Saarländer legen bei der Internetnutzung zu, wie der Rest der Republik

Rund 50 Stunden die Woche im Netz : Saarländer sind immer länger online

Die Deutschen verbringen immer mehr Zeit im Netz. Auch die Saarländer haben im Vergleich zum Vorjahr zugelegt.

Das Internet gehört für die Deutschen zum Alltag. Der Bundesbürger verbringt pro Woche durchschnittlich knapp 50 Stunden im Netz, davon rund zweieinhalb Stunden für den Beruf. 2018 betrug der Bundesdurchschnitt knapp 46 Stunden. Die Jüngeren schaffen es in einer Woche sogar auf mehr als 60 Stunden und nutzen die meiste Zeit ihr Smartphone. Das hat die Postbank in ihrer Digitalstudie 2019 herausgefunden.

Im Vergleich der Bundesländer sind die Berliner in diesem Jahr mit mehr als 60 Stunden am häufigsten online. Die wenigste Zeit verbringt 2019 Schleswig-Holstein im Internet mit weniger als 40 Stunden pro Woche. Das nördlichste Bundesland ist damit eines der wenigen, in denen die Internetnutzung zurückgegangen ist. Etwas weniger als 2018 waren die Menschen dieses Jahr auch in Bremen, Hessen, Bayern und Rheinland-Pfalz online. 2019 landen Saar-Nutzer mit rund 50 Stunden genau im deutschen Durchschnitt, aber auch sie haben zugelegt. Ein Jahr zuvor waren es noch gut sechs Stunden weniger.

Laut der Studie verwenden etwa drei Viertel der Deutschen ihr Smartphone, um damit im Netz zu surfen. In der Generation der 18- bis 39-Jährigen seien es sogar 91 Prozent. Kurz danach kommt der Laptop mit 72 Prozent und danach der PC mit 58 Prozent. Mobile Geräte wie intelligente Sprachassistenten oder Computeruhren gewinnen dagegen nur langsam an Bedeutung. Als eigenes Gerät nutze aktuell etwa jeder zehnte Deutsche einen digitalen Sprachassistenten. Auch bei jüngeren Nutzern seien smarte Lautsprecher wie Amazon Echo oder Google Home nicht sehr verbreitet. Die Sprachassistenten werden bevorzugt als App auf dem Smartphone oder Tablet-Computer genutzt.

Die Postbank hat bei ihrer Umfrage ebenfalls festgestellt, dass etwas mehr als drei Viertel der Deutschen mit ihrer Internetnutzung zufrieden sind, sprich sie wollen weder mehr noch weniger Zeit im Netz verbringen. Doch die jüngere Generation wolle weniger Zeit im Internet verbringen. Damit sei größtenteils gemeint, dass sie die sozialen Medien weniger nutzen wollen. Mehr als drei Viertel der Deutschen Internetnutzer sehen sich als gutes Vorbild gegenüber ihren Kindern. Wenn sie sich als schlechtes Vorbild sehen, dann vor allem, weil sie mobile Geräte mehr nutzen, als sie es aus ihrer Sicht sollten.

Das Internet hat auch die Einkaufgewohnheiten der Menschen verändert. Mehr als ein Viertel aller Einkäufe werde mittlerweile online, meistens mit dem Notebook, getätigt, hält die Postbank-Untersuchung fest. Die jüngeren Nutzer erledigen mehr als jeden dritten Einkauf online, vorzugsweise per Smartphone. Bücher, CDs, DVDs und Computerspiele stehen mit 67 Prozent ganz oben auf der digitalen Einkaufsliste. Zwei Drittel der deutschen Kunden kaufen diese Produkte eher im Internet als im Laden. Es sei bequemer, günstiger und man sei unabhängig von Öffnungszeiten, sagen die Teilnehmer. Amazon ist bei den Deutschen mit knapp 90 Prozent das beliebteste Onlinekaufhaus. An zweiter Stelle folgt das Internetauktionshaus Ebay.

