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Programme für das Smartphone sollen künftig bei der Arbeitssuche helfen

Bewerber-Apps : Mit dem Handy zum neuen Traumjob

Programme für das Smartphone sollen künftig bei der Arbeitssuche helfen. Die greifen auf Methoden von Dating-Apps wie Tinder zurück.

Das Smartphone ist aus vielen Bereichen des täglichen Lebens nicht mehr wegzudenken. Diese Entwicklung soll nun auch für die Suche nach Personal und die Arbeitssuche genutzt werden. Hierzu haben verschiedene Anbieter Smartphone-Anwendungssoftware entwickelt, die entweder dabei helfen sollen, bestehende berufliche Netzwerke zu pflegen oder sich auf Jobangebote zu bewerben.

Linkedin oder Xing zum Beispiel bieten den Nutzern die Möglichkeit, bestehende Geschäftskontakte zu pflegen. Sie gleichen einer Social Media App – nur auf einer förmlicheren Ebene. Eine weitere Funktion dieses Programms ist die Job-Suche. Nutzer können innerhalb dieser Software passende Arbeitsangebote finden und sich direkt über die Anwendung bewerben.

Auch Personalabteilungen von Unternehmen profitieren von Applikationen wie Linkedin oder Xing. Denn hierüber können sie Bewerber suchen und direkt anschreiben. Weltweit hat Linkedin 660 Millionen Mitglieder und ist mit über 200 Millionen besonders in Europa sehr beliebt – alleine 15 Millionen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die App gehört seit 2018 zu Microsoft. Xing ist das deutsche Pendant. Es gehört zum Hamburger Unternehmen New Work SE und hat derzeit 18 Millionen Mitglieder. Die Apps gibt es allerdings nicht nur als reine Smartphone-Applikation. Denn beide Anbieter verfügen über einen eigenen Internetauftritt, in dem sämtliche Funktionen der Programme vorhanden sind.

Für eine Stellensuche ohne Zusatzfunktionen für berufliche Kontakte gibt es Applikationen von Monster oder Indeed. Bei Monster sieht das nach Unternehmensangaben so aus: Das Nutzerprofil kann zum Beispiel mit dem eigenen Facebook-Konto verknüpft und weiter bearbeitet werden. Hier besteht die Möglichkeit, einen Lebenslauf als PDF-Datei hochzuladen. Die Auswahl der angebotenen Stellen orientiert sich an den Wünschen und regionalen Vorlieben des Nutzers. Für die Suche bedient sich Monster einer ähnlichen Methode wie verschiedene Dating-Portale. Durch eine Wischbewegung über das Smartphone-Display nach links werden zum Beispiel Angebote, die nicht von Interesse sind, entfernt. Der Algorithmus merkt sich diese Entscheidung und passt die nachfolgenden Ergebnisse der Suche an. Bei einem Wisch nach rechts bewirbt sich der Nutzer auf die angebotene Stelle. Der Nutzer kann entscheiden, ob er einen Lebenslauf schicken möchte, oder dem Unternehmen nur seine Kontaktinformationen zusenden möchte. Dann liegt es beim Unternehmen, Kontakt zum Interessenten aufzunehmen. Allerdings nutzen einige Unternehmen, deren Anzeigen Monster aufzeigt, ein Bewerbermanagementsystem, was direkte E-Mail-Bewerbungen unmöglich macht. In solchen Fällen, erklärt Monster, werde den Nutzern ein Link zur der Stellenanzeige weitergeleitet. Ab hier erhalten die Nutzer dann mehr Informationen.

Bei der App von Indeed werden dem Nutzer die Job-Angebote in einer Liste angezeigt. Nach Angaben des Unternehmens hilft eine GPS Suche, passende Stellenangebote in der Umgebung zu finden. Nutzer können einen Lebenslauf erstellen und für jede Bewerbung eine persönliche Nachricht schreiben. Eine Bewerbung per Wisch ist in dieser App nicht vorgesehen. Dafür gehört Indeed nach eigenen Angaben mit weltweit rund 250 Millionen Anmeldungen pro Monat zu den erfolgreichsten Job-Börsen. Ähnlich wie bei Monster besteht hier die Möglichkeit, dass Nutzer interessante Job-Angebote speichern können, um sich zu einem späteren Zeitpunkt auf die Arbeitsstelle zu bewerben.

Mit diesen Formen der digitalen Bewerbung müssen auch Unternehmen umdenken, obwohl es vorerst scheint, dass die Bewerbung per App den üblichen Bewerbungsprozess nicht ersetzen wird. Vielmehr erklären Job-Suchende ein erstes Interesse und stellen somit einen ersten Kontakt zum möglichen Arbeitgeber her. Das weitere Vorgehen wird dann von ihm bestimmt.

Eine Studie der Universität Bamberg, die in Zusammenarbeit mit dem Anbieter Monster erstellt wurde, zeigt, dass die Bedeutung der App-Bewerbung sowohl für die Unternehmen als auch für die Nutzer immer wichtiger wird. Firmen sähen sogar die Gefahr für Kandidaten, nicht mehr attraktiv genug zu sein, wenn sie diese Technik nicht anbieten. Für Unternehmen in der Informationstechnologie gelte dies bereits zu 100 Prozent. Bei den sogenannten Top-1000 Unternehmen, also den größten Unternehmen in Deutschland, die mindestens 150 Millionen Euro Umsatz generieren, liegt der Wert laut Studie bei rund 82 Prozent. Doch betont die Anwender-Studie, dass, obwohl die Bedeutung des sogenannten „Mobile Recruiting“ den Unternehmen bekannt sei, die Umsetzung vielfach noch nicht zum unternehmenseigenen Tagesgeschäft gehöre. Das zeige sich auch darin, dass erst rund die Hälfte der in Deutschland angesiedelten IT-Unternehmen eine Bewerbung per App zulassen, während dieser Wert bei den Top-1000 Unternehmen noch bei etwa 29 Prozent liegt.

Wie sich der Arbeitsmarkt und die Bewerbungsformen künftig gestalten werden, ist noch nicht ersichtlich. Einig sind sich laut Bamberger Studie aber sowohl Unternehmen wie auch Kandidaten, dass die Nutzung von Apps für die Bewerbung einen besonderen Stellenwert haben wird.