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Per App zum perfekten Insta-Foto?

Bildbearbeitung per App : Per App zum perfekten Insta-Foto?

Bildbearbeitungsprogramme werben damit, dass jeder Hobbyfotograf mit wenigen Klicks ein Foto wie ein Profi bearbeiten kann. Wir haben getestet, was von den Versprechen der Softwareanbieter zu halten ist.

Fotos in sozialen Netzwerken wie Instagram werden oft aufwendig mit Programmen wie Adobe Photoshop oder Gimp nachbearbeitet, um möglichst perfekt auszusehen. Für Laien sind sie beinah unerreichbar. Für Photoshop müssen sie tief in die Tasche greifen. Die Bedienung der Programme zu erlernen, das kann Monate dauern. Mal schnell unterwegs ein Bild bearbeiten, geht dann auch nicht, da der Hobbyfotograf einen Computer benötigt. Die SZ-Internetredaktion hat sich die Frage stellt, ob das Problem nicht auch einfacher mit dem Smartphone oder einem Tablet gelöst werden kann. Dazu wurde dasselbe Bild mit vier kostenlosen Apps auf einem Tablet bearbeitet. Immer mit demselben Ziel: Ein Foto, das möglichst Instagram-tauglich ist.

Photoshop Express Das kostenlose Pendant der Adobe Software für Smartphones und Tablets erhöht die Erwartungshaltung des Nutzers schon durch ihren Namen. Mit dem kostenpflichtigen Computerprogramm können Profis viel erreichen. Da darf der Laie hoffen, dass er mit der Smartphone-Version Ähnliches vollbringen kann. In der Beschreibung im Appstore verspricht Adobe, dass der Nutzer „mühelos in einer App“ Fotos bearbeiten, Filter hinzufügen und Collagen erstellen könne. Wer mehr möchte, muss tief in die Tasche greifen und sich die Profi-Version für den Computer oder das iPad kaufen.

Mit einem Klick auf die automatische Bearbeitung schlägt das Programm eine optimierte Version des Fotos vor. Helligkeit, Sättigung, Farbe – wenn die Einstellung dem Fotografen nicht gefällt, kann er detailliert nachjustieren. Der Nutzer kann jederzeit mit einer Schaltfläche das Originalfoto und sein bearbeitetes Bild miteinander vergleichen. Es ist auch möglich, Fotos zu spiegeln.

VSCO Der nächste Testkandidat verspricht im Appstore, dass er ein „kostenloser Fotoeditor“ ist. Es gibt lediglich zehn kostenlose Voreinstellungen. Wer mehr will, muss zahlen. Mit der VSCO Mitgliedschaft, die im Jahresabo 21,99 Euro kostet, stehen laut Entwickler über 200 Filter zur Verfügung.

Bei den wenigen Filtern, die die kostenlose Variante umfasst, ließ sich die Deckkraft einstellen – viel mehr aber auch nicht. Die von der App angezeigten Empfehlungen passten recht gut zum Foto, aber beim zweiten Blick war zu erkennen, dass alle Vorschläge kostenpflichtig waren und somit für einen nicht zahlenden Nutzer unbrauchbar. Daher blieb nur der Griff zu den wenigen kostenlosen Filtern. Das Ergebnis ist ansehnlich – aber nicht zu 100 Prozent überzeugend. Zumal VSCO keine Möglichkeit anbietet, Fotos zu spiegeln oder zu vergrößern.

PicsArt verspricht im Appstore ein Rundumsorglos-Paket zur Foto- und Videobearbeitung auf dem Smartphone. Auch hier wird eine Premiumversion angeboten, die für 36,99 Euro im Jahr mehr Filter, Werbefreiheit und „endlose Kreativität“ zusichert. Die kostenlose Variante weist mehr Filter auf als Konkurrent ­VSCO.

Mit wenigen Klicks konnte das Foto vergrößert werden, doch auch hier fehlt die Möglichkeit, zu spiegeln. Das Bild lässt sich dennoch einigermaßen nach der Drittel-Regel (siehe Info) ausrichten. Automatische Farbkorrekturen gibt es nicht. Wer einen Filter ausgewählt hat, kann aber mit verschiedenen Reglern solange spielen, bis das Fotos gefällt. Ein Pluspunkt für die App ist ein Werkzeug, mit dessen Hilfe der Nutzer Teile des Fotos freistellen kann. Das heißt, er kann den Hintergrund eines Objektes entfernen. Bei der Umsetzung hapert es ein wenig, weil man sehr genau arbeiten muss. Auf einem kleinen Smartphone-Display kann das schnell zur Sisyphusarbeit werden. Im Test fiel das Freistellen auf dem Bildschirm des Tablets schwer. Aber wer Geduld aufbringt, kann belohnt werden.

Snapseed Der letzte Kandidat im Test ist eine Software, die Google 2012 gekauft hat und seitdem weiterentwickelt. Das Programm hat uns am besten gefallen. Es hat gegenüber zwei Konkurrenten einen sehr großen Vorteil. Alles ist gratis. Dennoch verspricht Google im Appstore, dass die Software ein „professioneller Fotoeditor mit umfassenden Funktionen“ sei.

Der Nutzer kann zunächst einen passenden Filter auswählen und dann unter „Feinabstimmung“ im Detail das Foto weiter bearbeiten. Mit einer kleinen Schaltfläche kann er auch immer wieder die bearbeitete Aufnahme mit dem Original vergleichen. Nahezu jedes noch so kleine Detail kann mit Snapseed angepasst werden. Dazu muss der Nutzer auch keine Regler schieben, sondern wischt auf der Aufnahme einfach nach rechts oder links, bis ihm alles gefällt. Das kann die Arbeit erleichtern, denn die Schieberegler so manch anderer Programme lassen sich wegen ihrer Größe mehr schlecht als recht bewegen. Eine interessante Zusatzfunktion ist die sogenannte Doppelbelichtung. Hier kann der Nutzer zwei Fotos zusammenfügen.

Eines haben die drei Testkandidaten gemeinsam. Sie lassen sich mit Daten bezahlen, denn sie verlangen, dass der Nutzer ein Konto anlegt, bevor er überhaupt ein Foto auswählen darf. Dazu ist natürlich eine Internetverbindung notwendig. Sofort loszulegen, ist nicht möglich. Einzig der Testsieger, die App Snapseed von Google, bittet nicht um einen Account und ist dadurch im Vergleich benutzerfreundlicher.