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Online-Betrüger kaperten Webseite der SPD Auersmacher

Kriminelle Geschäfte mit Fake-Shops : Online-Betrüger kaperten Webseite der SPD Auersmacher

Betrüger versuchen immer öfter, mit verwaisten Domains Kasse zu machen. Verhindern kann das niemand.

Wer die Internetseite spd-auersmacher.de aufgerufen hat, staunte noch bis vor Kurzem nicht schlecht. Denn dort hatten Onlinebetrüger einen sogenannten Fake-Shop eingerichtet, also einen gefälschten Online-Laden, der darauf aus ist, mit angeblichen Schnäppchen Käufern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Für kleines Geld konnte man auf der Seite Babyspielzeug oder Kindersitze bestellen. Die SPD im Kleinblittersdorfer Ortsteil Auersmacher nutzt die Adresse längst nicht mehr, sie hatte die Domain wieder freigegeben.

Damit stehen die Auersmacher Sozialdemokraten nicht allein. In ganz Deutschland und damit auch im Südwesten der Republik wurden verwaiste Domains mit der Endung „.de“ von Betrügern gekauft. So berichtete der SWR von der ehemaligen Seite der FDP Gaggenau, dass dort die Damenhose „Sabrina“ für 155,49 Euro angeboten wurde. Regulär hätte sie mehr als das Doppelte gekostet.

Weitere verwaiste Seiten nannte kürzlich die „Tagesschau“. Auf „cdu-seckback.de“ wurden Baseball-Trikots verkauft, auf „fraktion-bfz-gruene.de“ wurden Babyschuhe angeboten. Doch es sind nicht nur Parteien, sondern auch Vereine, Arzt-Praxen und Privatpersonen betroffen, schreibt das Online-Magazin Finanztipp.

Insgesamt existieren 16 000 solcher Fake-Shops, die mit „.de“ enden, wie Medien unter Berufung auf die Kölner Digitalberatungs-Gesellschaft WDP berichteten. Deutsche Domains seien für solche gefälschten Läden, die oft ihren Sitz in Osteuropa oder China haben, besonders beliebt. Denn sie seien seit Jahren etabliert und in Suchmaschinen relativ weit oben gelistet. Wer zum Beispiel günstige Markenkleidung kaufen wolle, werde von Google und Co. schnell auf eine solche Seite gelenkt, sagt WDP.

Die Masche sei immer die gleiche. Betrüger suchen systematisch nach abgelaufenen Domains von seriösen Organisationen, die ihre Besitzer nicht verlängert haben, und erwerben die Seite bei den zuständigen Anbietern. Darauf bauen sie eine Seite, die aussieht, wie die eines ganz normalen Onlinehändlers, erklärt Finanztipp.

Wer im Internet auf Einkaufstour gehe, solle das daher immer mit einer gehörigen Portion Misstrauen tun, rät das Landeskriminalamt Niedersachsen. Besondere Vorsicht sei gebeten, wenn Käufer aufgefordert werden, per Vorkasse zu zahlen. Weitere Warnsignale seien, wenn die Produkte ungewöhnlich günstig angeboten werden oder nur noch wenige gerade verfügbar seien. Auch wenn das Impressum unvollständig oder überhaupt nicht vorhanden sei, sei das verdächtig. Zudem werden die Bestellungen nicht bestätigt.

Die Fahnder seien weitgehend machtlos, sagt das LKA. „Das Schließen eines aufgedeckten Fake-Shops kann je nach Anbieter und Land bis zu einigen Wochen dauern. So lange können die Betrüger weiterhin agieren. Der finanzielle Schaden kann immens hoch sein“, erläutern die Beamten.

Durch die Selbstverwaltung der Domain-Vergabe im Internet gibt es Fachleuten zufolge auch keine Möglichkeit, Betrügern die Übernahme von verwaisten Seiten zu verweigern. Das räumt auch die Genossenschaft Denic ein, die alle .de-Domains zentral verwaltet. Denic schiebt die Schuld auf die Anbieter und Registrare, die am Ende die Domain-Namen vergeben und registrieren, offenbar ohne groß darauf zu achten, wer im Einzelnen dahinter steckt. Das festzustellen, sei nicht vorgesehen und wäre bei 16 Millionen Domains mit der Endung .de auch schwierig. „Hauptsache man kann in Ruhe Geld verdienen“, heißt es dazu kritisch im Blog webschauder.de, das sich auf Rechtsverstöße im Internet spezialisiert hat. Doch verdrängen kann man das Problem nicht. Rund vier Millionen Deutsche seien inzwischen durch Fake-Shops betrogen worden, bilanziert der Verbraucherzentrale-Bundesverband.

Die früheren Betreiber der Internetseiten können wenig dagegen machen, wenn ihre ehemaligen Domains von Betrügern gekapert werden. „Das ist natürlich ärgerlich“, sagte der FDP-Ortsgruppe-Vorsitzende der norddeutschen Kleinstadt Mölln, Dieter Ruhland, dem NDR. Nachdem die Liberalen die Domain aufgegeben hatten, wurden dort unter „fdpmoelln.de“ Sneaker-Schuhe angeboten. Doch wenn Ruhland darauf angesprochen wurde, hat er nur mit den Schultern zucken und lächelnd sagen können: „Damit habe ich nichts zu tun.“ Das Medienecho hatte offenbar Wirkung. Seit wenigen Tagen ist die Seite im Internet nicht mehr zu finden.

Bei der SPD Auersmacher liefen Aufstieg und Fall des Fake-Shops offenbar unbemerkt ab. „Das ist mir neu“, sagt Kurt Wahrheit auf Anfrage. Er ist Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Obere Saar, zu dem sich die ehemaligen Ortsvereine Auersmacher, Rilchingen-Hanweiler und Sitterswald vor drei Jahren zusammengeschlossen haben. Doch das Internet vergisst nichts. Denn die „Online Marketing Rockstars“ (omr.com) haben die Geschichte aufgeschrieben. Dort kann man nachlesen, dass bei „spd-auersmacher.de“ der Cybex Gold Kinderautositz Juno nur 982,19 statt der üblichen 1047,26 Euro kosten sollte.

 Foto: Waybackmachine
Foto: Waybackmachine Foto: Waybackmachine

omr.com/de/expired-
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