Per Umleitung oder übers Internet: So kommt das Festnetz aufs Handy

Per Umleitung oder übers Internet : So kommt das Festnetz aufs Handy

Viele Haushalte sparen sich heute einen festen Telefonanschluss. Dabei bringt das handfeste Vorteile mit sich.

21,95 Euro kostet heute ein herkömmlicher Festnetzanschluss bei der Deutschen Telekom. Doch die Zeiten, in denen ein solcher Anschluss in jedem deutschen Haushalt zur Grundausstattung gehörte, sind vorbei. Nahezu jeder Bundesbürger hat ein Handy, viele Menschen sparen sich die möglichen Zusatzkosten für einen Festnetzanschluss.

Die Bundesnetzagentur verzeichnet in Deutschland derzeit 139 Millionen Mobilfunk-Teilnehmer. Das bedeutet: Auf jeden Einwohner der Bundesrepublik, vom Neugeborenen bis zum Senioren, kommen im Schnitt 1,7 SIM-Karten. Dagegen liegt die Zahl der Festnetzanschlüsse bei rund 39 Millionen, wie aus dem Jahresbericht 2018 der Behörde hervorgeht.

Es gibt gute Gründe, die dafür sprechen, auch im modernen Mobilfunkzeitalter noch einen Festnetzanschluss zu Hause zu haben. Oft ist etwa die Sprachqualität bei einem Festnetztelefon besser, auch hat man dann immer noch eine Möglichkeit zum Telefonieren, wenn der Handy-Akku leer ist. Anrufern ohne Mobilfunk-Flatrate kann man außerdem Mehrkosten ersparen, ohne auf den Komfort verzichten zu müssen, nur noch auf dem Smartphone angerufen zu werden.

Festnetzanrufe auf dem Handy Wie aber landen Festnetzanrufe auf dem Smartphone? Selten geworden sind Tarife, bei denen das Handy daheim laut dem Tarif als Festnetztelefon dient, weiß Alexander Kuch vom Telekommunikationsportal Teltarif.de. „Einen klassischen Tarif mit Homezone, in der man wie mit einem Festnetztelefon Anrufe tätigen und entgegennehmen kann, gibt es nur noch bei Vodafone.“ Einer der Konkurrenten, der Netzanbieter O2 hat seine ab 1998 massiv vermarkteten Homezone-Angebote dagegen längst eingestellt.

Man habe die Dienstleistung erweitert, sagt Jörg Borm, Sprecher des O2-Mutterkonzerns Telefónica. Jeder Kunde bekomme bei Abschluss eines Mobilfunkvertrags automatisch eine lokale Festnetznummer zugewiesen, unter der er bundesweit per Handy erreichbar ist. Auch dann, wenn er sich nicht im Vorwahlbereich oder in der Nähe seines Zuhauses befindet.

Wer den Anruf bei einer Mobilfunknummer scheut, kann den O2-Kunden also zu Festnetzkonditionen erreichen. Abgehende Gespräche des Mobilfunkkunden laufen immer zu Mobilfunkkonditionen.

Diese Variante gibt es häufiger. Wer eine Festnetznummer so nutzen möchte, kann dies etwa auch bei der Deutschen Telekom oder bei den kleineren Anbietern Tarifhaus und Simquadrat teils ohne Mehrkosten tun. Man sei überall unter der Festnetznummer auf dem Handy erreichbar, erklärt Kuch. „Eingehende Anrufe werden als günstige Festnetzanrufe verbucht, ausgehende aber übers Mobilnetz“, so der Mobilfunkexperte.

Voice over IP Eine weitere Möglichkeit ist die Internet-Telefonie, häufig auch Voice over Internet Protocol (VoIP) genannt, also die Nutzung der Internetverbindung zum Telefonieren. Das funktioniert über spezielle Server, die beim Telefon-Anbieter stehen und bei denen sich der Nutzer per Benutzernamen und Passwort registriert. Das telefonieren übers Internet unterstützen viele Router und im Prinzip alle Smartphones, entweder direkt mit der Telefon-Anwendung oder über andere Apps.

„Dann bekommt man vom Anbieter eine Festnetznummer mit Ortsvorwahl zugeteilt und ist fortan immer und überall erreichbar, wenn eine Internetverbindung besteht“, beschreibt Kuch. Einen Unterschied zur klassischen Festnetz-Telefonie, die über eine separate Leitung läuft, bemerkt der Kunde nicht. Da es günstiger und effizienter ist, sind inzwischen fast alle neu geschalteten Telefonanschlüsse im Festnetz VoIP-Anschlüsse, sie laufen also über das Internet.

Mit der „032“ gibt es auch eine reine VoIP-Vorwahl. Doch nach Kuchs Beobachtung hat sie sich ebenso wenig durchgesetzt wie die „0700“, die als lebenslange persönliche Rufnummer konzipiert ist. Die Nummern werden eher von kleineren Anbietern vermarktet und laut Kuch kaum genutzt. „Die meisten Verbraucher wissen, dass das teuer ist und die Anwahl von 0700- und 032-Nummern nicht in Flatrates enthalten ist“, so der Fachmann.

Das Handy als Festnetztelefon Ein Tipp kann aber die klassische Rufumleitung sein. Hat man eine Flatrate für Telefonate aus dem Festnetz auf Mobiltelefone, lassen sich einfach alle Anrufe kostenlos auf das Handy weiterleiten, erklärt ein Telekom-Sprecher.

Und dann gibt es noch die Möglichkeit, das Smartphone nur im heimischen WLAN als Festnetztelefon zu nutzen. Damit das klappt, stellen die meisten Router-Hersteller spezielle Apps bereit.

ARCHIV - Zum Themendienst-Bericht von Sven-Hendrik Hahn vom 14. November 2019: Fast jeder neuere Telefonanschluss läuft übers Internet (VoIP) und damit etwa auch über den Router - aber nicht zwangsläufig. VoIP-Nummern lassen sich auch auf Smartphones registrieren. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++. Foto: dpa-tmn/Andrea Warnecke

Ob daheim die Strahlenbelastung beim Telefonieren übers WLAN geringer ist als übers Mobilfunknetz, ist laut Bundesamt für Strahlenschutz unklar. Die Bedingungen, wie gut der Mobilfunkempfang vor Ort und wie die WLAN-Abdeckung innerhalb des Hauses ist, ließen kaum eine Verallgemeinerung zu. Einen Tipp, die Strahlenbelastung für den Körper in jedem Fall zu senken, gibt es jedoch: Immer ein Headset, eine Freisprecheinrichtung oder die Freisprechfunktion nutzen.

(dpa)