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Vor- und Nachteile
Wenn das Gespräch plötzlich abbricht

Prepaid-Tarife können Kunden vor hohen Handy-Rechnungen schützen.
Prepaid-Tarife können Kunden vor hohen Handy-Rechnungen schützen. FOTO: dpa-tmn / Monique Wüstenhagen
Düsseldorf/Lübeck. Prepaid-Tarife fürs Smartphone können nützlich sein. Doch sie haben auch ihre Tücken. Von Pauline Sickmann und dpa

Für viele Smartphone-Besitzer haben Prepaid-Tarife echte Vorteile: Böse Überraschungen in Form hoher Handyrechnungen sind ausgeschlossen, da nur aufgeladenes Guthaben verbraucht werden kann. Zudem entfallen monatliche Grundgebühren und Mindestumsätze. „Damit sind Prepaid-Tarife nicht nur für Kinder und Jugendliche eine gute Wahl, sondern auch für preisbewusste Verbraucher, die ihre Kosten im Blick behalten möchten“, sagt Jannik Degner von der Vergleichswebseite ­smartphonepiloten.de.


Doch das Bezahlmodell kann auch Nachteile haben. „Wer sich für einen Prepaid-Tarif entscheidet, muss immer damit rechnen, schlechtergestellt zu sein als Vertragskunden“, sagt Hayo Lücke von der ­Smartphone-Nachrichtenseite ­inside-handy.de. Sogenannte Zero-Rating-Angebote beispielsweise gebe es von Telekom und Vodafon nur für Laufzeitverträge. Bei solchen Angeboten werden bestimmte Dienste wie Musik- oder Videostreaming nicht auf das gebuchte Datenvolumen angerechnet.

Ein weiteres Beispiel ist die oft nur eingeschränkte Rufumleitung. Diese könne oft nicht zu jeder beliebigen Rufnummer, sondern nur als Umleitung auf die Mailbox eingerichtet werden, erklärt Oliver Müller von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Auch auf die Möglichkeit, mehrere SIM-Karten pro Rufnummer zu nutzen, müssten Kunden, die sich gegen einen Vertragstarif entscheiden, oft verzichten. Nur mit mehreren SIM-Karten seien Verbraucher auf verschiedenen Geräten unter derselben Nummer erreichbar.



Zudem ist es bei Prepaid-Tarifen wichtig, vorausschauend zu planen. „Der Verbraucher muss hier selbst im Blick behalten, ob noch ausreichendes Guthaben zu Verfügung steht, sofern keine automatische Aufladung eingerichtet ist“, sagt Müller. Schätze jemand seinen Verbrauch falsch ein oder vergesse, aufzuladen, könnten Telefonverbindungen sogar mitten im Gespräch abbrechen.

Da Kunden mit Aufladungen in Vorleistung treten, stellen viele Anbieter keine monatliche Rechnung aus. „Das kann ein Nachteil sein, falls eine regelmäßige Rechnungsstellung erwünscht ist“, sagt Müller. Gebe ein Anbieter grundsätzlich keine Rechnungen aus, hätten Nutzer in der Regel auch keinen Anspruch auf Einzelverbindungsnachweise. Darüber hinaus würden bei den im Voraus zu zahlenden Tarifen Internet-Flatrates oft nicht monatlich, sondern im 28-Tage-Rhythmus abgerechnet. Auf das gesamte Jahr gerechnet entspreche das nicht zwölf, sondern 13 Zahlungszeiträumen, gibt Hayo Lücke zu bedenken.

Um den passenden Tarif zu finden, ist es vor allem wichtig, den eigenen Bedarf zu kennen. Degner empfiehlt daher, den Verbrauch der vergangenen Monate zu analysieren und auf dieser Grundlage eine Entscheidung zu treffen.

Bei Tarifen, die über viele zusätzlich buchbare Optionen wie Minuten- und Datenpakete oder Flatrates verfügen, lässt sich das Prepaid-Modell besonders gut nutzen. Jeden Monat können die Nutzer flexibel entscheiden, welche Leistung sie gerade benötigen.

Auch wer nur ein Handy besitzt, um im Notfall zu telefonieren oder erreichbar zu sein, sollte sich genau über die Tarifkonditionen informieren. Denn viele Anbieter legen sogenannte Aktivitätszeiträume fest. „Das bedeutet, dass der Verbraucher innerhalb eines bestimmten Zeitraumes, zum Beispiel sechs Monate , das Guthaben mindestens um einen bestimmten Betrag aufladen muss, um die Funktionsfähigkeit aufrechtzuerhalten“, erklärt Müller. Lade der Kunde das Guthaben nicht auf, dann schränke der Anbieter einzelne Funktionen ein oder schalte im schlechtesten Fall die SIM-Karte komplett ab.

Ungenutztes Guthaben dürfe allerdings nicht verfallen, sondern müsse nach der Kündigung in der Regel an den Verbraucher ausgezahlt werden.

Vor der Entscheidung für ein bestimmtes Angebot sollten sich Kunden zudem informieren, ob es sich um einen echten Prepaid-Vertrag handelt, bei dem wirklich nur das aufgeladene Guthaben genutzt wird. Sonst können Anbieter ihren Kunden auch einen Negativ-Saldo berechnen, wenn zum Beispiel eine Verbindung bei aufgebrauchtem Guthaben nicht abgebrochen oder durch den Anbieter erst verzögert abgerechnet wird.

Berücksichtigen sollten Verbraucher in jedem Fall die Netzqualität vor Ort. Degner empfiehlt, Freunde und Bekannte nach ihren Erfahrungen zu fragen sowie Netzabdeckungskarten zu studieren.