Online-Promis lenken durch Empfehlungen Käufe von Jugendlichen

Einkaufen auf Empfehlung : Wie Influencer Jugendliche beeinflussen

Jeder zweite Heranwachsende ist bei Kaufentscheidungen bereits von Online-Promis geködert worden.

Die Hälfte aller deutschen Jugendlichen hat schon einmal auf Empfehlung von Influencern Produkte gekauft. Das geht aus der Postbank-Jugend-Digitalstudie 2019 hervor. Influencer (engl. to influence, dt. beeinflussen) sind Menschen, die vor allem in sozialen Netzwerken bekannt geworden sind und dort besonders viele Online-Fans, auch Follower oder Abonnenten genannt, haben. Die Internetprominenten nutzen Seiten wie die Videoplattform Youtube, die Fotoplattform Instagram oder den Kurznachrichtendienst Twitter. Blogger benutzen ihre eigene Internetseite, um ihre Fans zu erreichen. Auf diesen Seiten erzählen sie aus ihrem Leben und flechten in ihre Beiträge gegen Bezahlung auch Werbung ein. Beiträge berühmter Online-Promis verfolgen in den sozialen Medien oft Tausende, wenn nicht sogar Millionen von Menschen. Somit können Influencer starken Einfluss auf ihre Anhänger ausüben, besonders auf Jugendliche. Unternehmen spannen die Online-Prominenz daher schon seit geraumer Zeit für Werbekampagnen ein.

Dass dieses Geschäft lukrativ sein kann, hat vor Kurzem eine Umfrage des Online-Konzerns Rakuten Marketing gezeigt. Die Marktforscher haben festgestellt, dass selbst Influencer mit vergleichsweise wenigen Anhängern (30 000 oder weniger) um die 30 000 US-Dollar (rund 27 300 Euro) für eine Werbekampagne verdienen können.

Die Postbank-Erhebung zeigt nun, welchen Einfluss Influencer auf das Kaufverhalten von Jugendlichen tatsächlich haben. Youtuber, Instagrammer und Blogger machen demnach Eindruck bei deutschen Jugendlichen und beeinflussen deren Kaufentscheidungen. 53 Prozent der Jugendlichen zwischen 16 und 18 Jahren sagen, sie haben in den vergangenen sechs Monaten aufgrund von Influencer-Werbung ein bestimmtes Produkt gekauft. Youtuber stehen dabei in der Gunst der Jugendlichen ganz oben, gefolgt von Online-Promis auf Instagram. 43 Prozent der Befragten haben auf Googles Videoplattform etwas gesehen, das sie dann auch gekauft haben, 13 Prozent seien innerhalb der vergangenen sechs Monate sogar mehrfach einer Produktempfehlung eines Youtubers gefolgt, hält die Postbank-Erhebung fest. 31 Prozent habe ein Bild bei Instagram zum Kauf inspiriert, ebenfalls 13 Prozent sogar zu mehreren Käufen. Blogger haben auf 14 Prozent diesen Einfluss. Doch auch andere Influencer, etwa bei der Videoplattform Twitch, auf der vor allem Videospieler Szenen aus aktuellen Computerspielen live übertragen, oder dem Kurznachrichtendienst Snapchat, über den größtenteils Bilder und kurze Videoschnipsel verschickt werden, motivieren noch 22 Prozent der Jugendlichen zum Einkauf.

Der Bummel durch Ladengeschäfte sei für junge Leute heutzutage weniger relevant, heißt es in der Postbank-Studie weiter. Die Jugendlichen in Deutschland, die sich bei Youtube, Instagram und Co. inspirieren lassen, kaufen dann auch gleich online die gewünschten Produkte. Neun von zehn Jugendlichen geben im Netz durchschnittlich 54 Euro pro Monat aus. Die 16- bis 18-Jährigen bestellen besonders häufig Schuhe und Kleidung. 66 Prozent kaufen diese Produkte laut eigenen Angaben zumindest manchmal online ein. Sehr beliebt seien auch Medienprodukte wie Bücher, CDs, DVDs und Blu-rays. Die Mehrheit dieser Altersgruppe versorgt sich im Netz mit Filmen und Serien über Dienste wie Netflix oder Amazon Prime. 52 Prozent geben online Geld für Streamingdienste aus, mit denen sich Filme und Serien gegen eine monatliche Abo-Gebühr jederzeit und überall aus dem Internet abrufen lassen. Bücher, CDs, DVDs, Blu-rays und andere Medienprodukte kaufen noch 49 Prozent im Internet. Musik-Streaming über Dienste wie Spotify oder Apple Music nutzen 45 Prozent der Jugendlichen.

Hinsichtlich des Kaufverhaltens gibt es der Postbank-Umfrage zufolge deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Bei Jungs stehen Online-Spiele und sogenannte Ingame-Käufe mit 56 Prozent an zweiter Stelle, knapp hinter der Kleidung. Bei Ingame-Käufen handelt es sich um eine Funktion, die sich heutzutage in zahlreichen Spielen, vor allem für Smartphones, findet. Sie ermöglichen es dem Spieler, sich innerhalb eines Computerspiels zusätzliche Gegenstände oder Spielvorteile gegen echtes Geld zu kaufen. Von den weiblichen Jugendlichen können sich nur 23 Prozent für Videosiele begeistern. Jungs bestellen im Internet auch häufiger Unterhaltungselektronik als Mädchen (47 zu 28 Prozent). Sie kaufen dafür öfter Kleidung ein (75 zu 57 Prozent). Männliche Jugendliche geben beim Online-Shopping mit 66 Euro monatlich deutlich mehr aus als weibliche, die im Schnitt mit 42 Euro hinkommen.

Amazon ist bei den deutschen Internetnutzern egal welcher Altersgruppe mit knapp 90 Prozent das beliebteste Onlinekaufhaus. An zweiter Stelle folgt das Internetauktionshaus Ebay. Das Internet hat auch die Einkaufgewohnheiten der Menschen verändert. Mit dem Einkauf im Internet habe sich für rund 40 Prozent der Deutschen auch der Bezug zum Geld verändert, gerade bei den Jüngeren, konstatiert die Postbank. Mehr als jeder Dritte lasse sich häufig zu ungeplanten und nicht notwendigen Spontankäufen verleiten. Der Umwelt zuliebe wollen die meisten ihre Onlinekäufe zwar nicht einschränken. Doch fast jeder Zweite möchte nur noch Produkte bestellen, die er wahrscheinlich nicht zurückschicken muss. Zudem werde vermehrt darauf geachtet, dass die Produkte gesammelt und in einer Lieferung zugestellt werden.

Mehr von Saarbrücker Zeitung