Schlichtung gibt es auch bei Online-Verträgen

Saarbrücken · Nicht jeder Online-Einkauf oder Vertrag, der über das Internet geschlossen wird, läuft problemlos ab. Wer einen teuren Rechtsstreit vermeiden will, kann zur Einigung einen Online-Schlichter einschalten.

Die Espressomaschine, die man im Netz ersteigert hat, hat ein Leck, der teure blaue Wintermantel ist nicht blau, sondern leicht lila, und der neue Fön gibt nach einer Woche seinen Geist auf. Immer wieder kommt es vor, dass Kunden , die im Internet einen Artikel gekauft haben, unzufrieden sind.

Reagiert ein Online-Händler in solch einem Fall nicht auf die Beschwerden des Kunden , kann ein Anwalt versuchen, das Problem über den Rechtsweg zu lösen. Doch das kostet nicht nur Zeit, sondern unter Umständen auch Geld. Die Alternative ist eine Schlichtung. Selbst wenn man dabei unterliegt, bleibt das Verfahren zur Streitbeilegung kostenfrei. "Der Online-Schlichter" (erreichbar unter online-schlichter.de) hat sich auf solche Fälle spezialisiert.

Das Projekt wurde im Jahr 2009 vom Zentrum für Europäischen Verbraucherschutz ins Leben gerufen. Der Online-Schlichter befasst sich grundsätzlich mit allen Verträgen, die über das Internet abgeschlossen werden, egal ob es sich nun um Warenkäufe oder um Dienstleistungen handelt. Der Prozess läuft wie bei anderen Schlichtern ab: Beide Parteien bekommen zunächst die Möglichkeit, sich zur Sachlage zu äußern. Dann versucht der Online-Schlichter, eine Lösung zu finden, wobei er sich auf die Rechtslage und bestehende Urteile bezieht.

Wie beim Einkauf selbst kann der Fall komplett online bearbeitet werden. Es sind damit also keine festen Termine zwischen den beiden Parteien und dem Schlichter nötig. Per Online-Formular werden alle notwendigen Informationen abgefragt, auch Fotos und Videos können auf der Plattform hochgeladen werden. Voraussetzung ist, dass einer der beiden Beteiligten (Kunde oder Händler ) aus Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Hessen oder Rheinland-Pfalz kommt, da der Online-Schlichter bisher nur von diesen Ländern finanziert wird. Die Bundesregierung plant jedoch, dass der Online-Schlichter bald bundesweit zum Einsatz kommen kann. Im Streitfall mit einem Anbieter, der Wirtschaftspartner des EU-Projekts ist, hilft der Online-Schlichter allerdings auch heute schon allen Kunden . Zu diesen Partnern gehören zum Beispiel Shops, die das europäische Internet-Gütesiegel "Trusted Shops" tragen.

Die Schlichtungsstelle ist meist erfolgreich. Im vergangenen Jahr wurden 70 Prozent der gemeldeten 1142 Fälle mit einer gütlichen Einigung abgeschlossen. "Im Durchschnitt dauert es sechs bis sieben Wochen, bis ein Fall vollständig geklärt ist", erklärt Andrea Klinder von "Der Online-Schlichter". Manchmal lasse sich ein Problem aber auch schon innerhalb von 24 Stunden lösen. Die meisten Beschwerden gebe es beim Kauf von Elektronik oder Bekleidung, so Klinder.

online-schlichter.de

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