Per Billigflieger ins All

Per Billigflieger ins All

Die Ariane 5 ist Europas zuverlässigster Satellitentransporter. Beim Nachfolgemodell sollen nun die Sicherheitsstandards gesenkt werden. Damit wollen die Raumfahrtplaner die Startkosten drastisch reduzieren.

Kourou. Heiligabend vor 35 Jahren startete erstmals eine Ariane-Rakete mit einem Satelliten ist All. Europa erfüllte sich damit den Traum vom eigenen Zugang zum Weltraum. Auch in kommerzieller Hinsicht waren die Ariane-Raketen ein Erfolg. Sie entwickelten sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten zum weltweit bevorzugten Transporter für Telekommunikationssatelliten. Mit 64 erfolgreichen Starts in Serie ist das jüngste Modell, die Ariane 5 , mittlerweile Marktführer bei Starts kommerzieller Nachrichtensatelliten, die meisten davon aus Asien.

Doch dieser Markt ist hart umkämpft. In den USA ist dem Ariane-Konsortium nun mit SpaceX ein neuer Konkurrent erwachsen. Das Unternehmen geht mit einer aggressiven Preispolitik auf Kundenfang. Starts mit der Falcon-9-Rakete in eine geostationäre Transferbahn (GTO) in rund 36 000 Kilometern Höhe werden zum Dumpingpreis von rund 45 Millionen US-Dollar angeboten. Dort setzt auch die Ariane-Rakete ihre Kommunikationssatelliten ab, die rund um die Uhr Telefonate, Fernsehprogramme und Daten übermitteln. Pro GTO-Satelliten-Transport ist die Ariane 5 derzeit aber ein Fünftel teurer. Und das gilt auch nur für den Fall, dass in der auf besonders schwere Lasten ausgelegten Rakete zwei Satelliten gleichzeitig gestartet werden. Das Konzept der Ariane 5 stammt aus einer Zeit, da Satelliten immer größer und schwerer wurden. Mit einem Start zwei Satelliten ins All zu bringen, erschien damals als eine gute Idee. Doch mittlerweile hat sich der technische Trend ins Gegenteil verkehrt, und das Konzept gilt nun als unflexibel.

Vor gut einem Jahr sorgte ein Vorschlag aus französischen Raumfahrtkreisen für Aufregung, eine neue, kleinere Ariane zu entwickeln, die statt zwei nur einen fünf bis sechs Tonnen schweren Satelliten starten kann. Das sollte mehr Flexibilität bringen. Die Kosten sollten durch den Einsatz von Feststofftriebwerken gesenkt werden. Bei den Zulieferfirmen sorgte das für Unruhe, standen damit doch tausend Arbeitsplätze auf der Kippe.

Die Folge war, dass die Hauptproduzenten der Ariane, Airbus DS und die Safran-Gruppe, eine eigene Studie starteten. Dabei kamen zwei Ariane-6-Versionen heraus, die sowohl die bisherige Ariane 5 als auch das russische Sojus-Modell ersetzen können, das vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou startet, so Pascal Lapeyronnie von Airbus DS. Die Ariane 62 - sie hat zwei Feststoffbooster von je 120 Tonnen Schub - kann Satelliten bis 5,1 Tonnen in einen geostationären Transferorbit bringen. Die Ariane 64 hat vier Feststoffbooster und kann Satelliten bis 10,5 Tonnen starten.

Geplant ist, Ariane-5-Bauelemente wie das Vulcain-2-Haupttriebwerk und die Oberstufe Vinci bei der Ariane 6 zu nutzen. Das Volumen der Ariane-5-Tanks soll dem Treibstoffbedarf jeder Mission angepasst werden, indem die Tanks mal länger, mal kürzer gebaut werden. Durch Einsatz von zwei oder vier Starthilfe-Raketen, die auf Feststoff-Triebwerken der italienisch-französischen Vega-Rakete basieren, lässt sich die Nutzlast steigern. Gespart werden soll schließlich auch. In der Ariane-5-Rakete mehrfach vorhandene Sicherungssysteme sollen eingespart werden. Das würde unterm Strich die Startpreise um 30 Prozent senken.

Die neuen Ariane-6-Varianten sollen ab 2017 die Ariane-5-Raketen und die von Russland zugekauften Sojus-Raketen nach und nach ersetzen. Entwickelt und gebaut werden sie von einem Unternehmen, zu dem sich Airbus DS und die Safran-Gruppe zusammenschließen. Der Esa-Ministerrat genehmigte Entwicklungskosten von knapp sechs Milliarden Euro. Fast ein Viertel soll der deutsche Steuerzahler übernehmen. 400 Millionen Euro will die Industrie beisteuern.

Einen Schönheitsfehler hat Europas Billigflieger allerdings. Im Unterschied zum Vorgängermodell taugt die Ariane 6 wegen der reduzierten Sicherheitsausstattung nicht mehr für bemannte Flüge. Sollte die Esa in Zukunft Pläne für ein bemanntes Raumfahrzeug aufgreifen, müsste sie die passende Trägerrakete in den USA, Russland oder China suchen.

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