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Gezielte Anzeigen durch Cookies
Surfer im Visier der Werbewirtschaft

Je mehr Online-Shops über ihre Kunden wissen, desto genauer schneiden sie ihr Angebot auf diese zu.
Je mehr Online-Shops über ihre Kunden wissen, desto genauer schneiden sie ihr Angebot auf diese zu. FOTO: Andrey Popov / Fotolia
Düsseldorf. Online-Anzeigendienste verfolgen genau, was Nutzer im Internet tun. Sich dagegen zu wehren ist möglich, aber mühsam. Von Martin Trappen

Wenn zwei Menschen zur selben Zeit denselben Begriff in dieselbe Suchmaschine eingeben, erhalten sie niemals dasselbe Resultat. Wie kann das sein? Zahlreiche Faktoren beeinflussen, welche Ergebnisse Google, Yahoo, Bing und Co. ausspucken. Nutzer sollten sich dessen bewusst sein, mahnt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen und hat einige Tipps parat.


Cookies sind die am weitesten verbreitete Methode, mit der Webseiten Daten über ihre Nutzer erheben. „Cookies sind kleine Textdateien, die von einem Server an einen Web-Browser – etwa Firefox, ­Chrome oder der Internet Explorer – übermittelt werden“, erläutert Hauke ­Mormann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Aufgrund dieser Daten könne gezielt Werbung gezeigt werden. „Wer beispielsweise nach Karibikreisen googelt, sieht dann zahlreiche Werbeanzeigen, die ähnliche Reisen anbieten.“

Um dem entgegenzuwirken, empfehlen die Verbraucherschützer, den Browser so einzustellen, dass dieser Cookies von Drittanbietern nicht zulässt. Drittanbieter sind in diesem Fall all jene Dienste, die Cookies über fremde Seiten anlegen. Zahlreiche Werbetreibende schalten beispielsweise Anzeigen über Google. Wenn ein Nutzer auf eine solche Anzeige klickt, erfährt nicht nur Google davon, sondern auch derjenige, der die Anzeige geschaltet hat. Wenn ein solcher Anbieter einen Cookie anlegt, handelt es sich um einen Drittanbieter-Cookie. Ein weiterer Tipp der Verbraucherzentrale: Anwender sollten sichergehen, dass ihr Browser alle Cookies beim Schließen löscht. Ansonsten könnten diese über Jahre bestehen bleiben, mahnen die Datenschützer. Viele Browser bieten zudem die Option an, Cookies geräteübergreifend zu synchronisieren. Die Verbraucherzentrale rät dringend ab, von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen.



Mormann gibt auch zu bedenken: „Hinter Google steckt nicht nur eine Suchmaschine, sondern ein Multi-Milliarden-Dollar-Konzern.“ Unter anderem gehört dem Unternehmen auch das Android-Betriebssystem für Smartphones und Tablet-Computer. „Wer auf seinem Android-Smartphone nichts an den Einstellungen verändert, dessen Gerät übermittelt zahlreiche Daten an Google, darunter auch, welche Apps auf dem Handy häufig verwendet werden“, warnt Mormann. Aufgrund dieser Daten schalte der Konzern dann unter anderem personalisierte Werbung.

Dies lässt sich laut Aussage der Verbraucherschützer jedoch verhindern. Der Nutzer benötige dafür kein ­Google-Konto. Er müsse nur die von dem Internetkonzern eingerichtete Seite https://adssettings.­google.com aufrufen und dort die Anzeigenpersonalisierung ausschalten. Der Nutzer sehe danach immer noch Werbung, doch sofern diese über Google laufe, werde sie nicht mehr individuell angepasst. Der Nachteil ist, dass diese Einstellung beim Öffnen des Browsers jedes Mal von Neuem geändert werden muss. Daran wird eines offensichtlich: „Das Problem mit dem Datenschutz ist, dass er von jedem einzelnen Nutzer einiges an Zeit und Aufwand erfordert“, so Mormann.

Doch nicht alle Anzeigen im Internet werden über Google geschaltet. Und die verwendeten Apps sind nicht die einzigen Daten, die Webseiten und deren Betreiber sammeln. Beispielsweise übermitteln Browser in der Regel, mit welchem Gerät ein Nutzer eine Webseite aufruft. Verwendet dieser ein brandneues Smartphone oder Tablet, könnte das in höheren Preisen in Online-Shops resultieren. Diese Vermutung liege zumindest nahe, auch wenn sie sich nicht eindeutig nachweisen lasse, erklärt die Verbraucherzentrale Brandenburg. Grundsätzlich schwankten Kaufbeträge im Internet-Handel sehr stark und kurzfristig, weshalb es schwierig sei, eine Preisveränderung auf einen einzelnen Aspekt wie das vom Käufer genutzte Gerät zurückzuführen.

Eine Möglichkeit, die eigenen Daten besser zu schützen, bieten so genannte Meta-Suchmaschinen. Diese Plattformen nutzen für ihre Ergebnisse nicht nur eine, sondern mehrere Suchmaschinen. Gleichzeitig erheben diese Seiten keine Daten über ihre Nutzer, so das Versprechen der Betreiber. Daher könnten sie auch keine Daten an Google, Yahoo oder Microsoft weitergeben. Die Seiten fungieren damit als Schutzschicht zwischen dem Anwender und den Suchmaschinen. Die Verbraucherzentrale empfiehlt die Meta-Suchmaschinen „Metager“, betrieben von der Leibniz-Universität Hannover, und „Startpage“, für die das holländische Unternehmen Surfboard Holding verantwortlich ist.

Grundsätzlich rät die Verbraucherzentrale davon ab, nur auf eine Plattform zu setzen. „Nutzer sollten stets verschiedene Suchmaschinen nutzen, um die Ergebnisse vergleichen zu können“, empfiehlt ­Mormann. Zudem sei es ratsam, unterschiedliche Browser für verschiedene Zwecke nutzen: einen Browser zum Online-Einkauf, einen anderen für soziale Netzwerke und wieder einen anderen für Berufliches. Gleiches gelte für E-Mail-Adressen.