Foto: SZ/Müller, Astrid

Mit dem Einkauf im Internet habe sich für rund 40 Prozent der Deutschen auch der Bezug zum Geld verändert, konstatiert die Postbank. Mehr als jeder Dritte lasse sich häufig zu ungeplanten und nicht notwendigen Spontankäufen verleiten. Besonders bei Jüngeren habe sich das Konsumverhalten verändert. Der Umwelt zuliebe wollen die meisten ihre Onlinekäufe zwar nicht einschränken. Doch fast jeder Zweite möchte nur noch Produkte bestellen, die er wahrscheinlich nicht zurückschicken muss. Zudem werde vermehrt darauf geachtet, dass die Produkte gesammelt und in einer Lieferung zugestellt werden.

Jeder dritte Bundesbürger zahle inzwischen mit dem Smartphone, so das Ergebnis der Umfrage. Bei den jüngeren Nutzern verwenden bereits 40 Prozent diese Bezahlmethode. Knapp jeder zweite Bundesbürger verweigere sich dem jedoch. Skeptische Nutzer sehen vor allem das Risiko, dass die Karte oder das Handy gestohlen werden könnte. Diese Sicherheitsbedenken seien besonders bei der jüngeren Generation verbreitet, obwohl diese Altersgruppe diese Zahlungsmethode deutlich häufiger einsetze. Auch wollen die Deutschen noch nicht ganz auf Bargeld verzichten. Nur etwa jeder vierte Bundesbürger würde es begrüßen, wenn es kein Bargeld mehr gäbe.

Neben dem Online-Banking bieten viele Banken inzwischen auch Dienste fürs Smartphone an. Allerdings sei die Nachfrage nach solchen Angeboten nicht sehr hoch, erklärt die Postbank. Die Möglichkeit, eine Echtzeit-Überweisung vornehmen zu können, zähle für deutsche Bankkunden zu den attraktivsten solcher Zusatzdienste (60 Prozent). Eine sprachgesteuerte Überweisung lehnen dagegen mehr als drei Viertel ab. Allerdings gebe es deutliche Unterschiede zwischen den Generationen. Für unter 40-Jährige seien digitale Zusatzdienste ihrer Bank wesentlich interessanter als für die Älteren.

Überweisungen werden nicht ausschließlich am heimischen PC getätigt. Mindestens jeder dritte Deutsche zahle per Smartphone oder Tablet-Computer in der Öffentlichkeit, so die Digitalstudie. Bei den Jüngeren sei es sogar mehr als jeder Zweite.

Datensicherheit werde von den Deutschen dennoch relativ ernst genommen, so die Postbank-Erhebung. 80 Prozent der Bundesbürger geben für eine Online-Anwendung nur solche Daten frei, die zwingend erforderlich sind. Etwa jeder Zehnte nutze solche Online-Anwendungen gar nicht erst. Trotzdem gehe bei der Vielzahl der verwendeten Applikationen häufig der Überblick verloren. Ein Drittel der Nutzer weiß nicht, bei welchen Anbietern er Daten freigegeben hat. Besonders ausgeprägt sei diese Sorglosigkeit bei den jüngeren Nutzern.

Bei vielen Onlinediensten und Anwendungen ist es zudem erforderlich, dass der Nutzer den Datenschutzbestimmungen zustimmt. Auch hier sind die Deutschen relativ gewissenhaft. 85 Prozent lesen diese Bestimmungen zumindest teilweise, bevor sie ihnen zustimmen. Es seien eher die Jüngeren, die darauf verzichten.

Was mit den von ihnen freigegebenen Daten geschehe, sei den Deutschen aber nicht völlig egal. Jeder vierte Bundesbürger hat seit Einführung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) im Mai 2018 schon einmal sein Recht wahrgenommen, bei einem Anbieter nachzufragen, welche personenbezogenen Daten zu welchem Zweck verwendet werden. Auch die Verwendung der Daten für Werbezwecke ist den Deutschen bewusst. Neun von zehn Bundesbürgern bemerken beim Surfen zumindest manchmal Einblendungen personalisierter Werbung.

Das Vertrauen in die verschiedenen Anbieter und Institutionen in Bezug auf den Umgang mit persönlichen Daten sei sehr unterschiedlich, so die Postbank. Das größte Vertrauen bringen die Deutschen Ärzten und Kliniken, aber auch Krankenkassen und Banken entgegen. Bei Onlinediensten wie Suchmaschinen und sozialen Netzwerken falle dieses Vertrauen dagegen vergleichsweise gering aus.

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