar gegen das Gesetz verstoße.

Denn das Telekommunikationsgesetz verbietet, „Sendeanlagen zu besitzen und zu vertreiben, die ihrer Form nach einen anderen Gegenstand vortäuschen“. Wenn die Kette von Cayla leuchte, sei das Mikrofon eingeschaltet, erklärt Hessel. Die Smartphone-App biete allerdings die Möglichkeit, dieses Leuchten auszuschalten, obwohl das Mikrofon weiter aufnehme. Dadurch handele es sich bei Cayla um eine Sendeanlage, mit der heimlich Gespräche abgehört werden könnten. Nach Veröffentlichung des Gutachtens wurde die Bundesnetzagentur aktiv und nahm die Puppe vom Markt.

Smart Toys wie Hello Barbie und andere Elektronikgeräte können aber nicht nur von Fremden, sondern auch von den Eltern des Kindes zur Überwachung missbraucht werden. Auch dazu hat die Bundesnetzagentur Nachforschungen angestellt. Vor allem Smartwatches machten es Eltern leicht, ihre Kinder zu überwachen, so das Fazit. Die Uhren, ausgestattet mit einer SIM-Karte, könnten per GPS geortet werden, über eine App würden dann die Bewegungen des Kindes aufgezeichnet.

Mithilfe der App bestehe zudem die Möglichkeit, die Smartwatch eine beliebige Nummer anrufen zu lassen und dadurch das Umfeld des Trägers abzuhören. Die Recherche der Bundesnetzagentur ergab, dass Eltern solche Uhren häufig dazu nutzten, Lehrer ihrer Kinder im Unterricht abzuhören.

Aber nicht jedes intelligente Spielzeug birgt Gefahren für die Sicherheit. Für Eltern hat die Verbraucherzentrale einige Tipps, die helfen sollen, unbedenkliche Spielsachen zu erkennen. So sollten Eltern darauf achten, ob das integrierte Mikrofon und die Internetverbindung des Spielzeugs dauerhaft eingeschaltet sind, außerdem wie und wo die vom Hersteller gesammelten Daten gespeichert werden. Smart Toys, die Daten und Aufnahmen lokal verarbeiten, sollten von Eltern beim Kauf bevorzugt werden, so die Verbraucherschützer. Würden Daten extern gespeichert, hätten unbefugte Dritte womöglich leichten Zugang und könnten dieses Wissen etwa für die Erstellung detaillierter Persönlichkeitsprofile der Kinder missbrauchen. Im Zweifelsfall rät die Verbraucherzentrale, auf den Kauf eines Smart Toys zu verzichten.