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Post von Betrügern
Bei dieser Masche ist Misstrauen angebracht

Bei dubiosen E-Mails, in denen um finanzielle Hilfe gebeten wird, ist Vorsicht geboten, mahnen Sicherheitsforscher. 
Bei dubiosen E-Mails, in denen um finanzielle Hilfe gebeten wird, ist Vorsicht geboten, mahnen Sicherheitsforscher.  FOTO: dpa-tmn / Andrea Warnecke
Bonn. Sie bitten um Hilfe oder bieten tolle Jobs an. Mit sogenannten Scam-Mails versuchen Internet-Betrüger immer wieder an das Geld gutgläubiger Menschen zu gelangen. Von Stephanie Schwarz

(SZ/dpa) Es gibt plötzlich Probleme mit dem Konto beim Online-Bezahldienst Paypal, die der Nutzer nur beheben kann, wenn er seine Kontonummer rausrückt. Dann kommt plötzlich ein lukratives Jobangebot mit einem tollen Gehalt. Und dann ist da noch Tanja, die ihn wahnsinnig interessant findet und unbedingt kennen lernen möchte. Was sich so vielversprechend anhört, ist in Wirklichkeit nicht mehr als eine Masche von Kriminellen.


Tausende solcher Betrüger-Mails landen täglich im elektronischen Postfach von Internetnutzern. Sie folgen immer dem gleichen Schema: Die vermeintlich vertrauenswürdigen Absender versprechen entweder gutbezahlte Jobs oder bitten um Spenden für einen kranken Verwandten. Dem Ideenreichtum und der Variantenvielfalt sind bei sogenannten Scam-Mails keine Grenzen gesetzt.

Wie kreativ diese Nachrichten sein können, zeigt ein Fall, der sich Anfang dieses Jahres ereignet hat. „Wir sind eine Hacker-Gruppe, die virtuelle Geldbörsen für Kryptowährungen hackt“, steht in einer Nachricht, die im Januar an einige Besitzer der virtuellen Währung Bitcoin ging. Der Absender bietet dem Empfänger an, ihn von einem totalen Verlust seines Bitcoin-Vermögens zu verschonen – gegen einen kleinen Obolus natürlich. 0,03 Bitcoins waren im konkreten Fall als Lösegeld gefragt. Das entsprach zu Beginn des Jahres etwa 380 Euro.Gezahlt hat der Betroffene nicht. Stattdessen hat er ein Foto der Drohung an die Informationsplattform „Watchlist Internet“ gesendet, die Fälle von Online-Betrug sammelt und öffentlich macht. Fast täglich werden Nutzer dort anhand konkreter Beispiele vor Betrugsmaschen per Mail gewarnt.



Internetnutzer, die Spam- und Scam-Mails, erhalten, müssen immer Vorsicht walten lassen. Denn sie enthalten oft Schadsoftware und Links, die auf gefälschte Online-Shops oder Webseiten führen. Ziel der Betrüger ist es dabei, private Nutzerdaten abzugreifen, warnt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Daher gelte: nie auf einen Link klicken und keine Dateien in einer E-Mail herunterladen.

Auch wer per Mail eine Stellenanzeige erhält, die einen gut bezahlten Job  verspricht, ohne darauf einzugehen, worum es sich bei der Tätigkeit überhaupt handelt, muss skeptisch sein, sagt Matthias Gärtner vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI): „Oft sind das Kriminelle, die jemanden brauchen, der das Geld für sie wäscht.“

Die Taktik dahinter ist einfach erklärt: Der Absender sucht einen unwissenden Helfer, der für ihn Geld auf ein anonymes Konto überweist. Er erklärt das etwa mit der Ausrede, er werde in seinem Land politisch verfolgt und brauche Hilfe. Der Helfer soll dann unter seinem eigenen Namen ein Konto eröffnen auf das der Betrüger eine bestimmte Summe überweist, die der Helfer, dann häppchenweise auf andere Konten weiter überweisen soll. Und so werde der nichtsahnende Internetnutzer zum Geldwäscher, erklärt Gärtner. Als Belohnung für die Transaktionen erhalte er dann eine Provision. „Das Geld kommt aber aus einer unerlaubten Überweisung“, sagt er weiter. Etwa von gehackten Online-Banking-Konten oder gestohlenen Kreditkarten.

Fliegt die Sache auf, habe der Helfer als das letzte nachvollziehbare Glied der Transaktionskette  ein Problem und müsse mit „strafrechtlichen Konsequenzen rechnen“, sagt Hans-Joachim Henschel von der Präventionsstelle Cybercrime des Landeskriminalamtes Niedersachsen.

Solche Maschen gibt es in verschiedenen Varianten, zum Beispiel mit gefälschten Job- oder Immobilienangeboten, bei denen die Empfänger in Vorkasse gehen sollen. Und auch auf Datingportalen tummeln sich immer häufiger Schwindler: „Die gedatete Person braucht dann dringend Geld, um einen ärztlichen Notfall oder die Behandlung eines Kindes zu bezahlen“, erklärt Henschel. Die Polizei berichtet von Gesamtschäden im zweistelligen Millionenbereich, sagt Harald Schmidt, Geschäftsführer der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes.

Aber warum fallen immer wieder Menschen auf solche Maschen herein? Menschen ließen sich leicht manipulieren, sagt Medienpsychologin Astrid Carolus von der Universität Würzburg: „Menschen sind soziale Wesen. Sie haben das Bedürfnis, Anderen zu helfen und eine Neigung, Anderen zu vertrauen.“ Auf Texte, die unser Mitleid erregen oder unsere Gier weckten, reagierten wir eher implusiv als analytisch.

Dabei gäbe es genug Anzeichen den Betrug zu erkennen: „Wenn es zu gut klingt, um wahr zu sein, ist es meistens nicht gut oder nicht wahr“, sagt Matthias Gärtner vom BSI. Falls die eigene Bank der Absender sein sollte, reicht ein Anruf um den Inhalt der Mail zu überprüfen. „Auf die Mail antworten sollte man jedoch nie“, mahnt Gärtner. Denn dann gelinge es den Betrüger vielleicht doch noch, den Nutzer um den Finger zu wickeln.