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Online-Banking auf dem Vormarsch
Das Smartphone wird zum Portemonnaie

In immer mehr Geschäften können Kunden ihre Rechnungen mit dem Smartphone begleichen.
In immer mehr Geschäften können Kunden ihre Rechnungen mit dem Smartphone begleichen. FOTO: dpa-tmn / Yapital
Berlin. Finanzgeschäfte von zu Hause erledigen und im Supermarkt mit dem Handy zahlen – Online-Banking ist für die meisten Menschen in Deutschland selbstverständlich. Doch viele Bundesbürger sorgen sich um die Sicherheit ihrer Kontodaten. Von Annabelle Theobald

Android-Nutzer können mit dem Dienst Google Pay seit Sommer per Smartphone in vielen Geschäften kontaktlos zahlen – wenn ihre Bank mit Google kooperiert oder sie ein Paypal-Konto haben. Die Sparkassen- und Volksbanken-Raiffeisenbanken haben, kurz nachdem Google Pay an den Start gegangen ist, mit eigenen mobilen Bezahlsystemen nachgezogen.


Apple-­Nutzer waren bislang allerdings außen vor. Da das Unternehmen den zum drahtlosen Bezahlen benötigten NFC-Chip nicht für andere freigibt, können Besitzer eines Apple-Gerätes die bestehenden Angebote von Google und den Banken nicht nutzen. Der eigene Dienst, Apple Pay, ist bisher noch nicht in Deutschland angekommen. Laut Konzern-Chef Tim Cook soll aber bis spätestens Ende des Jahres auch für Nutzer von Apple-Geräten das kontaktlose Zahlen per Smartphone möglich sein.

Mehr als drei Viertel der Internetnutzer erledigen laut dem Digitalverband Bitkom ihre Bankgeschäfte mittlerweile online. Gegenüber der vergangenen Bitkom-Umfrage im Jahr 2016 ist damit die Zahl der Menschen, die Online-Banking nutzen, nochmals um sechs Prozent auf jetzt 76 Prozent angestiegen. Nahezu jeder Nutzer des elektronischen Verfahrens prüfe damit seinen Kontostand, 92 Prozent überwiesen Geld und 72 Prozent verwalteten digital ihre Daueraufträge.



Darüber hinausreichende Funktionen würden allerdings weniger genutzt. Nur 43 Prozent der Befragten gaben an, dass sie online ihre Kreditkartenabrechnung prüfen und 38 Prozent ließen sich von ihrer Bank über Zahlungseingänge oder bei der Überziehung des Kontos informieren. Eine Beratung zu ihren persönlichen Finanzen haben laut Bitkom-Umfrage bisher nur 17 Prozent der Nutzer online in Anspruch genommen. 29 Prozent der Befragten gingen laut eigener Aussage nicht mehr in die Bankfiliale, sondern erledigten alles online.

Das Smartphone wird dabei für Nutzer des Online-Bankings immer attraktiver. 44 Prozent der Befragten gaben an, dass sie ihre Bankgeschäfte mit einem Mobilgerät vornehmen. Bei jungen Menschen ist das Smartphone als Instrument für das Online-Banking beliebter als bei älteren. Während nur 22 Prozent der über 65-Jährigen mit dem Handy ihre Bankgeschäfte führen, sind es bei den 14 bis 29-Jährigen und bei den 30- bis 49-Jährigen fast die Hälfte. 90 Prozent der Online-Banking-Nutzer sind der Meinung, dass ihnen damit alle notwendigen Funktionen zur Verfügung stehen und immerhin 83 Prozent halten die Nutzung für sicher. Jeweils etwa 80 Prozent der Befragten finden Online-Banking übersichtlich und leicht zu bedienen.

Die Bitkom-Umfrage zeigt auch, dass die Deutschen durchaus offen für neue Entwicklungen im Bereich des Online-Bankings zu sein scheinen. Immerhin 35 Prozent der Befragten gaben an, dass sie ihre Bankgeschäfte künftig gerne per Sprachsteuerung erledigen würden. Von denjenigen, die bereits digitale Sprachassistenten wie etwa Alexa oder Google Home besitzen, gaben sogar 52 Prozent an, sie gerne zu diesem Zweck nutzen zu wollen. Neuen Finanzdienstleistern wie Paypal und Payback stehen 42 Prozent der Befragten offen gegenüber. Internet-Konzerne wie Apple, Google und Amazon können sich immerhin 38 Prozent der Umfrage-Teilnehmer als Partner für Bankgeschäfte vorstellen.

Seit Anfang des Jahres ist die EU-Zahlungsrichtlinie PSD2 (Payment Services Directive) in Kraft. Der Bundesverband deutscher Banken erklärt, dass eine der wichtigsten Änderungen durch die Richtlinie sei, dass Kunden künftig im Online-Banking Drittdienste beauftragen könnten, Zahlungen vorzunehmen oder Kontoinformationen abzurufen. Die Bank müsse den Anbietern den Zugang zu diesen Daten gewähren. Für die technische Umsetzung wurde den Banken und Sparkassen noch eine Frist eingeräumt, sodass erst im September 2019 alle vereinbarten Regelungen wirksam werden.

Die neue Richtlinie gilt laut c’t-Magazin beispielsweise für Anbieter von „Multibanking“-Apps, die für den Nutzer Konten bei verschiedenen Banken und Sparkassen bündeln, sie in einer Übersicht darstellen und Überweisungen von allen Konten zulassen. Bisher mussten Kunden dem Dienstleister hierfür den gesamten Kontozugang zur Verfügung stellen, mit PSD2 solle nun der Zugriff sicherer, geregelter und anlassbezogener werden.

Von der Richtlinie haben laut Bitkom-Umfrage bisher nur 37 Prozent der Befragten gehört. Obwohl jeder Dritte Befragte prinzipiell gut findet, das nicht mehr ausschließlich die Bank Kontodaten und -bewegungen überblicken kann, machen sich doch 88 Prozent der Befragten Sorgen um die Sicherheit. Die restlichen zwölf Prozent sehen in der Zahlungsrichtlinie eine Chance und wünschen sich laut Bitkom konkrete Angebote von Unternehmen, die mithilfe der Kontodaten Einsparpotenziale aufdecken und Beratungen anbieten können.

Die 24 Prozent der Befragten, die Online-Banking nicht nutzen, geben laut Bitkom Sicherheitsbedenken als Grund dafür an. 83 Prozent von ihnen haben Angst, dass so mehr Daten über sie gespeichert würden, und 77 Prozent fürchten den Zugriff von Kriminellen. Auch soziale Aspekte spielen für die Befragten eine Rolle. Zwei Drittel wünschen sich laut Umfrage bei ihren Bankgeschäften das Gespräch mit anderen Menschen. Mehr als die Hälfte derjenigen, die Online-Banking bislang nicht nutzen, hält es laut Umfrage für zu kompliziert und etwa ein Viertel findet es zu zeitaufwändig.