Digitale Begleiter : Diese Handys eignen sich als Helfer für Senioren

Smartphones können älteren Menschen den Alltag erleichtern. Doch nicht jedes Handy ist seniorentauglich. Die Stiftung Warentest hat einige Geräte untersucht.

Größere Tasten, eine größere Schrift und ein Verstärker, der auch Hörgeschädigten das Telefonieren ermöglicht: So sehen viele Handys aus, die älteren Menschen den Alltag erleichtern und ihnen im Notfall helfen sollen. In vielen dieser Geräte ist eine sogenannte Notruffunktion integriert. Wird diese im Ernstfall aktiviert, ruft das Handy alle eingespeicherten Notfallnummern an und hört erst dann damit auf, bis einer der Angerufenen abgehoben hat. Dass die elektronischen Helfer in der Tat eine Bereicherung sind, zeigt eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom. So sind sich 50 Prozent der Älteren in Deutschland einig, dass Mobilgeräte das Leben erleichtern.

Mittlerweile wird zwischen einfachen Seniorenhandys und speziellen Smartphones unterschieden. Während sich erstere auf wesentliche Funktionen wie das Telefonieren sowie SMS-Schreiben und -Lesen beschränken, bieten letztere einiges mehr. So können Verbraucher zum Beispiel im Internet surfen, E-Mails versenden und Kurznachrichtendienste beziehungsweise soziale Netzwerke, wie Whatsapp oder Facebook installieren. Doch auch gewöhnliche Smartphones lassen sich kurzerhand zu einem Seniorenhandy umfunktionieren. Mit sogenannten Launcher-Apps soll die vorinstallierte Nutzeroberfläche des Mobilgeräts durch eine vereinfachte Version ersetzt werden.

Was taugen die Handys und die Launcher-Apps wirklich? Das hat die Stiftung Warentest in einem Test ermittelt. Dabei wurden 13 einfache, zwei spezielle Seniorenhandys und vier Launcher-Apps getestet. Bei der Untersuchung der Mobilgeräte haben die Experten unter anderem die Telefonfunktion, sprich Sprachqualität sowie die Notruffunktion unter die Lupe genommen. Auch die Handhabung, Stabilität und Akkulaufzeit samt Ladedauer wurden berücksichtigt.

Bei den Senioren-Smartphones bewerteten die Tester zusätzlich die Internet- und GPS-Qualität sowie die Vielseitigkeit der Erweiterungen. Darüber hinaus mussten die Geräte auch einen Praxistest mit neun älteren Menschen durchlaufen. Die Testpersonen hatten unter anderem Probleme mit dem Sehen, dem Hören und der Feinmotorik.

Bei den einfachen Seniorenhandys hat das Panasonic KX-TU329 die Experten am meisten überzeugen können. Das Klapphandy erreichte die Gesamtnote Gut (2,1), was es seinen Telefonfunktionen, der einfachen Handhabung und sehr guten Akkuleistung zu verdanken hat. Zum Punkt „Stabilität“ äußern sich die Tester jedoch kritisch. Das Gehäuse sei kratzempfindlich und etwas klapprig. Auch bei der Notruffunktion ist bei diesem Modell Vorsicht geboten: So werde die Notrufkette unterbrochen, wenn sich der Anrufbeantworter eines Notfallkontakts meldet und der Anruf damit als angenommen betrachtet wird.

Wie es richtig geht, zeigt das Seniorenhandy Doro PhoneEasy 613: Wird der Anruf hier nicht durch eine bestimmte Taste bestätigt, wählt das Mobilgerät einfach die nächste Nummer. Zwar schneidet das Klapphandy auch in der Disziplin „Handhabung“ und „Stabilität" besser ab als der Testsieger. Mit einer Gesamtnote von 2,2 liegt es aber trotzdem auf dem zweiten Platz. Schuld daran sind unter anderem der leistungsschwache Akku und die fehlende Taschenlampe. Beide Seniorenhandys sind laut Stiftung Warentest sowohl für Menschen mit Seh- und Motorikschwäche als auch für Hörgeschädigte geeignet. So besitzen sie ein gutes Display mit großer Schrift und gut bedienbaren Tasten. Außerdem sei die Tonqualität gut, was für Klingeltöne und Telefongespräche nützlich ist.

