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Werbefilter für Chrome
Scheuklappen für den Google-Browser

Der Chrome-Browser von Google ist mit einem Marktanteil von rund 60 Prozent der am meisten genutzte Internetbrowser der Welt. Ab heute soll ein neuer Werbeblocker aktiviert werden.
Der Chrome-Browser von Google ist mit einem Marktanteil von rund 60 Prozent der am meisten genutzte Internetbrowser der Welt. Ab heute soll ein neuer Werbeblocker aktiviert werden. FOTO: A9999 Google / dpa
Mountain View. Das Internet-Programm Chrome hat ab heute einen eingebauten Filter, der Werbung blockieren soll. Von Nina Scheid (SZ) und Jenny Tobien (dpa)

Im vergangenen Jahr waren weltweit 615 Millionen sogenannte Adblocker in Internet-Browsern installiert. Das geht aus dem „Adblock Report“ von Pagefair hervor. Das Unternehmen entwickelt Software gegen diese Programme. Die Software, die Verbrauchern Surfen ohne eingeblendete Anzeigen ermöglicht, bedeute für die Werbebranche oft herbe Verluste.



Ausgerechnet Google, ein Unternehmen, das jährlich Milliarden Dollar an Werbegeldern einspielt, erweitert seinen Chrome-Browser am heutigen Donnerstag nun um einen Werbefilter. Der Konzern erkärte, man verfolge mit dieser Strategie eine längerfristige Strategie, nämlich die Nutzer daran zu hindern, Adblocker zu installieren und Werbung so komplett auszublenden. Der Chrome-Werbefilter soll nur die Anzeigen rausfiltern, von denen die Branchenvereinigung glaubt, die Verbraucher empfänden sie als störend. Dazu zählten etwa die sogenannten Pop-Ups sowie selbstabspielende Videos.

Welche Werbung als akzeptabel und welche als störend gilt, entscheiden die „Initial Better Ads Standards“-Regeln der Branchenvereinigung Coalition for Better Ads (CFBA). Zu dem Zusammenschluss zählen neben Google unter anderem auch Microsoft, die Washington Post und der Axel-Springer-Verlag. Um herauszufinden, welche Online-Werbung Internetnutzer sowohl am Computer als auch auf dem Smartphone als besonders lästig empfinden, führte die CFBA eine Befragung unter 25 000 Teilnehmern aus Amerika und Europa durch. Heraus kamen zwölf Kategorien, unter anderem Pop-Up-Anzeigen, selbstsabspielende Videos, Werbeeinblendungen, die große Teile oder sogar den kompletten Bildschirm einnehmen und solche, die sich erst nach Ablauf einer gewissen Zeit wegklicken lassen.



Nach der Befragung hat Google im letzten Jahr rund 100 000 Webseiten auf solche Anzeigen untersucht, wie das Fachmagazin Heise online berichtet. Rund 1000 Internetseiten seien dem Unternehmen dabei so stark aufgefallen, dass sie von Google ermahnt worden seien, diese Werbung komplett zu unterbinden.

Webseiten, deren Anbieter dieser Aufforderung nicht nachgekommen sind, sollen ab heute im Chrome-Browser ohne Werbung angezeigt werden. Wie das Unternehmen in seinem Entwicklerblog mitteilte, gelte die Maßnahme in diesem Fall nicht nur für diejenigen Anzeigen, die als störend eingestuft und innerhalb von 30 Tagen nicht gelöscht wurden, sondern für jegliche Werbung auf dieser Webseite. Betreiber, die die Beanstandungen behoben hätten, könnten eine erneute Überprüfung beantragen, um die Werbung wieder freischalten zu lassen. Bislang seien 42 Prozent dieser Webseitenbetreiber der Aufforderung von Google nachgekommen.

Besucht ein Nutzer eine Internetseite, auf der störenden Anzeigen blockiert wurden, werde ihm ein Hinweis dazu angezeigt. Er könne aber auch einstellen, dass er gefilterte Werbung trotzdem sehen möchte und die neue Funktion somit umgehen.

Google hofft, mit dem Werbefilter für Chrome das Surfen im Internet angenehmer zu gestalten. Kritiker fürchten hingegen, dass das Unternehmen so seine ohnehin schon mächtige Stellung im Werbegeschäft weiter ausbaut: Der Konzern betreibt einen milliardenschweren Anzeigenmarkt im Internet und Chrome ist mit einem Marktanteil von 60 Prozent der meistgenutzte Browser weltweit.

Im letzten Jahr kritisierte der deutsche Bundesverband Digitale Wirtschaft (BDVW), selbst Gründungsmitglied der CFBA, das Grundkonzept von Googles Werbefilter. Zusammen mit der Organisation Werbungtreibende im Markenverband (OWM) erklärte der Verband außerdem, es sei zusätzlich ein europäisches Gremium nötig, welches die Qualitätsstandards von Werbeanzeigen in Europa festlege.