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| 10:19 Uhr

Internet
Senioren bleiben außen vor

In Kursen können Senioren die Grundlagen der Internetnutzung erlernen und ihr Selbstvertrauen im Umgang mit dem Netz verbessern.
In Kursen können Senioren die Grundlagen der Internetnutzung erlernen und ihr Selbstvertrauen im Umgang mit dem Netz verbessern. FOTO: Katja Sponholz / dpa
Berlin. Rund 20 Millionen ältere Menschen in Deutschland haben Probleme im Umgang mit dem Internet, warnt ein Informatik-Professor der Uni Bremen. Herbert Kubicek fordert eine bundesweite Tablet-Aktion. Von Nina Scheid

Die meisten jungen Menschen nutzen das Internet in ihrem Alltag ganz selbstverständlich. Bei den Älteren sieht das anders aus: 20 Millionen Senioren in Deutschland verpassen die Chancen der Digitalisierung. Zu diesem Ergebnis kommt Herbert Kubicek, ein Informatikprofessor aus Bremen, der sich bereits seit 20 Jahren mit der Frage beschäftigt, wie ältere Menschen den Weg ins Internet finden können.

Demnach gebe es sowohl zehn Millionen Menschen über 70 Jahre, die das Internet noch nie genutzt haben, und dazu mindestens zehn Millionen gelegentliche Minimalnutzer. Besonders besorgt sieht Kubicek die Entwicklung in der jüngsten Vergangenheit: Seit 2001 habe sich die sogenannte Alterslücke, also der Abstand zwischen den Nutzerzahlen der Jungen und Alten, nicht verringert. Das zeige, dass die bisherigen Maßnahmen, Senioren an das Internet heranzuführen, nicht erfolgreich sind. „Es wird bereits viel für die digitale Bildung von Schülern getan. Die Senioren dürfen dabei aber nicht vergessen werden“, so Kubicek. Er sieht die Politik in der Verantwortung, auch die Älteren stärker in die digitale Bildung miteinzubeziehen.

Gemeinsam mit Barbara Lippa hat er im Buch „Nutzung und Nutzen des Internets im Alter“ eine Art Masterplan entwickelt, um Senioren an das Internet heranzuführen. Die Autoren schlagen vor, 30 000 Seniorentreffs sowie 3000 Seniorenheime mit jeweils zehn Tablet-PCs auszustatten und die Teilnehmer für drei Monate aktiv im Umgang mit diesen zu unterstützen. So könne, rechnen Kubicek und Lippa vor, in drei Jahren die zehnfache Anzahl Senioren mit dem Internet vertraut gemacht werden. Unerlässlich sei dabei jedoch eine umfangreiche Betreuung, so dass die Älteren sich auch nach der Testphase zutrauen würden, das Internet weiterhin zu nutzen.

Ein ähnliches Projekt hat Kubicek bereits im kleineren Rahmen geleitet. Gemeinsam mit der Stiftung Digitale Chancen aus Berlin hat er 400 Senioren ab 70 Jahren für acht Wochen mit Tablet-PCs ausgestattet und sie bei der Nutzung unterstützt. Zu Beginn wurden die Teilnehmer nach ihren Erwartungen gefragt. Viele erwarteten, dass das Internet ihnen Wege erspare, beispielsweise indem sie Einkäufe online erledigten. Nach der achtwöchigen Testphase hatte jedoch weniger als ein Viertel der Senioren tatsächlich im Internet eingekauft.

In Gesprächen mit den Teilnehmern hat sich herausgestellt, dass die Senioren bei Anwendungen im Internet, die etwas mehr an technischer Bedienung erfordern, schlicht unsicher sind, ob sie mit eventuell auftretenden Problemen umgehen könnten. Beim Online-Shopping müssten sie sich registrieren, ein Passwort vergeben – und sich dieses auch langfristig merken – sowie persönliche Daten angeben. Sollte ein Problem auftreten, beispielsweise die falsche Ware geliefert werden, trauten sie sich nicht zu, damit umzugehen.

Die Kosten für eine bundesweite Tablet-Aktion, wie sie Kubicek und Lippa vorschlagen, werden auf 50 Millionen Euro geschätzt. „Wenn Milliarden für die Schulen versprochen werden, dann sollte der Bundesregierung auch dieser Zweck diese Investition wert sein“, so Kubicek. Er erinnert daran, dass sich das Problem in Zukunft noch verschärfen werde, da es immer mehr Senioren gibt. Außerdem verändere sich die Technik häufig so schnell, dass viele den Anschluss verlieren könnten. Aus diesem Grund sei es auch wünschenswert, älteren Menschen eine regelmäßige Unterstützung im Umgang mit dem Internet anzubieten, anstatt sie nur auf die vielen Internet-Kurse zu verweisen.