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Online zu den eigenen vier Wänden

Saarbrücken. „Suche Wohnung“ – Zettel mit dieser Aufschrift kleben oft an schwarzen Brettern und Ampelpfosten. Doch immer mehr Menschen suchen im Internet nach einem neuen Zuhause. Diverse Facebook-Gruppen helfen dabei. Elsa Middeke

"Hi, Deine Wohnung sieht cool aus, wann kann ich gucken kommen???" - "Studi-Pärchen sucht ganz dringend ‘ne Wohnung, sind Hunde erlaubt?" - "Brauch sofort ‘ne Bleibe für mich und meine kleine Tochter!" - "Hey, ich such' zwar keine Wohnung, aber mag' Dein Profil, gehst Du mit mir was trinken ?" Kaum sind Text und Fotos in eine Wohnungsbörsen-Gruppe auf Facebook gestellt, platzt das Postfach aus allen Nähten.

Internet als schwarzes Brett



Die Vermittlung von Wohnungen von Privat an Privat findet nicht mehr über Zettel an schwarzen Brettern oder Ampelpfosten statt. Laut einer Erhebung der Umzug AG, die auf Marktanalysen zum Thema Logistik spezialisiert ist, ziehen jährlich rund neun Millionen Deutsche um. Bei einer Umfrage gaben 36 Prozent von 2000 Befragten an, ihre neuen vier Wände in Web-Angeboten gefunden zu haben. 21 Prozent wurden über Verwandte, Freunde oder Kollegen fündig, neun Prozent über Makler.

Web-Angebote sowie Kontakte über Freunde, Verwandte und Kollegen - das verbindet sich auf Facebook . In öffentlichen und geschlossenen regionalen Gruppen suchen Nutzer nach Wohnungen, WG-Zimmern und Nachmietern. Dabei umgehen sie eine teure Nebenwirkung der Wohnungssuche auf dem freien Markt: die Maklerprovision für die Vermittlung einer Wohnung.

Wer auf regulärem Weg eine Wohnung oder ein Haus zur Miete sucht, muss in der Regel auch dann die Courtage von maximal zwei Nettokaltmieten zahlen, wenn nicht er selbst, sondern der künftige Vermieter den Makler beauftragt hat. Besonders in Großstädten wie Berlin, München und Hamburg führt der Weg zum Mietvertrag fast immer über die Provision. Mieter zahlen Maklern in solchen Fällen derzeit geschätzt rund 570 Millionen Euro jährlich, so Julian Zado vom Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz. Das ändert sich künftig. Denn am vergangenen Freitag hat auch der Bundesrat dem Gesetz zum Bestellerprinzip zugestimmt. Heißt: Wer den Makler bestellt, der bezahlt ihn auch. Das Gesetz tritt zum 1. Juni in Kraft, falls es Bundespräsident Joachim Gauck unterschreibt.

Michael Voigtländer, Immobilienexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft, sieht dadurch Änderungen auf den deutschen Mietmarkt zukommen. "Um Kosten für den Makler zu sparen, werden private Vermieter ihre Wohnungen vermehrt selbst vermieten. Suchanzeigen gewinnen an Bedeutung", sagt Voigtländer. Solche Anzeigen, in denen sie das gewünschte Objekt und sich selbst beschreiben, können Interessenten inzwischen auch auf Immobilienportalen wie etwa immonet.de, immowelt.de und immobilienscout24.de schalten. Bei immobilienscout24.de sind es über 4000 Suchanzeigen - bei 152 000 Wohnungsangeboten, wie Sonja May von der Immobilien Scout GmbH mitteilt.

"Je nach Region liegt die Beteiligung von Maklern an der Vermittlung einer Mietwohnung bei 40 bis 50 Prozent", erläutert Jürgen Michael Schick, Vizepräsident des Immobilienverbands Deutschland (IVD). Facebook-Gruppen, in denen privat Angebote vermittelt werden, hält Schick für keine Konkurrenz: "Dass auszugswillige Mieter selbst einen Nachmieter suchen oder private Eigentümer selbst die Vermietung übernehmen, gab es schon immer. Nur der Kanal über Facebook ist relativ neu, hat aber keinen signifikanten Einfluss auf das Maklergeschäft.

Suche in Facebook

Die Facebook-Gruppe "Wohnungsbörse Saarbrücken " existiert seit fast drei Jahren und hat derzeit über 5600 Mitglieder. "Derzeit kommen täglich im Durchschnitt 25 neue Mitglieder dazu", berichten die beiden Administratoren. "In der Gruppe suchen vor allem Studenten nach Kurzzeit-Mieten und WG-Zimmern. Single-Wohnungen sind auch sehr gefragt." Neben Studenten hielten dort vor allem diejenigen Ausschau nach einer Bleibe, die auf dem freien Markt oft Probleme hätten, so die Administratoren - beispielsweise Geringverdiener, Haustierbesitzer, Familien oder Alleinerziehende mit Kindern. Das wird wohl auch so bleiben - Bestellerprinzip hin oder her.