Damit heben sie sich im Test von den anderen Handys ab: Viele Geräte erfüllten nicht alle Funktionen gleichermaßen und eignen sich somit nicht für Menschen, die sowohl an Sehschwäche und Schwerhörigkeit als auch an motorischen Störungen leiden. Auch der Klappmechanismus der beiden Mobilgeräte wird als vorteilhaft bewertet: Wer mit dem Handy telefonieren möchte, müsse das Gerät lediglich aufklappen. Außerdem diene dieser Mechanismus gleichzeitig als Tastensperre.

Eine Alternative bietet das Primo 366. Es punktet im Bereich „Stabilität“ und „Akku“. Die Prüfer bemängeln jedoch die Notruffunktion, die „in der Anleitung nicht gut erklärt“ wird. Mit einer Gesamtnote von 2,5 liegt das Seniorenhandy trotzdem im akzeptablen Bereich.

Wesentlich teurer, aber dafür mit mehr Funktionen ausgestattet sind die Senioren-Smartphones, von denen die Experten zwei Exemplare getestet haben. Als Testsieger erweist sich hier das Doro Liberto 825. Das Gerät erreicht eine Gesamtnote von 2,4 und punktet insbesondere bei der Internet- und GPS-Nutzung. Laut den Testern soll das Gerät auch für Online-Anwendungen, die ein besonders großes Datenvolumen benötigen, geeignet sein. Auch das stabile Gehäuse konnte im Falltest überzeugen. Zu bemängeln sei allerdings die komplizierte Gebrauchsanleitung, die schwierige Handhabung für Menschen mit Sehschwäche und die Notruffunktion, die durch den Anrufbeantworter gestört werden kann.

Den zweiten Platz belegt das Emporia Smart mit der Note 3,0, das die Tester insbesondere für seine seniorenfreundliche Handhabung und die mitgelieferten Extras lobten. So enthält das Gerät zum Beispiel einen alternativen Batteriefachaufsatz, mit dem sich eine Art Klapptastatur mit Nummerntasten an das Smartphone anbringen lässt. Diese soll das Wählen von Telefonnummern erleichtern und kann bei Bedarf über den Touch-screen geklappt werden. Bei motorischen Probleme soll der mitgelieferte Eingabestift die Bildschirmeingabe erleichtern. Zudem besitzt das Emporia eine Taste für die Taschenlampe. Große Defizite zeige das Smartphone allerdings im Bereich „Stabilität“: Während alle anderen Seniorenhandys mehr als hundert Stürze überlebten, sei das Emporia bereits nach 50 Stürzen kaputt gewesen.

Auch spezielle Programme, sogenannte Launcher-Apps, die die Nutzeroberfläche von herkömmlichen Smartphones durch eine seniorentaugliche Version ersetzen sollen, wurden im Test untersucht. Laut den Testern hat jedoch keine einzige überzeugen können. So bietet die App „Asina Launcher“ zwar einen vereinfachten Startbildschirm mit großen Symbolen und angepasste Apps für E-Mail und Internet, diese funktionierten jedoch nicht immer fehlerfrei. Darüber hinaus sammelten die Apps Nutzerdaten und verschickten diese an den Anbieter und an Dritte. Nach einem kostenlosen Probemonat würden pro Jahr außerdem 99 Euro fällig. Weitere Apps wie „Big Launcher“, „Large Launcher“ und „Necta Launcher“ fielen unter anderem durch eine komplizierte Einrichtung, schlechte Übersetzungen, uneinheitliche Nutzeroberflächen und ein kritisches Datensendeverhalten negativ auf.

Eine gute Alternative zu den Apps ist laut Stiftung Warentest der „einfache Modus“ der Samsung-Smartphones. Dabei handelt es sich nicht um eine Launcher-App, sondern um eine eigene Funktion des Herstellers, die im Einstellungsmenü aktiviert werden kann. Dieser soll älteren Nutzern unter anderem eine übersichtliche Startseite mit großen Symbolen, eine einfache SMS-Notruffunktion und größere Schriften bieten.